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Guter Österreicher und guter Türke?

Herkunftsländer großer Migrantengruppen nehmen sich verstärkt ihrer Diaspora an. Warum sie die Unterstützung von außen brauchen und welchen Einfluss die alte Heimat auf die Integration im neuen Land hat.

„Kann man ein guter Österreicher und zugleich ein guter Türke sein?“ Viele türkische Politiker würden diese Frage mit Nein beantworten. „Ein Türke wird sich immer als Türke fühlen“, erklärte erst vor kurzem Gürsel Dönmez, außenpolitischer Berater von Ministerpräsident Erdogan, bei einem Besuch einer ÖVP-Delegation in Ankara. „In der Wahrnehmung des Herkunftslandes werden die Auslandsbürger noch als Teil der eigenen Bevölkerung gesehen, sie wurden nie ausgelassen“, erklärt Migrationsexperte Heinz Fassmann. Diese Gruppen werden als Brückenköpfe der Heimat angesehen, die Sprache und Tradition im Ausland weitertransportieren sollen. Doch auch die Selbstwahrnehmung türkischer Migranten in Österreich untermauert die Aussagen von Dönmez: Laut einer GfK-Studie aus dem Jahr 2010 fühlen sich 70 Prozent der türkeistämmigen Migranten nicht Österreich, sondern der Türkei zugehörig.Neben der emotionalen Bindung an das frühere Heimatland ist für viele Staaten mit hoher Emigration jedoch das wirtschaftliche Potential von Auslandsbürgern von Interesse.

Finanzielle Unterstützung für Herkunftsländer wichtig

So setzt Griechenland auf eine Diaspora-Anleihe, die Auslandsgriechen weltweit zeichnen sollen, um ihr Heimatland finanziell zu unterstützen. Auch in anderen Ländern wie z.B. Serbien stellen Überweisungen von Auslandsbürgern einen beträchtlichen Teil des BIP dar. Mit einem eigenen Diaspora-Ministerium versucht Serbien die wirtschaftliche, aber auch intellektuelle Kraft seiner Auslandsbürger wieder stärker an sich zu binden. „Wir müssen die Leute in der Diaspora an ihre Wurzeln erinnern und ihnen klarmachen: Es gibt Brüder in der alten Heimat, denen es schlecht geht. Die Diaspora kann ihnen mit Investitionen helfen und noch mehr österreichische Firmen als bisher nach Serbien bringen“, erklärt Wolfgang Rohrbach, Vizepräsident der Österreichisch-Serbischen Vereinigung. Auch ein Diaspora-Parlament (mit 3 österreichischen Vertretern) wurde gegründet. „Das Diaspora-Parlament hat die Aufgabe kulturelle Inseln Serbiens im Ausland schaffen, um unsere Kultur auch dort zu bewahren“, so Rohrbach. Koordiniert werden dieses Inseln von Belgrad aus.

Bremsen Diaspora-Vereine die Integration?

„Das Vereinsleben hilft vielen Migranten mit Landsleuten in Kontakt zu kommen, sich ein Stück Heimat zu erhalten“, erklärt Ana Boskovic. Auch sie selbst engagiert sich in der serbischen Community. Doch ist das Vereinsleben von Migranten für ihre Integration förderlich? Die Funktion der Vereine kann ambivalent gesehen werden, erklärt Fassmann. Einerseits agieren sie als Assistenten für Neuzuwanderer, helfen bei der Aufnahme. Andererseits wollen diese Gruppen auch weiterbestehen und sich nicht völlig in die Mehrheitsgesellschaft integrieren. Borislav Kapetanovic sieht die Tätigkeit von Vereinen klar integrationsfördernd: „Man kann über Vereine Leute ansprechen, die sonst wenig Information über Integration erhalten würden,“ so der Obmann des Dachverbands für serbische Vereine.