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Deutschland: Neun von zehn schaffen den Kurs

Manfred Schmidt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge über die Qualität der Maßnahmen zur Deutschpflicht.

 

FOKUS: In Deutschland gilt schon seit vier Jahren das Prinzip "Deutsch vor Zuzug", allerdings nur für nachziehende Ehepartner. Warum gerade diese Gruppe?
Manfred Schmidt: Der Nachzug von Ehegatten und Familienmitgliedern stellt in Deutschland die größte Form der dauerhaften Zuwanderung dar. Es ist in ihrem eigenen Interesse, dass sie erste Deutschkenntnisse schon im Herkunftsland erwerben und nachweisen müssen: Ein Grundwortschatz erleichtert das Einleben in Deutschland: Wer sich bereits auf einfache Art verständigen kann, kann auch erste Schritte im Alltagsleben meistern.

Können Sie die These, dass die Pflicht zum Deutschlernen gut für die Zuwanderer ist, mit Zahlen belegen?
Unsere Umfragen unter Teilnehmern zeigen, dass rund 80 Prozent schon zu Beginn einen Nutzen im Integrationskurs sehen. Rund 60 Prozent trauen sich dank dem Kurs eher, Deutsch zu sprechen. Das zeigt für uns klar, dass Zuwanderer im Integrationskurs Selbstvertrauen im Umgang mit der deutschen Sprache erhalten und auch an Eigenständigkeit gewinnen. Sie sind nicht mehr auf übersetzende Angehörige oder Freunde angewiesen und können den Alltag alleine bewältigen.

Wie haben sich die Zuwanderungszahlen der betroffenen Gruppe seit Einführung von „Deutsch vor Zuzug“ entwickelt?
Hier gab es nach einem Rückgang zuletzt wieder einen leichten Anstieg: Die erteilten Visa sind von 51.000 im Jahr 2004 auf 40.000 zwei Jahre später gefallen. 2007 haben wir die Pflicht zum Nachweis von Deutschkenntnissen eingeführt und der Trend hat sich mit 32.000 Visa fortgesetzt. Seither haben sich die Zahlen aber wieder auf einem Niveau zwischen 30.000 und 35.000 eingependelt.

Außerdem verlangen Sie nach der Einreise, dass Zuwanderer in Integrationskursen fortgeschrittene Sprachkenntnisse auf B1- Niveau erreichen. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus: Ist es realistisch, das zu verlangen? Wie hoch ist die Erfolgsquote der Kurse?
Wir haben 2009 den "Deutsch-Test für Zuwanderer" eingeführt, den man je nach Kenntnissen sowohl auf A2- als auch auf B1-Niveau abschließen kann. Seither ist der Anteil der Teilnehmer, die das B1-Niveau erreichen, von 47 auf 52 Prozent gestiegen. Das gesetzte Ziel ist also durchaus realistisch und das Erreichen des Niveaus für ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland auch erforderlich. Weitere 38 Prozent erreichen immerhin Kenntnisse auf A2-Niveau. Das heißt: Neun von zehn Prüfungsteilnehmern schaffen es, den Integrationskurs erfolgreich abzuschließen und ein Sprachzertifikat zu erhalten.

Kritisiert wird häufig, dass es in vielen Herkunftsländern keine ausreichende Möglichkeit gibt, Kurse zu besuchen. Wie sind Ihre diesbezüglichen Erfahrungen?
Es gibt viele Angebote, die auf den für die Einreise verlangten Sprachtest "Start Deutsch 1"vorbereiten. An erster Stelle stehen die Kurse der mehr als 140 Goethe-Institute und ihrer Partner weltweit. Das Netzwerk ist zwar gut ausgebaut, aber natürlich kann es nicht überall einen Kurs in nächster Nähe geben. Deshalb gibt es Alternativen: Sowohl das Goethe-Institut als auch der Auslandssender Deutsche Welle bieten Online- Sprachkurse an. Und für Menschen, die keinen Internetanschluss haben, gibt es den Audiosprachkurs "Radio D", der in 16 Sprachen über das Radioprogramm ausgestrahlt wird.

Bild: BAMF/Thomas Geiger