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Integrations-Theater mit vielen Hauptrollen

Integrationsprobleme äußern sich täglich in kleinen, unspektakulären Konfliktsituationen. Aus ihnen hat eine Theatergruppe in der Salzburger Umlandgemeinde Hof Szenen entwickelt – in die das Publikum live eingreifen und somit neue Verhaltensmuster erproben kann.

VON URSULA SCHALLABÖCK

 

 

„Wohnung … anmelden – wo?“Der junge Mann, der gerade das Amt betreten hat, spricht gebrochenes Deutsch. „Das geht heute nicht, heute ist kein Parteienverkehr“, antwortet die Beamtin. Der junge Mann wiederholt: „Wohnung … hier?“ Die Frau schüttelt den Kopf, spricht noch einmal, jede Silbe betonend: „Heute keine Wohnung. Morgen Vormittag ist Parteienverkehr.“ Der junge Mann versteht immer noch nicht, wirkt verzweifelt. „Stopp!“, ruft plötzlich jemand. Der junge Mann und die Beamtin erstarren. Aus dem Publikum tritt eine Frau auf die Bühne, nimmt den Platz der Beamtin ein. Mit freundlichem Tonfall erklärt sie: „Ich hab jetzt leider keine Zeit. Aber wenn Sie morgen um 10 Uhr wiederkommen, hab ich Zeit für Sie. Ist das okay für Sie?“

 

Der Speckgürtel als Integrations-Neuland

Publikums-Interventionen wie diese gehören beim „Forumtheater“ zum Konzept. Alltägliche Konfliktsituationen werden auf die Bühne gebracht und unter Mitarbeit des Publikums bearbeitet oder sogar gelöst. Umgelegt auf Fragen des interkulturellen Zusammenlebens hat diese Methode die Firma wohnbund:consult in der Gemeinde Hof bei Salzburg. „Gerade in Agglomerationsgemeinden im Umfeld von Großstädten gibt es häufig Integrationsprobleme“, erklärt Projektleiter Raimund Gutmann. Bisher habe sich Integration vor allem in den Ballungsräumen abgespielt, da die allermeisten Migrant/innen dorthin gezogen seien. Doch in jüngster Zeit wanderten auch Migrant/innen-Haushalte immer häufiger in die „Speckgürtel“ rund um Großstädte ab. Ihren Job und ihr soziales Umfeld hätten sie aber nach wie vor in der Metropole. Das bringe Probleme im Zusammenleben mit sich. Die Projektkoordinatorin und Theaterpädagogin Barbara Wick dazu: „Das suburbane Umland ist ohnehin traditioneller geprägt als die Stadt. Die Integration ins dortige Gemeindeleben gelingt also meist schlecht bis gar nicht.“

 

Das Publikum auf die Bühne

Dieser Herausforderung hat sich wohnbund:consult in Hof im Salzburger Umland mit einem künstlerischen Zugang gewidmet: Aus Interviews mit in der Gemeinde lebenden Migrant/innen entwickelte eine multiethnische Theatergruppe kurze Modellszenen, die alltägliche Problemsituationen mit Integrations-Hintergrund beinhalten. „Die Szenen sind so konzipiert, dass sie für einen Beteiligten besonders schlecht enden“, erklärt Wick – im obigen Beispiel also für den abgewimmelten jungen Mann. Nach der Aufführung wird mit dem Publikum über das Verhalten der Figuren auf der Bühne diskutiert, Alternativvorschläge entstehen. Anschließend wird die Szene wiederholt – doch diesmal können die Zuschauer/innen die Handlung stoppen und eingreifen. Wick: „So entwickeln die Menschen in der Gemeinde selbst Maßnahmen und Verhaltensideen für eine bessere Integrationim Alltag.“

 

„Neue Integrationskultur entwickeln“

Insgesamt vier Mal hatten die Hofer/innen an unterschiedlichen Orten Gelegenheit, das Stück zu sehen und sich zu beteiligen. Neben Vorschlägen für den individuellen Umgang entstanden auch Projektideen, etwa für verbesserte Gemeindebroschüren oder einen interkulturellen Kochkurs. Bei einem „Interkulturellen Winterfest“ präsentierte wohnbund:consult schließlich einen Katalog der zusammengetragenen Vorschläge (siehe rechts) sowie Videos der Aufführungen. Barbara Wick: „Unser Ziel war es, eine neue, partizipative Integrationskultur zu entwickeln.“ Das Abschlussvideo steht allen interessierten Stadtrand-Gemeinden zur Verfügung.

 

Weitere Bilder

Neue Heimat Hof

Träger: wohnbund:consult
Bundesland: Salzburg
Maßnahmenbereich: M2 – Integration und Kommune
Ansprechpartnerin: Mag. (FH) Barbara Wick
Mail: barbara.wick(at)wohnbund.at
Telefon: 0662 / 872177

Vorschläge engagierter Bürger/innen

Aus den zahlreichen Beiträgen der Hoferinnen und Hofer an den Forumtheater-Aufführungen entstand ein Maßnahmenkatalog, der beim Abschlussfest an Bürgermeister Werner Berktold übergeben wurde:

  • Interkulturelle Treffen: z. B. Vorträge,Literaturabende, Kochkurse
  • Sprache: z. B. Deutschkurse, Sprach-Café,„Mama lernt Deutsch“
  • Beratungsangebote: z. B. Begleitung für Neuzuwanderer und Neuzuwanderinnen kurzfristig bei ersten Schritten und längerfristig mit Patenschaften, Dolmetscherservice, Migrant/in als beratendes Mitglied im Gemeinderat
  • Vielsprachigkeit: mehrsprachiger Ortsplan sowie Infobroschüren mit wichtigsten Adressen, Broschüre über in der Gemeinde lebende Kulturen
  • Netzwerke: Ernennung eines Integrationsbeauftragten, Migrant/innen in Ehrenämtern
  • Begegnungsorte: Sozial-, Familien- und Kompetenzzentrum, Garten und Haus der Kulturen