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"Ausländischen Gast nicht mit Bussi-Bussi begrüßen"

Im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen kann man in viele Fettnäpfchen treten. "Benimmpapst" Thomas Schäfer-Elmayer gibt Verhaltenstipps für Alltagssituationen.

VON VALENTIN SCHWARZ

 

FOKUS: Darf ich als Mann eine Muslimin mit Kopftuch mit Händedruck begrüßen?
Thomas Schäfer-Elmayer: Bei uns wartet der Herr darauf, dass ihm die Dame die Hand reicht. Tut sie es nicht, so kommt es nicht zum Händedruck.

Ich möchte eine Gruppe Menschen ansprechen, die unterschiedlicher kultureller Herkunft sind. "Grüß Gott", "Guten Tag" oder etwas ganz anderes?
In diesem Fall gehen Sie mit "Guten Tag" auf Nummer sicher.

Ich begrüße eine Gruppe Bekannter mit Wangenküsschen. Es ist auch ein ausländischer Gast dabei, dem das vielleicht unangenehm ist. Wie damit umgehen?
"Bussi-Bussi" ist zwar inzwischen eine unter Freunden weit verbreitete Begrüßungsform; einen mir unbekannten ausländischen Gast darf ich allerdings nicht so begrüßen.

Mir wird jemand aus einem fremden Land vorgestellt. Leider weiß ich nicht, was Vor- und was Nachname ist und wie ich die Person höflich anspreche. Was tun?
Es ist besser, sich ganz ehrlich zu erkundigen. Das zeigt, dass Sie keinen Fehler machen wollen, sich für Ihr Gegenüber und seine Kultur interessieren und sie respektieren.

Ich bin in einer Gruppe unterwegs, in der eine Person kein Deutsch spricht. Muss ich den ganzen Abend hindurch aus Höflichkeit Englisch bzw. die gemeinsame Sprache sprechen, auch wenn die Person gerade nicht am Gespräch beteiligt ist?
Ja – jedenfalls solange diese Person mithört.

Darf ich Jugendliche, die auf die Straße spucken, tadeln, wenn das in ihrem Heimatland vielleicht normal und üblich ist?
Selbstverständlich dürfen Sie sie freundlich darauf aufmerksam machen. Erklären Sie einfach höflich, dass Zigaretten wegschmeißen, spucken und dergleichen sich bei uns nicht gehören.

Im Gespräch mit jemandem aus einem anderen Kulturkreis merke ich, dass ich aus Versehen ein für die Person heikles oder peinliches Thema angesprochen habe, etwa Scheidung. Wie komme ich da wieder heraus?
Sie brechen das Thema sofort ab und wechseln abrupt zu einem anderen, wobei Sie möglichst gleich mit einer Frage zu diesem neuen Thema beginnen, damit der Gesprächspartner gänzlich abgelenkt wird.

Ich bin bei Freunden aus einem anderen Kulturkreis eingeladen. Sie tischen mir eine Mahlzeit nach der anderen auf, mehr, als ich essen könnte. Muss ich aus Höflichkeit aufessen?
Wenn Sie den Teller leer essen, ist dies bei uns ein Zeichen dafür, dass es Ihnen geschmeckt hat. In manchen Kulturen bedeutet es aber, dass nicht genug  serviert wurde und Sie noch hungrig sind. In diesem Fall sollten Sie einen sogenannten "Anstandsrest" übrig lassen, um damit zu signalisieren, dass Sie nicht noch mehr essen können.

Jemand bietet mir eine Spezialität an, vor der mir aber ekelt, etwa Innereien. Wie lehne ich höflich ab?
Wenn der Gastgeber ein guter Freund ist, sagen Sie einfach, dass Sie leider keine Innereien essen. Es gibt aber Situationen, in denen es leider nicht möglich ist, abzulehnen. Dies ist auf Geschäftsreisen in exotischen Ländern sogar sehr oft der Fall.

Darf ich bei einem Essen mit einem muslimischen Geschäftspartner Schweinefleisch bestellen?
Nein. Das sollten Sie taktvoll vermeiden. Auch Alkohol sollten Sie nur trinken, wenn der Geschäftspartner danach fragt oder es auch tut.

Eine Grundsatzfrage: Gilt bei der Alltagskultur das "Heimrecht"? Wer einheimisch ist, bestimmt die Normen und Zuwanderer müssen sich assimilieren?
Das wird in allen Ländern grundsätzlich so gesehen. Das Prinzip lautet: Do in Rome as the Romans do! Aber umgekehrt gilt auch: Wir erwarten von Fremden oft, dass sie wissen, was sich bei uns gehört. In Ländern wie Japan dagegen hat ein Fremder, der einen Fehler begeht, erst einmal die „Unschuldsvermutung“ auf seiner Seite: Er weiß es nicht besser und man verzeiht ihm.

Sind die Österreicher als traditionsverliebte Gesellschaft abgeschlossener gegenüber Fremden als andere Länder?
So generell kann ich das nicht bestätigen. Auch in anderen Ländern existieren leider Vorurteile und Fremdenfurcht. Tatsächlich lieben, pflegen und schätzen wir unsere Traditionen, etwa die Balltradition, besonders intensiv. Logisch wäre es, gerade deshalb auch besonders an Traditionen anderer Kulturen interessiert zu sein und diese sogar eher zu respektieren als Menschen anderer Länder, die nicht so traditionsverbunden sind. Und tatsächlich schätzen viele Österreicher andere Kulturen und interessieren sich sehr für sie.

Bild: Christian Redtenbacher

Zur Person

Thomas Schäfer-Elmayers Benimm- und Etikette-Seminare sind bekannt und beliebt. Seit 1988 führt er die renommierte Tanzschule Elmayer in Wien. Zuvor war er für verschiedene Konzerne international als Manager tätig.