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Kommentar: Kulturpflege oder Integrationshürde?

VON ALEXANDER JANDA

Regelmäßig sorgen Äußerungen türkischer Politiker zur Integration ausgewanderter Landsleute für Irritation. Als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnete der türkische Premier Erdogan bekanntlich Assimilation – wiewohl jeder Migranten selbst entscheiden sollte, ob seine Integration im neuen Land auch die komplette Übernahme kultureller Werte umfasst. Erdogan-Berater Gürsel Dönmez bezeichnete kürzlich Deutschkurse vor der Zuwanderung für Türken als „Provokation“ - wiewohl Deutsch der Schlüssel zur Integration in deutschsprachigen Ländern ist.

Es besteht kein Zweifel daran: Herkunftsländer von Migranten sind unverzichtbare Integrationspartner. Sie können ihren Auswanderern die Integration erleichtern: indem sie deren Eigenständigkeit und Entscheidungsfreiheit anerkennen. Sie können ihre Integration aber auch erschweren: indem sie ihnen suggerieren, im neuen Land würden für sie die gleichen Werte und Anforderungen gelten wie im Herkunftsland. Tatsache ist: Unterstützung der eigenen Diaspora bei der Pflege ihrer Kultur ist eine Sache. Unnötige Integrationshürden aufzubauen, ist eine andere. Nicht nur das Aufnahmeland, auch das Herkunftsland muss seine Verantwortung für Integration verlässlich wahrnehmen.

Alexander Janda ist Geschäftsführer des ÖIF.