Disziplin und Leistungswillen werden bei Migrationshintergrund groß geschrieben"
Bruno Posod lehrt am BG/BRG Mössingerstraße in Klagenfurt. Er ist seit 31 Jahren Philosophie-, Psychologie- und Deutschlehrer.
Fokus: Wie ist das Klassenklima unter den Schülern?
Bruno Posod: Der Klassenverband funktioniert gut, ich sehe in keiner meiner Klassen gröbere Reibereien. Die Leute mit Migrationshintergrund fühlen sich gut integriert. Gruppenbildungen gibt es, aber das hängt von gemeinsamen Interessen oder dem Alter ab. Typische „Migrantengruppen“ sehe ich nicht.
Gibt es an Ihrer Schule Außenseiter?
Es gibt immer Außenseiter, die sich aus dem Klassenverband herausnehmen. Aber Migration ist das letzte Motiv, warum jemand ausgeschlossen wird. Da sind wir, glaube ich, eine sehr tolerante Schule.
Gibt es Konflikte oder Gewalt an der Schule?
Konflikte gibt es immer, wenn Leute zusammenarbeiten. Aber Gewalt ist bei uns kein Thema. Wir können unsere Konflikte weitgehend allein lösen. Ein Einschreiten von außen durch die Polizei ist nicht nötig.
Gibt es Probleme mit der Disziplin?
Was die Disziplin und den Leistungswillen angeht, sind viele unserer Schüler mit Migrationshintergrund besser. Sie sind ernster, haben eine gute Arbeitshaltung – sie sind häufig die Leistungsträger und Vorbilder in unseren Klassen. Die meisten streben nach der Matura auch ein Studium an, haben große Pläne.
Sind alle Eltern gleich stark involviert?
Tendenziell zeigen Eltern mit Migrationshintergrund mehr Interesse an ihren Kindern. Sie sind sehr konsequent dahinter, dass ihre Kinder ihre Aufgaben gut machen, dass aus ihren Kindern etwas wird. Sie kümmern sich mehr. Einheimische Eltern haben oft die Mentalität, ich gebe das Kind in der Schule ab und die Lehrer kümmern sich um alles.

