Diaspora – zwischen Brücke und Bewahrer
VON HEINZ FASSMANN
Eine Diaspora ist das Ergebnis einer aktuellen oder historischen Zuwanderung und eines spezifischen Bandes, welches die Diasporagemeinde im Zielland zusammenhält und sie mit dem Herkunftsland verbindet. Eine Diaspora sieht sich als Insel in der Welt der Mehrheitsgesellschaft, aber auch als Brücke zum Heimatland. Eine Diaspora fühlt sich in der Regel auch bedroht, ihre Angehörigen an die Mehrgesellschaft zu verlieren.
Assimilation und Diaspora sind wie Feuer und Wasser, denn ein Aufgehen in der Mehrheitsgesellschaft führt zur Auflösung der Diaspora. Funktionäre einer Diaspora sind daher in der Regel bestrebt, ihre Mitglieder zu halten und werden dabei auch von den Herkunftsländern unterstützt: „Lernt die Sprache des Aufnahmelandes, werdet Mittler der Kulturen, bewahrt aber eure Wurzeln“, lauten die dementsprechenden Appelle.
Die Bewertung der Diaspora – zwischen Brücke und Bewahrer – ist ambivalent und oft auch asymmetrisch. Während wir uns über eine österreichische Diaspora in den Zielländern historischer Wanderungen freuen, sehen wir das Entstehen einer afrikanischen, russischen oder türkischen Diaspora in Österreich sehr viel skeptischer. Mehr Rationalität in der integrationspolitischen Debatte wäre auch bei diesem Thema willkommen.
