Integration im Klassenzimmer: Was passiert in Österreichs Schulen?
Schulstudie des ÖIF. Viele Migranten = schlechtes Klassenklima? Die Befragung von über 3000 Jugendlichen zeigt: Diese Rechnung geht nicht auf.
VON FRANZISKA TROGER
In einer quantitativen Studie des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) wurden 3099 Schüler zum Thema Klassenklima befragt. Die Themenbereiche soziale Partizipation, Schuldevianz - von der Norm abweichendes Verhalten wie das Schulschwänzen - und das Gewaltpotential wurden abgefragt. Durch diese Kriterien wird auf das Klima in Österreichs Schulen geschlossen. Und es zeigt sich: Es gibt keinen signifikanten Zusammenhang zwischen hohem Migrantenanteil und schlechtem Klassenklima. Die Stimmung in den Klassenverbänden hängt weder von der Herkunft der einzelnen Schüler, noch vom Anteil an Migrantenkindern in der Klasse ab.
Mobbing und Gewalt sind ein Thema
Einzelne Werte der Befragung zeigen jedoch starke Unterschiede zwischen Klassen mit vielen bzw. wenigen Migrantenkindern: So kommen Mobbing und Gewalt in Klassen mit hohem Migrantenanteil (67-80 Prozent) häufiger vor. Klassen mit nur 16 bis 35 Prozent an Kindern mit Migrationshintergrund sind hingegen seltener von Gewalt und Mobbing betroffen. Konflikte treten häufig nicht zwischen Migranten und Schülern ohne Migrationshintergrund auf, sondern finden innerhalb der Migrantengruppen statt. Befragte Lehrer beschrieben besonders Schüler albanischer, türkischer und tschetschenischer Herkunft als gewaltbereit. Insgesamt lässt sich eine Differenz zwischen Hauptschulen, Neuen Mittelschulen (NMS) und Gymnasien feststellen: AHS-Schüler sind generell seltener von Gewalt betroffen als ihre Schulkollegen in Hauptschule und NMS.
Unterschiede: Hauptschulen vs. Gymnasium
Auch in anderen Bereichen kristallisiert sich ein starker Unterschied zwischen Gymnasium und Hauptschule /NMS heraus. In allgemeinbildenden höheren Schulen zeigen Eltern mit Migrationshintergrund mehr Interesse am Erfolg ihrer Kinder, nehmen öfter an Elternsprechtagen teil und sind stärker am späteren Bildungsweg ihrer Kinder interessiert als österreichstämmige Eltern. In den NMS und Hauptschulen verkehrt sich dieses Bild wiederum: Migranten vermeiden den Kontakt zur Schule. Fehlende Sprachkenntnisse der Mütter und patriarchale Vorurteile der Väter gegenüber Lehrerinnen erschweren die Kommunikation.
Migranten sind oft Leistungsträger
Diese Zweiteilung zeigt sich auch bei den Kindern und Jugendlichen selbst. Schüler mit Migrationshintergrund, die eine AHS besuchen, sind fleißiger und engagierter als ihre Klassenkameraden österreichischer Herkunft. In Hauptschulen fallen Jugendliche mit Migrationshintergrund durch schlechtere schulische Leistungen auf, so die befragten Lehrer. Die ÖIF-Schulstudie zeigt aber auch, dass das Interesse an höherer Bildung generell steigt - bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen.
ÖIF-Studie „Integration im Klassenzimmer“ beruht auf der quantitativen Befragung von 3.099 Schüler/innen der siebten und achten Schulstufe aus Hauptschulen, Neuen Mittelschulen und Gymnasien. Die Befragung wurde die österreichweit (ausgenommen Wien und Salzburg) durchgeführt. Darüber hinaus wurden qualitative Interviews mit 51 Lehrer/innen geführt. Das Klassenklima, das objektiv nicht messbar ist, wurde anhand verschiedener Kriterien abgefragt.
Mehr zur ÖIF-Schulstudie hier.

