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So denken die Menschen

Zu Integration und Migration gibt es viele Zahlen und Fakten. Doch wie sehen die Menschen das Thema? Umfragen zeigen: Die subjektiven Einschätzungen von Österreichern und Migranten gehen auseinander.

VON VALENTIN SCHWARZ

 

Wie denken Österreicher über Integration? Die Antwort ist simpel: Sie sind eher skeptisch. Knapp zwei Drittel geben in einer aktuellen GfK-Umfrage an, dass Integration in Österreich eher schlecht oder sehr schlecht funktioniere. Nur drei von hundert Befragten antworten mit "sehr gut". Meinungsforscher Rudolf Bretschneider relativiert das schlechte Ergebnis: "Das überrascht mich nicht. In der Debatte werden Asyl und Migration oft vermischt, obwohl sie nichts miteinander zu tun haben. Die Leute hören Integration und denken an Abschiebungen, nicht an die positiven Beiträge von Migranten in der Wirtschaft oder in ihrem persönlichen Umfeld."

Medien prägen schlechtes Bild

Interessant ist, dass Menschen mit geringer Bildung – also nur mit Pflichtschuloder ganz ohne Abschluss – weniger hart urteilen. Bretschneider sieht darin seine These von der verzerrten Meinung bestätigt: "Möglicherweise sehen weniger gebildete Menschen geringere Probleme, weil sie weniger Zeitung lesen und seltener Nachrichten schauen. Die öffentliche Meinung hängt ja stark von der veröffentlichten Meinung ab."

Migranten positiver gestimmt

Weit positiver sehen die Zuwanderer selbst die Sache. 86 Prozent fühlen sich hierzulande sehr oder eher heimisch. Fragt man allerdings, ob sie sich eher ihrem Herkunftsland oder Österreich zugehörig fühlen, entscheiden sich "nur" 56 Prozent für Österreich. Kein Widerspruch? "Nein", sagt Bretschneider, "überhaupt nicht. Denken Sie nur an Österreicher, die zehn oder zwanzig Jahre im Ausland leben: Die werden auch oft sagen, dass sie sich nach wie vor Österreich zugehörig fühlen und trotzdem gern im neuen Land leben. Man kann sich durchaus im neuen Land heimisch fühlen und zugleich dem alten emotional verbunden bleiben."

Türken im Schnitt distanzierter

Allerdings fällt bei beiden Fragen auf, dass Türken sich in Österreich weniger heimisch fühlen als Zuwanderer aus dem ehemaligen Jugoslawien oder Migranten insgesamt. Bretschneider erklärt sich diese mentale Distanz mit den "wahrgenommenen Werten und Normen in Österreich, denen sich Türken wohl fremder fühlen als Leute vom Balkan." Das müsse gar nichts mit persönlichen Erfahrungen zu tun haben. "Es reicht, wenn man als Türke ständig in der Zeitung liest, dass die eigenen Leute wenig integriert und generell Problemfälle sind. Dann geht man emotional auf Distanz."

Wirtschafts-Potenzial Migranten

Trotz der Integration-Skepsis der Österreicher und der relativen Distanziertheit der Türken sieht Bretschneider positiv in die Zukunft: "Unsere Migranten sind ja auch eine große Chance. Gerade die Türkei ist ein riesiger Markt und unsere Unternehmen brauchen Mitarbeiter, die Sprache und Kultur kennen, wenn sie dort erfolgreich sein wollen. Wir müssen den Migranten Chancen im Bildungssystem und am Arbeitsmarkt geben, dann wird sich auch die Wahrnehmung von Integration verbessern."

Bild: ÖIF

Diagramme & Statistiken

Zwei Drittel der Österreicher beurteilen die Integration schlecht. Menschen mit geringer Bildung sind weniger skeptisch.

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