"Ja zu Moscheen, nein zu Parallelgesellschaften"
Islamische Migrantenvereine sind für die einen erster Ansprechpartner für die Kommunikation mit den Communities, andere werfen ihnen dagegen Abschottung vor. Der Grünen-Politiker und laut Eigenangabe „säkulare Moslem“ Efgani Dönmez schildert seine Sicht der Dinge.
VON VALENTIN SCHWARZ
Integration im Fokus: Dienen Migrantenvereine der Integration, weil sie Migrant/innen ein Heimatgefühl vermitteln, oder schaden sie ihr, weil sie Parallelgesellschaften fördern?
Efgani Dönmez: Das kann man seriöserweise nicht pauschalisieren. Aber es gibt Vereine, die im Namen der Integration und des Dialogs Parallelgesellschaften forcieren und die politisch-religiöse Ansichten aus der Heimat nach Österreich transportieren. Und es gibt wenige Vereine, die wirklich an einem konfliktarmen Zusammenleben in Österreich hart arbeiten, aber keine bis wenig Unterstützung erhalten. Unsere Politik bedient primär politisch-islamistische Kräfte und macht diese salonfähig. Und das führt dann wieder dazu, dass andere mit der „schwierigen Integration von Türken“ Stimmung machen können.
Integration im Fokus: Welche Vereine bzw. Politiker meinen Sie damit?
Dönmez: Es gibt zum Beispiel die „Union of European Turkish Democrats“ (UETD), die als verlängerter Arm der türkischen religiösen Regierungspartei AKP tätig ist. Sie haben engen Kontakt mit Vizekanzler Josef Pröll und der Wirtschaftskammer. Institutionen wie die UETD sind mit islamistischen Organisationen vernetzt, etwa Phönix oder der Feytullah-Gülen- Bewegung. Deren Ziel ist eine schleichende politische Islamisierung. Die Demokratie sehen sie nur als Zug, auf den man aufspringt, um an dieses Ziel zu kommen. Unternehmer, die nicht der AKP nahestehen, werden unter Druck gesetzt, ausgegrenzt, teilweise sogar denunziert.
Integration im Fokus: In Österreich werden Moscheen meist nicht allein gebaut, sondern als „Kulturzentren“ mit eigenem Kindergarten, Geschäften oder Seminarräumen. Dient das der Integration oder vielmehr der Abschottung?
Dönmez: Nennen Sie mir eine Glaubensgemeinschaft in Österreich, wo sonst noch eine so große Infrastruktur angeboten wird. Die Menschen, die zur würdigen Ausübung ihrer Religion einen Platz benötigen, brauchen unsere Unterstützung, damit sie aus den Fängen der konservativen politisch-islamistischen Organisationen der Herkunftsländer befreit werden können. Ja zu Moscheen, nein zu Strukturen, die Parallelgesellschaften forcieren.
Integration im Fokus: Braucht eine Moschee ihrem Verständnis nach ein Minarett und wieso?
Dönmez: Nein. Was man braucht, sind angemessene Räume zur Religionsausübung. Denn wenn Muslime sich in Hinterhöfe verziehen müssen, liegt das Problem auf der Hand: Man weiß einfach nicht, was dort passiert und wer am Werk ist. Der Islam ist als Religionsgemeinschaft anerkannt. Daher sollten wir als Österreicher Interesse daran haben, dass Muslime auch gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft sind. Umgekehrt heißt das, dass Muslime ohne Wenn und Aber Demokratie, Rechtsstaat und die – natürlich verbesserungswürdige – Gleichstellung von Mann und Frau zu respektieren, zu akzeptieren und auch zu leben haben. Und gleichzeitig müssen wir als österreichische Gesellschaft bzw. als Politiker mitreden dürfen, wenn ein derartiges Gebetshaus errichtet wird.
Integration im Fokus: Sie haben gefordert, dass Moscheen in Österreich multiethnisch geführt werden sollen, also etwa von Türken, Arabern und Bosniern gemeinsam. Wieso?
Dönmez: Der Islam als Religion ist nicht von einer bestimmten Nationalität auf „Leibrente“ gepachtet. Jeder Moslem sollte seinen Glauben leben, ohne dass ethnische Herkunft im Vordergrund steht. Eine derartige Trennung findet man auch nicht im Koran. Die Grenzen werden in den Köpfen gezogen und es gilt, sie mit den Prinzipien des Korans zu durchbrechen.


