Ein Wegweiser im Dschungel Österreich
Ob es um Kleingedrucktes in Mietverträgen, schwer verständliche Behördenformulare oder die Frage nach der passenden Schule für die Kinder geht: Die PIVA-Beratungsstelle arbeitet als „Bürgerservice“ für Migrant/innen in Villach.
VON VALENTIN SCHWARZ
„Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Zuwanderern und Aufnahmegesellschaft“, sagt Burgi Decker. „Wir“, das ist die „Projektgruppe Integration von Ausländerinnen und Ausländern“ (PIVA) – eine Plattform engagierter Vereine, die sich in Kärnten für ein besseres Zusammenleben einsetzen.
200 Betreute aus 30 Ländern
Die Arbeit als Bindeglied dreht sich vor allem darum, Verständnisschwierigkeiten zu überbrücken. Und davon gibt es nicht wenige: „Behördenformulare sind selbst für Einheimische oft unverständlich“, sagt Decker. Ein großer Teil ihrer Arbeit betrifft also den Kontakt mit Behörden, es geht um Aufenthaltstitel, Beschäftigungsbewilligungen und Pensionsanträge. Decker: „Die Rechtslage ist oft ein ziemlicher Dschungel. Jemand, der nie gut Deutsch gelernt hat – was leider bei vielen Migranten der Fall ist – ist da chancenlos.“ Auch bei Kontakten zu Vermietern, Ärzten oder Schulen stehen Decker und Kollege ihren Klient/innen zur Seite. Über 200 Klient/innen aus 30 Herkunftsländern haben bisher profitiert.
„Selber gut in Österreich zurechtkommen“
Die Beratungsstelle will ihren Klient/innen allerdings keinesfalls jegliche unangenehme Arbeit abnehmen und damit Abhängigkeiten schaffen. „Unser Ziel ist es, dass die Leute selber gut in Österreich zurechtkommen. Gerade die, die schon einige Jahre hier sind, bringen wir dazu, möglichst viel eigenständig zu machen.“ Obwohl erst seit 2009 aktiv, hat sich die Beratungsstelle bereits in Villach etabliert. Nicht nur Migrant/innen, auch NGOs und Ämter wenden sich mittlerweile von selbst an die PIVA-Einrichtung. „Die Behörden sind uns dankbar, wenn sie einen lange unerledigten Akt endlich abschließen können“, so Decker. Hinzu komme, dass das Beratungsangebot in Kärnten bislang leider einzigartig sei.
Kein Klima für Integration
Stimmt also das Klischee des Integrations-Nachzüglers Kärnten? Das Klima im Land sei nicht gut, bestätigt Decker. Ob auch Einheimische die Beratungsstelle kontaktieren, etwa um Dampf zu Reizthemen wie Saualm oder Asyl allgemein abzulassen? „Eher weniger“, schüttelt Decker den Kopf, „und das finde ich schade. Leider findet die Auseinandersetzung mit diesen Themen in Kärnten nicht über Diskussionen statt. Der aufgestaute Ärger äußert sich dann anderswo.“
So arbeitet die PIVA-Beratungsstelle
Zwei Fallbeispiele aus dem Jahr 2009
Hilfe bei der Schulwahl
Herr B. kommt 2006 aus Bosnien nach Österreich und beginnt bei einer international tätigen Firma zu arbeiten. Sobald es ihm finanziell möglich ist, beantragter Niederlassungsbewilligungen für seine Frau und die drei Kinder im Alter von 6, 14 und 18 Jahren. Für sie stellt sich die Frage nach der geeigneten Schul- und Bildungswahl. Bekannte machen die Familie auf die PIVA Beratungsstelle aufmerksam. Die dortigen Expert/innen informieren über die Möglichkeiten vor Ort, helfen bei der Kontaktaufnahme und Anmeldung an den ausgewählten Schulen. Die PIVA-Lernbetreuung unterstützt die Kinder, solange das nötig ist. Frau B. besucht parallel einen Sprachkurs für Frauen und bereitet sich auf die Deutschprüfung für die Erfüllung der Integrationsvereinbarung vor.Im eigenen Beruf arbeiten können
Frau K. wandert 2004 aus Weißrussland nach Österreich ein. Die allein erziehende Mutter ist zwar ausgebildete Laborassistentin, ihr Abschluss wird aber in Österreich nicht anerkannt. So arbeitet sie – weit unter ihrer Qualifikation – im Reinigungsbereich und Gastgewerbe. Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Villach machen sie auf PIVA aufmerksam: Nach einem Beratungsgespräch entschließt sie sich, den aufwändigen Nostrifizierungsprozess ihres Abschlusses zu beginnen. Nachdem die Behörde festgelegt hat, welche Kurse und Prüfungen K. nachholen muss, stellt PIVA für sie den Kontakt zum AKH Wien her. K. besteht alle Prüfungen mit gutem Erfolg und befindet sich zurzeit auf Jobsuche.

