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"Der Deutsche ist humorlos"

Dirk Stermann über Vorurteile und Klischees gegenüber Österreichs größter Migrantengruppe – den Deutschen.

VON DIRK STERMANN

Immerhin

Laut Gallup Institut ist Karl Heinz Grasser bei den Österreichern unbeliebter als ein herkömmlicher Deutscher. Deshalb muss ich auch nicht im Fernsehen Briefe von Damen vorlesen, die behaupten, ich sei zu schön und zu gebildet und meine Frau sei auch zu toll, als dass die Neidgesellschaft mich mögen kann. Aber, beliebter als Karl Heinz Grasser zu sein, heißt nicht viel. Eine Magen-Darm-Grippe liegt bei diesen Umfragen immer noch deutlich vor den Deutschen, was Sympathiewerte betrifft.Obwohl ich technisch „supernackt“ bin, galt ich bei meiner Ankunft in Wien als „High-Tech-Gastarbeiter“. Weil ich hochdeutsch kann, glaubte man in mir einen Höchstgebildeten zu sehen. Dass ich von Tuten genauso wenig Ahnung hatte wie von Blasen, interessierte nicht, weil: Das Bild, das man sich selber macht, ist immer wahrer, als das eigentliche.Mein jüdischer Komikerkollege Oliver Polak hat einmal öffentlich über einen Judenwitz gelacht und wurde von Nichtjuden dafür kritisiert. Er dürfe das nicht, hieß der Vorwurf. „Tja, wie hätten Sie denn die Opfer gern?“, fragte Polak gut zurück.

Der Deutsche ist präpotent und humorlos

Zum Lachen werden in Deutschland Extra-Keller unterhalb des Kellers gebaut, in die der gemeine Deutsche sich zum Lachen setzt. Wenn der Deutsche lacht, dann über Mainz, wie es singt und lacht. Deutsche haben grundsätzlich hinten im Audi einen ADAC-Reiseatlas liegen, neben der Klopapierrolle, die dekorativ von einem gehäkelten Klopapierrollenhut bedeckt ist. Ganz egal, wie Deutsche tatsächlich sind - diese Bilder sind so nachhaltig in den Köpfen der Nichtdeutschen verankert, dass eine Mischung aus Helge Schneider und Gerhard Polt, aus Loriot und Otto sich zu Fuß und ohne Atlas im Wald verirren könnte und, wie Gott sie schuf, in ebendiesen Wald kacken könnte, und trotzdem würde man hören: „Schau, typisch deutsch!“Weil, wie Berti Vogts es einmal in Bezug auf seine dauernden Kritiker sagte: „Wenn ich übers Wasser gehe, sagen alle: Schaut mal, der Berti kann nicht mal schwimmen!“Nach uns westdeutschen High-Tech-Gastarbeitern folgten die ostdeutschen Wirtschaftsflüchtlinge, die auch alle bei Ute Bock im Keller wohnen müssten, hätte man in Brüssel nicht aus Versehen auch die DDR zur EU dazu geholt. Die Ostdeutschen hat man lange Zeit an der Mode erkannt. Nur jeansartige Jeans, geschnitten, wie es in der Vorvorvorvorsaison schon nicht mehr chic war und die Klopapierrollenhüte der Westdeutschen auf dem Kopf. Die werden auch nicht als höchstgebildet eingestuft, sondern als sprachlich-herausgefordert, bzw. lingual-behindert. Deshalb dürfen sie auch nur in Tirol Jagerteegläser spülen und den Schlepplift ziehen.
Aber eins verbindet die Westdeutschen und Ostdeutschen und Österreicher: Wenn KHG im Tiefschnee steckenbleibt, zieht niemand ihn raus.

 

Dirk Stermann: "Zum Lachen werden in Deutschland Extra-Keller unterhalb des Kellers gebaut, in die sich der gemeine Deutsche zum Lachen setzt."Foto Leitner