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„Der Kontakt mit den Eltern muss optimiert werden“

Rüdiger Teutsch, Experte des Unterrichtsministeriums, über Herausforderungen und aktuelle Maßnahmen in unserem Schulsystem

VON FRANZISKA TROGER

Die moderne Gesellschaft stellt immer vielfältigere Aufgaben an Lehrer und Schüler: Berufstätigkeit beider Elternteile, Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse, Schulen mit 90 Prozent Migrantenanteil. Welche Veränderungen sind notwendig, damit diese neuen Herausforderungen bewältigt werden können?Rüdiger Teutsch, Leiter der Abteilung „Diversität und Sprachenpolitik, Sonderpädagogik und Inklusion, Begabungsförderung“ im Unterrichtsministerium, nennt als oberstes Ziel die Hebung des Bildungsniveaus unter Berücksichtigung der Chancengerechtigkeit. „Die familiäre Herkunft sollte keinen Einfluss auf den Bildungserfolg haben.“ Bislang bestehe hier ein zu starker Zusammenhang: Kinder aus sozial schwachen Familien sind in der Schule weniger erfolgreich als Kinder aus Akademikerfamilien.

Migrantenfamilien besonders betroffen

Hier bedarf es besonderer Förderung auf verschiedenen Ebenen. Teutsch erwähnt als wichtigen Punkt die Elternbildung. „Die österreichische Schule kommuniziert in vielen Fällen nicht optimal mit den Eltern. Das wirkt sich bei Eltern mit einer anderen Muttersprache oft fatal aus.“ Der Kontakt mit den Eltern müsse verbessert werden. Als einen wichtigen Schritt nennt Teutsch eine Informations-DVD des Unterrichtsministeriums, die Alltagsfragen des Schulsystems in vier verschiedenen Sprachen behandelt. Von finanziellem Druck wie dem Entzug der Familienbeihilfe, wenn Kinder häufig in der Schule fehlen, hält Teutsch nichts. „Wir setzten auf Dialog und Information.“

Ganztägige und frühe Förderung

 Als weiteren wichtigen Punkt nennt er die Verstärkung von ganztägigen Betreuungsangeboten. „Die berufliche Situation von Migranten, aber auch von lange ansässigen Österreichern ist vielfach so angespannt, , dass Kinder oft zu wenig oder gar keine Unterstützung von zu Hause erhalten können.“ Das Betreuungsangebot muss auch nach unten erweitert werden. „Dass der Kindergarten ein Bildungsgarten ist, muss gemeinsames Verständnis werden.“ Besonders für Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache wäre die frühe Förderung ein großer Vorteil.

Muttersprache muss gefördert werden 

„Wir schauen derzeit stark auf Defizite unserer Schüler in Deutsch und übersehen dabei oft  ihre Potenziale in der Muttersprache,“ meint der Experte. Ein Ansatz des Unterrichtsministeriums ist der muttersprachliche Unterricht, der in 22 Sprachen angeboten wird. „Wenn grammatikalische Strukturen in der Erstsprache entwickelt sind, ist Deutsch als Zweitsprache auch leichter zu erlernen. Darüber hinaus ist Mehrsprachigkeit natürlich ein wirtschaftlicher Vorteil,“ erklärt Teutsch. Auch das Konzept „LehrerInnenbildung neu“ soll neue Akzente setzen. „Wir wollen verstärkt Quereinsteiger aus Kultur und Sport und auch Lehrerinnen und Lehrer  mit Migrationshintergrund ansprechen.“ Migranten als Lehrer könnten stärkeren Kontakt zu Zuwandererfamilien aufbauen und als Vorbilder für Kinder dienen. Teutsch plädiert für einen differenzierteren Blick auf Bildungsprobleme: „Migranten sind nicht gleich Migranten. Für eine gemeinsame Zukunft müssen wir auf die individuellen Herausforderungen aller Kinder eingehen.“

Dr. Rüdiger Teutsch: "Für eine gemeinsame Zukunft müssen wir auf die individuellen Herausforderungen aller Kinder eingehen."Foto KKA