"Kurz-Gschichtn"
Reportage. Ein Tag aus dem Leben des Integrationsstaatssekretärs: Termine zwischen Standlern und Stipendiaten.
VON FRANZISKA TROGER
7.00 Uhr
Der Arbeitstag beginnt für den neuen Integrationsstaatssekretär früh: Mit einer internen Kabinettssitzung zur Tagesvorbereitung.
8.30 Uhr
Treffen am Meidlinger Markt. Kurz besucht den Meidlinger Markt, nur wenige Gehminuten von seiner Wohnung entfernt. Er sucht das Gespräch mit Passanten und den Standlern vor Ort. Auch der ORF ist da.
8.42 Uhr
Miroslav Pejic, ein Lebensmittel- und Getränkehändler, spricht mit Kurz über das Zusammenleben am Markt: „Die Integration funktioniert hier gut. In meinen Laden kommen Österreicher genauso wie Migranten.“
8.51 Uhr
Kurz in der Fleischerei Kornfeind. Die Angestellte Tanja meint: „Es ist schon gut, dass es jetzt einen Integrationsstaatssekretär gibt. Ob sich etwas verändern wird, weiß ich nicht – glauben tu ich’s erst, wenn ich etwas seh.“
9.03 Uhr
Im Lebensmittelgeschäft von Walter Faffelberger und seiner Frau. „ Da am Markt gibt’s große Probleme, vor allem mit den Ausländern. Bis Integration bei uns funktioniert, da sein Sie auch schon in Pension“, meint Herr Faffelberger. Der Integrationsstaatssekretär erklärt: „ Mein Ziel ist es das Zusammenleben zu verbessern. Wenn Sie Ausländer sagen, sprechen wir von Leuten, die oft ja schon österreichische Staatsbürger sind. Integration muss von beiden Seiten gewollt werden.“
9.13 Uhr
Kurz spricht mit dem Standler Baldev Singh über seine Deutschkenntnisse. Singh ist 1984 nach Österreich gekommen. „Ich habe in einem Kurs damals ein bisschen Deutsch gelernt, den Rest hier am Markt. Aber meine beiden Kinder sprechen perfekt Deutsch, sie sind im Gymnasium und beim Bundesheer.“ Singh freut sich, dass der Staatssekretär den Meidlinger Markt besucht.
9.25 Uhr
Der ORF bittet zum Interview für die ZIB 2.9.36 Mit der U-Bahn geht es von Meidling nach Brigittenau zum Jüdischen Beruflichen Bildungszentrum (JBBZ).
9.53 Uhr
Gespräch mit Ilan Knapp, Leiter des JBBZ. Knapp: „ Wie ich zu Ihnen stehe, sage ich Ihnen gleich – nämlich toll. Ein junger Mensch, der in die Politik geht, ist gut. Das ist doch auch ein Zeichen von Integration, nicht nur die Zusammenführung von Ausländern und Inländern, sondern auch von Jung und Alt.“
11.14 Uhr
Staatssekretär Kurz besucht verschiedene Klassen des JBBZ, in denen Schüler Deutsch lernen, ihren Schulabschluss machen oder eine Berufsausbildung in Technik und Büromanagement absolvieren. Interessierte Jugendliche wollen wissen, was Kurz studiert und welche Schule er besucht hat und ob ihm als Staatssekretär viel Freizeit bleibt. „Tauschen möchte‘ ich nur für einen Tag“, lacht einer der Schüler.
12.30 Uhr
Termin mit Vertretern des unabhängigen Expertenrats für Integration
13.35 Uhr
Stipendiaten des Projekts START, das ausgezeichnete Schüler mit Migrationshintergrund finanziell bei der Ausbildung unterstützt, sind zum Gespräch mit Staatssekretär Kurz eingeladen. „Ich möchte Positivbeispiele wie euch vor den Vorhang holen um anderen Mut und Motivation zu geben“, erklärt Kurz, „wir müssen besondere Energie auf die gelungene Integration von Jungen legen.“ Mojtaba Tavakoli, ein Schüler aus Afghanistan, wirft ein: „Als ich vor 5 Jahren nach Österreich gekommen bin, war ich enttäuscht, weil die Integration nicht so einfach war. Damit Integration klappen kann, müssen alle – also Einheimische und Migranten - etwas tun, allein schafft man das nicht.“
14.42 Uhr
Kurz eilt zu einem Termin mit Vizekanzler Michael Spindelegger. Inhalte für den kommenden Ministerrat, wo Kanzler Faymann und Vizekanzler Spindelegger mit allen Regierungsmitgliedern zusammentreffen, werden vorbereitet.
16.50 Uhr
Nach der zweistündigen Sitzung gibt es für den jungen Staatssekretär ein spätes Mittagessen, danach warten interne Bürotermine.
20.00 Uhr
Ein kurzes Treffen mit Michael Spindelegger. Thema: Europa.
21.01 Uhr
Europa-Clubbing der Jungen ÖVP im Platzhirsch mit 900 Gästen. Der Staatssekretär schüttelt Hände und versucht mit so vielen Leuten wie möglich zu sprechen. „Mich wird man nicht tanzen sehen“, erklärt er lachend.
23.04 Uhr
Sebastian Kurz fährt mit der U-Bahn nach Hause. Der Wecker läutet morgen ja wieder um 5.30 Uhr.
Zur Person Sebastian Kurz, geboren am 27.8. 1986 in Wien, ist Student der Rechtswissenschaften und seit 2009 Bundesobmann der Jungen ÖVP. Im April 2011 wurde er für das neu geschaffene Amt des Integrationsstaatssekretärs bestellt.







