Service

Quicklinks

"Zahlt sich längerfristig aus, sich zu bewerben"

Der Weg zu europäischen Geldern ist einfacher, als viele glauben. Katharina Demel, Expertin für EU- Förderungen, gibt Einblick in die Bewerbungspraxis.

 

Integration im Fokus: Wie findet eine interessierte Organisation das passende Förderprogramm bzw. passende Ausschreibungen?
Katharina Demel: Die Vielfalt an Förderprogrammen macht es teilweise schwierig, für eine Projektidee passende Fördermöglichkeiten zu finden. So gibt es etwa für den Integrationsbereich auch themenspezifische Schwerpunkte in Programmen, die eigentlich zum Bildungs-, Kultur- oder Gesundheitsbereich zählen (Überblick auf www.integration.eu). Für alle Programme gilt: Es gibt ein allgemeines „Arbeitsprogramm“ für eine mehrjährige Budgetperiode. Jedes Jahr ändert sich aber der Fokus auf verschiedene Themenbereiche und Zielgruppen. Für die Praxis ergeben sich daraus zwei Optionen. Erstens: Man wartet auf Ausschreibungen und entwickelt erst dann entsprechende Projekte. Zweitens: Man hat bereits ein fertiges Projektkonzept. Dann kann man versuchen,eine dazu passende Ausschreibung zu finden. Dabei ist es notwendig, bereits im Vorfeld festzulegen, welche Elemente des Konzepts unveränderbar sind – und welche einer konkreten Ausschreibung angepasst werden könnten.

Integration im Fokus: Ein Problem ist oft, die eigene Projektidee so zu formulieren, dass sie zu den Ausschreibungsrichtlinien passt…
Demel: Da gibt es eine Grundproblematik: Bei der praktischen Arbeit im Integrationsbereich stehen meist die konkreten Aktivitäten im Vordergrund. Förderprogramme fokussieren dagegen eher auf Zielsetzungen, also auf längerfristige Ergebnisse. Projektanträge müssen entsprechend formuliert sein und Indikatoren angeben, mit denen überprüft werden kann, ob die Ziele erreicht wurden. Das deutsche Sozialministerium hat dazu einen nützlichen Leitfaden namens „Zielfindung und Zielklärung“ herausgegeben,  der unter www.bmfsfj.de unter „Publikationen“ zum Download bereit steht.

Integration im Fokus: Ist es für kleine Organisationen schwieriger, ein Projekt durchzuführen?
Demel: Die Auszahlung der Fördergelder erfolgt erst im Nachhinein. Projektaktivitäten müssen daher vorfinanziert werden und Antragsteller müssen die nötigen finanziellen und technischen Kapazitäten nachweisen. Für kleine Organisationen besteht aber auch die Möglichkeit, als Projektpartner an einem Projekt mitzuwirken.

Integration im Fokus: Zahlt sich eine Projektteilnahme wirklich aus?
Demel: Der wohl größte Vorteil ist, dass man mit EU-Förderungen Aktivitäten finanzieren kann, für die es auf nationaler Ebene kein Geld gibt. Auch ist die Weiterfinanzierung von Aktivitäten, die als gefördertes Projekt begannen, häufig leichter. Gerade die Erfahrungen während der Projektplanung und -implementierung sind besonders wertvoll, denn Projekterfahrung ist ein wichtiges Auswahlkriterium, um neue Projekte zu bekommen. Es zahlt sich also längerfristig aus, sich zu bewerben.

Die Hürden einer EIF-Bewerbung sind mit etwas Know-how leicht zu überspringen.

Zur Person

Mag. Katharina Demel, CORE, ist Evaluatorin von Projekten und EU-Programmen in den Bereichen Migration, Integration, Arbeitsmarkt und Bildung.

Kontakt: katharina.demel(at)chello.at