So feiern die Migranten
Advent und Weihnachten sind hierzulande mit vielen Traditionen verbunden. Doch welche Bedeutung haben sie für die 1,4 Millionen Menschen ausländischer Herkunft? Die drei größten Migrantengruppen im Feiertags-Check.
VON URSULA SCHALLABÖCK
Deutsche: Christkind versus Weihnachtsmann

- Nicht der Christbaum, aber der Adventkranz wurde von einem Deutschen erfunden und kam erst nach 1945 nach Österreich
Mit 220.000 Menschen deutscher Herkunft – also deutsche Staatsbürger oder in Deutschland geborene Österreicher – sind unsere nördlichen Nachbarn die größte Migrantengruppe. Deutschland ist, was Weihnachten betrifft, zweigeteilt: Während im Süden und Westen das Christkind Geschenke bringt, ist im protestantischen Osten und Norden dafür der Weihnachtsmann zuständig. Dabei war das Christkind ursprünglich eine protestantische „Erfindung“: Im Mittelalter war es üblich gewesen, Kinder am Tag des Heiligen Nikolaus – am 6. Dezember – zu beschenken.
Luthers Erfindung
Martin Luther, der die Heiligenverehrung ablehnte, wollte die Aufmerksamkeit auf Christus lenken und ersetzte den Nikolaus durch das Christkind, das am 25. Dezember seine Geschenke verteilte. Erst im 19. Jahrhundert wurde der Brauch auch von der katholischen Kirche übernommen, während sich im protestantischen Bereich nach und nach – auch durch Einfluss aus dem angloamerikanischen Raum – der „säkularisierte“ Weihnachtsmann durchsetzte. Auch der Adventkranz stammt aus dem protestantischen Deutschland: Erdacht hat ihn der Theologe Johann Hinrich Wichern im 19. Jahrhundert. Nach Österreich kam der Adventkranz erst nach 1945 – er ist hierzulande also „Migrant“.
Serben: Zweimal Silvester, einmal Geschenke

- Für Serben gilt gegen Jahresende eine doppelte Zeitrechnung
Migranten serbischer Herkunft sind mit rund 209.000 Personen die zweitgrößte Gruppe Österreichs. Für sie gilt gegen Jahresende eine „doppelte“ Zeitrechnung:
Julianischer Kalender
Denn obwohl Serbien bereits seit Jahrzehnten den auch hierzulande üblichen gregorianischen Kalender eingeführt hat, gilt im religiösen Bereich noch der julianische. Dementsprechend wird Weihnachten am 6. bzw. 7. Jänner gefeiert – und Silvester sogar zweimal: einmal mit der Mehrheitsbevölkerung am 31. Dezember, ein zweites Mal am 13. Jänner, wiederum nach dem alten Kalender. Zumindest im serbischen Heimatland ist Silvester auch das Fest, an dem einman einander beschenkt. Gebracht werden sie von „Väterchen Frost“, einer ähnlichen Figur wie dem Weihnachtsmann, die in slawischen Ländern verbreitet ist. In Österreich haben sich die Traditionen teilweise angepasst: Hierzulande gibt es Geschenke bereits häufig zu Weihnachten, der globalisierte Weihnachtsmann hat Väterchen Frost abgelöst.
Türken: Aus dem Land von Santa Claus

- Laut Umfrage feiern 85 Prozent der Türken in Österreich Weihnachten nicht
An dritter Stelle liegen die 185.000 Migranten türkischer Herkunft. Für die mehrheitlich muslimische Gruppe ist Weihnachten kein religiöser Feiertag. Laut einer Umfrage des Instituts Ethnopinion zelebrieren 85 Prozent der türkischen Migranten in Österreich das Fest nicht. In der Türkei sind der 24. und 25. Dezember normale Arbeitstage, groß gefeiert wird der Jahreswechsel am letzten Tag des Jahrs. Jesus – arabisch Isa – wird allerdings auch im Islam als Prophet verehrt, die Weihnachtsgeschichte im Koran erzählt.
Türkische Stadt Myra
Allerdings findet man in der Türkei, insbesondere in westlich orientierten Städten wie Istanbul, sehr wohl kommerziell eingesetzte Symbole wie Christbaum, Lichterketten oder Weihnachtsmann. Letzterer geht auf den Heiligen Nikolaus zurück. Dieser stammte aus Myra, dem heutigen Demre an der türkischen Südküste. Santa Claus hat also seine Wurzeln in der Türkei.


