Vielfalt rentiert sich
Eine zentrale Herausforderung des 21. Jahrhundert ist es, die neue Verschiedenheit der Gesellschaft zu managen. Mit der richtigen Strategie wird Diversity zum Wettbewerbsvorteil für Österreichs Unternehmen.
VON ALEXANDER JANDA
Wie heißen Ihre Arbeitskollegen? Vielleicht Nikolić, vielleicht Öztürk oder Kowalski? In vielen österreichischen Unternehmen sind Mitarbeiter mit Migrationshintergrund längst fixer Bestandteil des Teams. Bereits knapp ein Fünftel der Bevölkerung zählt dazu, ist also entweder selbst zugewandert oder Kind von Zuwanderern. Beim Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) sind Migranten mit einem Anteil von 38 Prozent stark vertreten – und das auf allen Hierarchieebenen, von der stellvertretenden Geschäftsführerin bis zum Zivildiener. Der ÖIF spiegelt damit die Gesellschaft wider, die sich durch Migration und Globalisierung stärker differenziert – sprachlich, ethnisch und kulturell. Mit dieser Vielfalt produktiv umzugehen ist eine der zentralen Herausforderungen, vor denen wir im 21. Jahrhundert stehen. Denn richtig genützt kann diversity management (siehe Kasten) große Vorteile für Wirtschaft und Gesellschaft bringen.
Unterschiede anerkennen
Dabei geht es nicht darum, die unterschiedliche Herkunft von Mitarbeitern zu ignorieren oder gar zu versuchen, ihnen ihre Individualität zu nehmen. Auch starre Quoten führen nicht zum Ziel. Der richtige Ansatz ist vielmehr, Unterschiede anzuerkennen und die Kenntnisse und Fähigkeiten, die sich daraus ergeben, als Chance zu begreifen. Ein Beispiel: Bei einem anderen Aspekt, dem Alter, zeigt sich in der beruflichen Praxis klar, dass der frische Blick der Jüngeren und die größere Erfahrung der Älteren in Summe ein besseres Ergebnis bringen. So sollten wir auch mit Migrationshintergrund umgehen: Die Kombination von Mitarbeitern unterschiedlicher Herkunft kann, richtig gemanagt, ein ungeahntes Potenzial entfalten. Dazu muss die Vielfalt der Sprachen, kultureller Erfahrungen und Zugänge positiv genützt werden.
Vorteil im Wettbewerb
Diese Vielfalt hat natürlich auch ihren Preis: Die interne Kommunikation wird aufwendiger, die bewusste Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Hintergründen der Mitarbeiter kostet Zeit und Ressourcen. Jeder Einzelne ist gefordert, Sensibilität für das Thema zu entwickeln, anstatt etwa unhinterfragt davon auszugehen, dass alle Kollegen Alkohol trinken und Weihnachten feiern. Doch diese Anstrengungen sind wichtig und sollten von oben gefördert werden – nicht zuletzt, weil funktionierendes diversity management sich auch wirtschaftlich rentiert. Richtig eingesetzt, kann es die internationale Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen sichern. Denn vielfältige Belegschaften sind flexibler und können sich besser an veränderte Marktbedingungen anpassen. Die Kenntnisse und Fähigkeiten von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund lassen sich in bare Münze umsetzen: ob im Außenhandel, etwa mit der aufstrebenden Wirtschaftsmacht Türkei, oder im Inland, wo die Konsumenten selbst immer diverser werden und danach verlangen, im Rahmen ihrer vielfältigen Identitäten angesprochen zu werden.


