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10 Fragen zum Thema Integration

1. Neun Länder im Vergleich: Wo leben Migranten?

Was Migrantenzahlen betrifft, herrscht in Österreich eine Balance zwischen Ost und West. Wien und Vorarlberg weisen die höchsten Migrantenzahlen auf. Knapp 33 Prozent aller Wiener stammen aus einem anderen Herkunftsland, in Vorarlberg sind es 20 Prozent. In Kärnten lebt im Gegenzug dazu eine recht geringe Zahl an Personen mit ausländischer Herkunft auf (rund 11 Prozent). Die größte Einwanderergruppe sind hier die Deutschen, verhältnismäßig wenige Zuwanderer stammen aus der Türkei. Genauere Informationen zu Ihrem Bundesland finden Sie in der Grafik.

2. Münchner Weißwurst statt serbischer Bohnensuppe - woher stammen die meisten Migranten österreichweit?

Mit 1.1.2010 stellen die rund 207.000 Migranten aus Serbien, Montenegro und Kosovo nicht mehr die größte Zuwanderergruppe in Österreich. Sie wurden von den 213.000 deutschen Migranten auf Rang 2 verwiesen. Den 3.Platz belegen 183.000 türkeistämmige Zuwanderer. Migranten aus Bosnien und Herzegowina und Kroatien rangieren an 4. und 5. Stelle. Die meisten Zuwanderer (rund 40 Prozent) kommen aus einem EU-Staat. Über ein Drittel der Personen ausländischer Herkunft besitzen bereits die österreichische Staatsbürgerschaft.

3. Was ist der Unterschied zwischen einem Migranten und einem Asylwerber?

In der Integrationsdebatte in Österreich werden verschiedene Begriffe benutzt und oft vermischt. Dabei sollte man klar trennen: Migranten sind Personen, die aus wirtschaftlichen oder familiären Gründen nach Österreich kommen. Asylwerber sind Personen, die in Österreich um Schutz ansuchen, weil sie angeben, dass sie in ihrem Heimatland wegen ihrer Herkunft, Religion oder aus politischen Gründen verfolgt werden. Wenn ein Antrag auf Asyl berechtigt ist, darf diese Person in Österreich bleiben. Auch die Größenverhältnisse werden oft falsch eingeschätzt: Nur 5 Prozent der Ausländer in Österreich sind Asylwerber. 

4. Wie hoch ist der Ausländeranteil in Österreich?

Aufgerechnet auf die Gesamtbevölkerung leben laut Eurostat 2009 die meisten Ausländer in Luxemburg (43,5 Prozent der Gesamtbevölkerung), auf Platz 2 rangiert Lettland. Österreich liegt im Eurostat-Ranking mit 10,3 Prozent hinter Spanien und Irland an 7. Stelle. Der Ausländeranteil liegt damit über dem EU27-Schnitt von 6,4 Prozent.

5. Gibt es ein Erfolgsrezept für gute Integration?

Deutschkenntnisse, Bildung und berufsorientierte Qualifikation sowie die Anerkennung von Werten wie Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Emanzipation gehören in jedem Fall zu den benötigten Zutaten. Klar muss aber auch sein, dass Integration ein wechselseitiger Prozess ist. Migranten und die österreichische Mehrheitsgesellschaft sind gleichermaßen gefordert, um ein friedliches Zusammenleben zu garantieren.

6. „1,2,3,4,5 - wie viele Kinder haben ausländische Frauen?“

Ausländer bekommen viel mehr Kinder als Österreicher, so die herrschende Meinung. Doch wie sehen die Zahlen wirklich aus? Österreicherinnen bekamen 2009 durchschnittlich 1,3 Kinder, Ausländerinnen gebaren rund 2 Kinder. Große Unterschiede zeigen sich zwischen Müttern unterschiedlicher Herkunft. Während Frauen aus dem ehemaligen Jugoslawien im Schnitt 1,9 Kinder zur Welt brachten, bekamen Türkinnen 2,4 Kinder. Interessant: Die Kinderzahl sinkt bei eingebürgerten Frauen auf durchschnittlich 1,5 Kinder.

7. Sind Migranten schlechter gebildet als Österreicher?

Ja und Nein. Einerseits gehören türkeistämmige Migranten zu den am schlechtesten Ausgebildeten. 2009 verfügten 68 Prozent aller türkischen Migranten nur über einen Pflichtschulabschluss. Andererseits zählen Migranten aus den EU-Staaten zu den besten Köpfen des Landes: 29 Prozent von ihnen haben einen Universitätsabschluss.

8. In welchen Branchen sind Migranten tätig? 

Die meisten Migranten sind im Handel und dem verarbeitenden Gewerbe beschäftigt. Aber auch im Hotel- und Gastgewerbe, am Bau und im Gesundheitsbereich finden sich viele Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund. Besonders Zuwanderer der ersten Generation arbeiten häufig in der Tourismus- und Baubranche, Migranten der zweiten Generation sind stärker im Handel vertreten. Während Österreicher ohne Migrationshintergrund meist als Angestellte ihr Gehalt verdienen, sind fast die Hälfte aller Migranten als Arbeiter tätig. Aber auch im hochqualifizierten Bereich wie zum Beispiel an Universitäten sind viele Migranten tätig.

9. Wo gibt es Probleme in der Integration?

Erfolgreiche Integration betrifft viele Lebensbereiche. In wichtigen Bereichen wie Sprache und Bildung sowie Arbeit und Beruf müssen Maßnahmen zur erfolgreichen Integration gesetzt werden. Insbesondere Migranten aus Drittstaaten wie der Türkei und Ex-Jugoslawien haben öfter einen niedrigeren Bildungsstandard als Österreicher, dies geht mit einer höheren Arbeitslosigkeit einher. Gleichzeitig arbeiten viele gut qualifizierte Zuwanderer unter ihren Fähigkeiten.

10. Wer ist eigentlich für Integration zuständig?

Integration ist eine Querschnittsmaterie. Formal zuständig ist das Innenministerium, das eine koordinierende Funktion zwischen den einzelnen Ministerien, Ländern und Gemeinden einnimmt. Das Innenministerium kann aber auch eigene Initiativen setzen wie die Rot-Weiß-Rot-Karte oder die Integrationsvereinbarung.Die neu eingerichtete Integrationsabteilung des Innenministeriums ist auch für die Integrationsförderung und die Verteilung von EU-Geldern für Integrationsprojekte zuständig. Der Nationale Aktionsplan bündelt alle Integrationsaktivitäten (siehe Infokasten).

Infokasten

Der Nationale Aktionsplan für Integration (NAP) wurde 2010 beschlossen. Er definiert sieben verschiedene Handlungsfelder, in denen Maßnahmen zur Integration gesetzt werden sollen. Unter diesen Feldern befinden sich Bereiche wie Sprache und Bildung, Arbeit und Beruf oder auch Rechtsstaat und Werte. Durch verschiedene Indikatoren soll Integration in Zukunft messbar sein. Ziel ist des NAP ist es, Integrationsmaßnahmen zu strukturieren und Defizite zu beseitigen. Weiters sollen Potenziale von Personen mit Migrationshintergrund besser genutzt werden.Der Integrationsbeirat ist das Steuerungsgremium des NAP. Hier sind sämtliche Ministerien, Länder und NGOs vertreten. Der 2011 gegründete Expertenrat mit Vertretern aus der Wissenschaft gibt Empfehlungen zu den einzelnen Handlungsfeldern ab. Info: www.integration.at

Grafik 1: Anteil der Bevölkerung ausländischer Herkunft in den Bundesländer

Grafik 2: Zuwanderung nach Österreich 2002-2009
Mit der Jahrtausendwende verstärkt sich die Zuwanderung aus den EU-Staaten, besonders aus Deutschland. Die Zahl türkischer und ex-jugoslawischer Migranten geht zurück.

Grafik 3: Herkunftsländer der Zuwanderer nach Österreich
Die größte Migrantengruppe sind unsere Nachbarn, die Deutschen. Gefolgt von Zuwanderern aus Serbien, Montenegro und dem Kosovo. Auf Platz 3 rangieren türkische Migranten.