Ländle & Lambada
Dancing Stars-Finalist Mike Galeli über Integrationsprobleme als türkeistämmiger Vorarlberger in Wien und wie man türkische Migranten vor den ORF-Bildschirm holt
VON FRANZISKA TROGER
Treffpunkt Küniglberg, 15 Uhr. Mit Verspätung und noch im Bühnenoutfit kommt Mike Galeli ins Theatercafé gestürmt. „Entschuldigt’s die Verspätung, es ist einfach ein Wahnsinn zur Zeit“, erklärt uns der Dancingstar in breitem Vorarlbergerisch. Galeli, der mit 2 Jahren aus der Türkei nach Österreich kam, ist in Österreichs westlichstem Bundesland aufgewachsen und das hört man auch. „Gestern erst hat mich jemand gefragt, wo ich herkomme. Ich sage Vorarlberg und er meint nur so: Gehört das überhaupt noch zu Österreich?“, erzählt der Vorarlberger. Wien ist eben anders. „Ich kenne wenige Vorarlberger, die im Showbusiness Karriere gemacht haben. Die Wiener arbeiten stärker zusammen. Ich habe so gesehen ein doppeltes Integrationsproblem: als Türke und als Vorarlberger“, lacht der erfolgreiche Schauspieler.
Mentalität zwischen Arlberg und Bosporus
Integration war für Galeli lange kein Thema: „Ich bin fast mein ganzes Leben in Österreich, habe eine österreichische Frau, zwei Kinder hier.“ Erst als er seine Karriere in der Türkei startete, bemerkte er die Unterschiede in der Kultur und Mentalität„Ich bin mit meiner Vorarlberger „Schaffe, schaffe, Häusle baue“-Mentalität in die Türkei gekommen und hab‘ gesehen, hier lebt man anders. Wenn es geheißen hat: „9 Uhr am Set“ - dann war ich um 10 vor 9 da. Die anderen sind halt erst um halb 10 oder später gekommen“, erinnert sich der Soapstar. Auch die sprachliche Integration war ein Thema. „Die Leute am Set haben am Anfang gelacht, wenn ich Türkisch geredet hab‘. Das hat mich so geärgert und mir wehgetan.“ Nach zwei Jahren Synchronisierung durfte Galeli seine Rolle schließlich selbst sprechen.
"Weg von den türkischen SAT-Schüsseln"
Wie soll die Zukunft aussehen? „Dancing Stars zu gewinnen, wäre natürlich ein Traum“, lächelt Galeli. Aber auch jetzt hat er sein Ziel, in Österreich bekannt zu werden, schon erreicht. Er möchte ein Vorbild für türkische Jugendliche sein: „Schaut’s her, man kann es schaffen.“ Engagements im österreichischen Film sind erwünscht. „Ich würde sehr gern einen Polizisten spielen. So eine Mischung aus James Bond und Erol Sander, ein sexy Ableger für Österreich“, lacht er. Ein anderes Zukunftsprojekt: eine österreichische Soap. Thema: Ein Türke, der sich in eine Österreicherin verliebt. Er erfährt Ablehnung durch ihre Familie, aber kämpft für seine Liebe. „So eine Geschichte würde Österreicher und auch Türken ansprechen und sie von den türkischen SAT-Schüsseln wegholen."
Zur Person
Oguz „Mike“ Galeli wurde 1967 in Istanbul geboren, kam mit 2 Jahren nach Österreich. Nach einer Lehre zum Kfz-Mechaniker startete er mit der Wahl zum Mr. Vorarlberg eine langjährige Modelkarriere. In der Türkei wurde er mit der türkischen Soap „Acı Hayat“ („Bitteres Leben“) zum Superstar. Weitere Informationen zu Mike Galelie unter www.mikegaleli.com

