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Länderinformation Serbien

Mai 2011

Mag. Wolfgang Hochmüller, BA

Staatendokumentation des Bundesasylamtes

Zusammenfassung

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs entstand das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, dem sich auch die Vojvodina und Montenegro anschlossen. 1945 wurde von den Kommunisten die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawiens feierlich proklamiert, die unter ihrem Führer Josip Broz Tito vier Jahrzehnte lang den Staat regierten. Durch die stark serbisch-nationalistisch gefärbte Politik Slobodan Milosevics seit den 1980er Jahren kam es letzten Endes zum Zerfall der sozialistischen Republik und ihrer Aufteilung in unabhängige Republiken zu Beginn der 1990er Jahre.

Die wirtschaftliche Lage in Serbien ist allgemein durch eine hohe Arbeitslosigkeit und ein äußerst überlastetes Sozialfürsorgesystem gekennzeichnet. Auch die serbische Wirtschaft wurde durch die weltweite Finanzkrise getroffen. Folgen dieser Entwicklung sind wachsende Arbeitslosigkeit und Armut, vor allem der ländlichen Bevölkerung. Jedoch hat sich Serbien mit einem BIP-Rückgang von nur minus drei Prozent im Jahr 2009 und einer Rückkehr in die BIP-Wachstumszone 2010 in der weltweiten Wirtschaftskrise relativ gut geschlagen. Die zwischen geschätzt drei bis vier Millionen Personen umfassende serbische Community hat auch 2010 wieder Gelder im Ausmaß von ca. 15 Prozent des serbischen BIP in die Heimat transferiert. Daneben spielt die Schattenwirtschaft mit einem Jahresumsatz von geschätzten 10 bis 12 Milliarden Euro oder ca. 30 Prozent des BIP eine bedeutende Rolle.

Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung haben Arbeitslose nur, wenn sie in den letzten zwölf Monaten dauerhaft berufstätig waren und alle erforderlichen Steuern und Sozialabgaben gezahlt haben. Die Arbeitslosenhilfe beträgt 50-60 Prozent des durchschnittlichen letzten Gehalts und wird abhängig von der Dauer des Beschäftigungsverhältnisses und des Lebensalters nur für einen Zeitraum von einem Monat bis maximal 24 Monate gewährt.

Die Roma sind eine benachteiligte Bevölkerungsgruppe Serbiens, die nach wie vor in großer Armut und in illegalen Siedlungen lebt. Eine beträchtliche Anzahl an Roma besitzt keine persönlichen Dokumente und hat daher keinen Zugang zum Sozialversicherungssystem, zu Bildung, Beschäftigung und anderen Dienstleistungen.

In Österreich stellt die serbische Bevölkerung eine der größten Migrantengruppen dar. Zum Stichtag 1.1.2010 konnten rund 207.000 Personen (Serbien, Montenegro, Kosovo) gezählt werden. 

1. Kurze Geschichte der Republik Serbien

Das erste serbische Königreich wurde im Jahre 1170 durch Stefan Nemanja errichtet, dessen Sohn als St. Sava heilig gesprochen und zum Schutzpatron der 1219 gegründeten autokephalen [1] serbischen orthodoxen Kirche ernannt wurde. Unter König Stefan Dusan (1331 bis 1355) erreichte das Königreich seine größte Ausdehnung. Nach der Schlacht von Smederevo 1459 gelangte Serbien unter die Herrschaft des osmanischen Reiches, welche beinahe 370 Jahre dauerte. Erste serbische Unabhängigkeitsbewegungen begannen im 19. Jahrhundert, um 1879 am Berliner Kongress schließlich in die volle Unabhängigkeit zu münden (USDOS – Background Note 2010).

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs entstand das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen [2] , dem sich auch die Vojvodina und Montenegro anschlossen. Serbien war in diesem Staat der dominante Faktor. Während des Zweiten Weltkriegs war Jugoslawien von deutschen Truppen besetzt, wobei sowohl königstreue Tschetniks [3] als auch kommunistische Partisanen den Widerstand organisierten. Nach 1945 wurde von den Kommunisten unter ihrem Führer Josip Broz Tito zuerst die Föderative Republik Jugoslawiens und ab 1963 die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawiens ausgerufen (Länder-Lexikon.de, o.D.).

Mit dem Tod Titos, der als einigende Figur das Staatengebilde jahrelang zusammenhielt, kam es vermehrt zu separatistischen und nationalistischen Bewegungen im Land. Eine Entwicklung, die durch die stark serbisch-nationalistisch gefärbte Politik Slobodan Milosevics in den 1980er Jahren letzten Endes zur Auflösung der sozialistischen Republik und ihrer Aufteilung, in zum Teil blutigen Bürgerkriegen, in unabhängige Republiken zu Beginn der 1990er Jahre führte (USDOS – Background Note 2010).

Nach diesem Zerfall bildeten Serbien und Montenegro von 1992 bis 2003 die Bundesrepublik Jugoslawien (F.R.Y.), die unter Beteiligung der Europäischen Union 2003 in den losen Staatenbund Serbien und Montenegro umgewandelt wurde. Drei Jahre später wurde entsprechend der Belgrader Vereinbarung von 2002 die Möglichkeit der Abhaltung eines Unabhängigkeitsreferendums seitens Montenegros genutzt, das schließlich 2006 in dessen Selbstständigkeit führte (BBC 2010). Das serbische Parlament beschloss daraufhin für den nun neu entstandenen Staat Republik Serbien die alleinige Rechtsnachfolge der Bundesrepublik Jugoslawien in allen internationalen Vertretungen und Gremien. Damit begann ein neues Kapitel in der Geschichte Serbiens, welches eine Reihe institutioneller Veränderungen, auch durch die 2008 erfolgte Unabhängigkeitserklärung der ehemaligen serbischen Provinz Kosovo, zur Folge hatte. Während die Trennung mit Montenegro keinerlei politische Schwierigkeiten nach sich zog, anerkennt Serbien den Kosovo nach wie vor nicht als unabhängiges Staatengebilde. 

Seit dem letzten Regierungswechsel 2008 hat Serbien eine Regierung, die sich klar auf EU-Kurs mit dem Ziel EU-Beitritt befindet. In diesem Zusammenhang hat die Regierung in vielen Bereichen durch Verabschiedung zahlreicher Gesetze und Aktionspläne die Annäherung Serbiens an die EU erfolgreich fortgesetzt. Dies wurde von der EU durch Aktivierung des Interimsabkommens zum Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) mit Serbien am 07.12.2009 sowie der Gewährung der Visafreiheit ab 19.12.2009 honoriert. Am 22.12.2009 stellte Serbien den EU-Beitrittsantrag (European Commission 2010).

[1] Autokephal: kirchliche Unabhängigkeit, Eigenständigkeit

[2] Zum Begriff „Jugoslawien“ (wörtlich übersetzt: Südslawien): 1918 wurde das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen gegründet, welches 1929 offiziell in das Königreich Jugoslawien umbenannt wurde (sog. „erstes Jugoslawien“). Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Föderative Volksrepublik Jugoslawien (1945 bis 1963) gegründet, die ab 1963 in die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien umbenannt wurde (sog. „zweites Jugoslawien“). Nach dem Zerfall des Staates bildeten von 1992 bis 2003 Serbien und Montenegro zunächst die Bundesrepublik Jugoslawien, welche mit der Annahme einer neuen Verfassung 2003 in die Bezeichnung Serbien und Montenegro mündete.

[3] Sammelbegriff für mehrere volkstümliche, monarchistische, serbische Milizen, die im Zweiten Weltkrieg u.a. gegen die deutschen Besatzer bzw. Tito-Partisanen kämpften. Ihre Ursprünge finden sich im 19. Jahrhundert als Freischärlertruppe zum Schutz der Grenze und der serbischen Bevölkerung gegenüber dem Osmanischen Reich.

2. Wirtschaftliche Lage

2.1 Allgemein

Die wirtschaftliche Lage in Serbien ist generell durch eine hohe Arbeitslosigkeit und ein überlastetes Sozialsystem bzw. durch die Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise gekennzeichnet. Folgen dieser Entwicklung sind wachsende Arbeitslosigkeit und Armut, vor allem in den strukturschwachen Regionen wie dem Sandzak und in Südserbien. Der Exodus der Fachkräfte hält weiter an. Der Anteil hoch qualifizierter Wissenschaftler unter den Auswanderern wird dabei auf rund ein Zehntel geschätzt. Gemäß einer Umfrage wollten im Jahr 2009 ca. 54 Prozent der jungen Erwachsenen Serbien verlassen (BAMF 2010).

Als Beispiel für die regional sehr unterschiedliche Wirtschaftsentwicklung in Serbien darf die Region Südserbien (Presevo-Tal) angeführt werden: Mit einem monatlichen Durchschnittseinkommen von 150 Euro bildet Südserbien das Schlusslicht im Land. Immer mehr Menschen leben am Existenzminimum und müssen staatliche Unterstützung beantragen. Das Durchschnittseinkommen der Beschäftigten ist dreimal niedriger als in der reichsten Kommune des Landes Neu Belgrad. Der Mangel an Arbeitsplätzen und das geringe Einkommen führen zudem dazu, dass immer mehr Einwohner auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben auswandern (DW-World.de 2010).

Die serbisch pro-europäische Mehrparteienregierung versuchte der Wirtschaftskrise mit Hilfe verschiedener Konjunkturprogramme, hauptsächlich in Form von begünstigten Krediten, Herr zu werden. Ende März 2009 hat Serbien mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) eine Aufstockung eines bestehenden Kreditrahmens von 402 Millionen auf 3,3 Milliarden Euro vereinbart, der bis April 2011 galt. Damit verbunden sind strikte Auflagen des IWF hinsichtlich Reduktion des Budgetdefizits, was nur über Ausgabenkürzungen im überdimensionierten öffentlichen Bereich und/oder Steuererhöhungen realisierbar ist (WKO 2011).

2.2 Sektoren

Der wichtigste Wirtschaftszweig entsprechend des Anteils am Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist der Dienstleistungssektor mit für das Jahr 2010 geschätzten 65,5 Prozent. Danach folgen mit 21,9 Prozent der Industriesektor und mit 12,6 Prozent die Landwirtschaft (CIA – The World Factbook 2011). Hauptexportprodukte Serbiens sind Eisen und Stahl, Obst und Gemüse, Nichteisenmetalle, Gummiprodukte und Textilien. Importiert werden vor allem Öl und Öl-derivate, Kraftfahrzeuge, Gas, Industriemaschinen, Elektrogeräte, Stoffe und Textilprodukte. In der Republik Serbien ist seit Juli 2001 ein Privatisierungsgesetz in Kraft, das die Veräußerung von Unternehmen durch Ausschreibungs- und Versteigerungsverfahren vorsieht. Die Regierung ist dabei die großen Staatsunternehmen einer beschleunigten Restrukturierung zu unterziehen, um sie anschließend schneller privatisieren zu können (AA: Länder, Reisen, Sicherheit 2009).

2.3 Aussichten

Serbien ist 2010 wieder auf den wirtschaftlichen Wachstumspfad zurückgekehrt. Dieser verläuft mit prognostizierten 1,8 Prozent plus beim BIP aber deutlich weniger steil nach oben als in den Jahren vor der Weltwirtschaftskrise. Ein Wermutstropfen ist die zu Jahresende 2010 überraschend deutlich gestiegene Inflation, die im Dezember 2010 mit 10,3 Prozent auch außerhalb des von der serbischen Nationalbank vorgegebenen Zielkorridors liegt (WKO 2011).

Seit 2007 kam es in Serbien verstärkt zu ausländischen Investitionen, die über zwei Milliarden US-Dollar erreichten, allerdings durch die Wirtschaftskrise mittlerweile eine Verlangsamung erfuhren. Serbien versucht derzeit auch Mitglied in der Welthandelsorganisation zu werden. Wirtschaftliche Reformen inklusive Handelsliberalisierung wurden zwar auf vielen Gebieten  fortgesetzt, dennoch arbeiten nach wie vor 26 Prozent aller Beschäftigten in staatlichen bzw. staatsnahen Betrieben. Auch sollte aufgrund von Vorgaben seitens des IWF die Größe des öffentlichen Sektors für das Jahr 2010 um 10 Prozent reduziert werden, was sich allerdings als politisch heikel und in diesem Tempo als kaum machbar erwies (USDOS – Background Note 2010).

Mit einem BIP-Rückgang von  minus drei Prozent im Jahr 2009 und einer Rückkehr in die BIP-Wachstumszone 2010 hat sich Serbien in der weltweiten Wirtschaftskrise relativ gut geschlagen. Wie eine Reihe von Ländern in der Region importiert auch Serbien wesentlich mehr als es exportiert, mit entsprechenden Auswirkungen auf Leistungsbilanz sowie Währung. Mittlerweile jedoch steigen die Exporte sowie auch die Transferzahlungen der serbischen Diaspora. Die zwischen geschätzt drei bis vier Millionen Personen umfassende serbische Community hat auch 2010 wieder Gelder im Ausmaß von ca. 15 Prozent des serbischen BIP in die Heimat transferiert. Daneben spielt die Schattenwirtschaft mit einem Jahresumsatz von geschätzt 10 bis 12 Milliarden Euro oder ca. 30 Prozent des BIP eine bedeutende Rolle (WKO 2011). 

3. Sozioökonomische Aspekte

Die Arbeitslosenrate in der Republik Serbien betrug 2010 fast 20 Prozent mit einem nur geringen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Dabei gab es allerdings regionale Unter-schiede. So war diese z.B. in der Region Belgrad deutlich niedriger (15,8 Prozent) als in den Regionen Süd/Südostserbien mit einer Rate von 21,1 Prozent. Die Beschäftigungsrate betrug 2010 insgesamt 37,7 Prozent, wobei diese bei Männern 45 Prozent und bei Frauen 30,9 Prozent betrug. Auch hier gibt es regionale Unterschiede, mit den höchsten Beschäftigungsquoten in Westserbien und im Raum Belgrad (Statistical Office 2010).

Neben der auf ca. 20 Prozent angestiegenen Arbeitslosenrate ist die Kursentwicklung des serbischen Dinars eine für die Bevölkerung am deutlichsten spürbare Auswirkung der Wirtschaftskrise. Lag zur Jahresmitte 2008 der Wechselkurs noch bei ca. 75 Dinar für einen Euro, so musste die serbische Währung zwischen längeren stabilen Phasen immer wieder Abwertungsschübe hinnehmen. Allein im Jahresverlauf 2010 gab der Dinar fast 10 Prozent gegenüber dem Euro nach und liegt aktuell bei ca. 105 bis 106 Dinar für einen Euro (WKO, 2011).

Der Mindestlohn wurde für den Zeitraum Jänner bis Juni 2010 mit ca. 194 US-Dollar pro Monat festgelegt. Das durchschnittliche Nettomonatseinkommen betrug etwa 422 US-Dollar. In Unternehmungen mit gewerkschaftlicher Organisation werden die Bestimmungen über den Mindestlohn generell eingehalten, im Gegensatz zu privaten Firmen, die die Einhaltung dieser Regelungen nicht immer beachten (USDOS – Human Rights Report 2011).

Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung haben Arbeitslose nur, wenn sie in den letzten zwölf Monaten dauerhaft berufstätig waren und alle erforderlichen Steuern und Sozialabgaben gezahlt haben. Die Arbeitslosenhilfe beträgt 50 bis 60 Prozent des durchschnittlichen letzten Gehalts und wird abhängig von der Dauer des Beschäftigungsverhältnisses und des Lebensalters nur für einen Zeitraum von einem Monat bis maximal 24 Monate gewährt (BAMF 2010).

Anspruch auf Sozialhilfe haben Personen, die arbeitsunfähig sind und auch sonst keine Mittel zum Unterhalt haben. Außerdem sind Bürger sozialhilfeberechtigt, die ihren Unterhalt durch ihre Arbeit allein, durch Unterhaltspflichten von Verwandten, durch ihr Vermögen oder auf andere Art und Weise nicht sichern können (BAMF 2010).

Die Höhe der Sozialhilfe wird jeden Monat an die Lebenshaltungskosten angepasst. So betrug die Sozialhilfe im Monat September 2010:

  • für Alleinstehende 5.694 Dinar (ca. 57 Euro)
  • für eine zweiköpfige Familie 7.823 Dinar (ca. 79 Euro)
  • für eine dreiköpfige Familie 9.962 Dinar (ca. 100 Euro)
  • für eine vierköpfige Familie 10.665 Dinar (ca. 108 Euro)
  • für eine fünf- und mehrköpfige Familie 11.394 Dinar (ca. 115 Euro) (Serbian Government 2011).

3.1 Bildungssystem

In Serbien besteht Schulpflicht für Kinder im Alter von 7 bis 15 Jahren. Sie wird durch den Besuch der Grundschule (Schulstufe 1 bis 8) abgedeckt. Fakultativ werden weiterführende Schulen wie allgemeinbildende Gymnasien, Fachschulen und Berufsschulen besucht. Es besteht die Möglichkeit einer zwei-, drei- oder vierjährigen Ausbildung sowie die Ausbildung begabter Schüler/innen und von jenen mit besonderen Bedürfnissen. Staatliche Universitäten bestehen in Belgrad, Novi Sad, Niš, Kragujevac und Novi Pazar. Nach der langen Isolation während der Milošević-Ära konnten in vielen Bereichen mittlerweile wieder internationale wissenschaftliche Kontakte geknüpft werden. Trotzdem ist die Abwanderung gut ausgebildeter junger Menschen vor allem in die wirtschaftlichen Zentren der EU ein großes gesellschaftliches Problem (AA: Länder, Reisen, Sicherheit 2011).

Die Höhe der Studiengebühr ist nicht einheitlich geregelt und hängt von Universität, Studienort und Studienrichtung ab. So beträgt die Studiengebühr an der Universität Belgrad zwischen 100.000 Dinar (ca. 950 bis 1.000 Euro) (Mathematikstudium) und 240.000 Dinar (ca. 2.300 bis 2.400 Euro) (Architekturstudium).

In anderen Städten beträgt die Studiengebühr zwischen 18.000 Dinar (Kosovska Mitrovica) und 80.000 Dinar (Nis bzw. Kragujevac), jeweils abhängig von der Studienrichtung (Blic, 2010).

3.2 Gesellschaftliche Aspekte

Frauen haben dieselben Rechte wie Männer, auch die Familie, das Eigentum und das Rechtssystem betreffend. Der Rat für Geschlechtergleichberechtigung arbeitete mit NGO’s auf dem Gebiet der Hebung des öffentlichen Bewusstseins für Geschlechterfragen zusammen. Öffentliche Ämter, die sich mit dem Problem Gewalt gegen Frauen beschäftigen, sind oft unterfinanziert. Hier spielt besonders die NGO-Community eine wesentliche Rolle in der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Osvit, eine NGO in Nis betreibt z.B. eine Telefonhotline in Romani für diese und ähnliche Angelegenheiten (USDOS – Human Rights Report 2010).

Im März 2009 wurde ein Anti-Diskriminierungsgesetz angenommen. Dieses Gesetz markiert einen Meilenstein bezüglich des Schutzes der Menschenrechte in Serbien, wobei die Einsetzung eines unabhängigen Kommissars zum Schutz der Gleichbehandlung von Minderheiten und sozialer Gruppen vorgesehen ist. Dieses Gesetz ist insofern bemerkenswert, als sich die serbische Gesellschaft gegenüber Gruppierungen wie Roma, Personen mit Behinderungen und LGBT-Gruppen [4] als zum Teil immer noch sehr vorurteilsbehaftet und intolerant zeigt (Commission of the European Communities 2009).

Während des serbischen Vorsitzes (2008 bis 2009, Anm.) im Rahmen der „Dekade der Roma-Einbindung (Roma-Inclusion)“ [5] nahm die Regierung das Strategiepapier zur Verbesserung der Lage der Roma an, wobei ein entsprechender Aktionsplan ebenfalls beschlossen wurde. Für Roma-Studenten wurde seitens des Staates eine begrenzte Anzahl an Stipendien vergeben. Die „Liga der Roma-Dekade“, eine Vereinigung aus 60 Roma und Nicht-Roma NGO’S ist zu einem respektierten Ansprechpartner für Roma-Angelegenheiten auf nationaler und regionaler Ebene geworden. Ende 2008 hat das zuständige Ministerium Abkommen über die Vorbereitung rechtmäßiger Aufzeichnungen über die Legalisierung und  Umsiedlung von Roma-Siedlungen mit acht Gemeinden getroffen. Besondere Maßnahmen auf dem Gebiet der Schulbildung, die schon vor einigen Jahren eingeführt wurden, zeigten die ersten positiven Resultate.

Viele Roma leben jedoch nach wie vor in großer Armut und in illegalen Siedlungen. Eine beträchtliche Anzahl an Roma besitzt keine persönlichen Dokumente und hat so keinen Zugang zum Sozialversicherungssystem, zu Bildung, Beschäftigung und anderen Dienstleistungen. Roma Kinder finden nur schwer Zugang zu Bildung. Nur 5 Prozent der Romabevölkerung haben eine dauerhafte Beschäftigung, insbesondere Frauen und Kinder sind wirtschaftlicher Ausbeutung und familiärer Gewalt ausgesetzt (European Commission 2010).

[4] Engl. Abkürzung für: Lesbian-, Gay-, Bisexuell-, Transgender-Personengruppe

[5] The Decade of Roma Inclusion 2005 bis 2015: Verpflichtung Europäischer Regierungen zur Verbesserung der sozio-ökonomischen Lage und der sozialen Einbindung von Roma. Die Dekade ist ein Zusammenschluss von Regierungen, zwischenstaatlichen- und nichtstaatlichen Organisationen sowie Romaorganisationen mit dem Ziel der Hebung des allgemeinen Wohlstandes der Romabevölkerung. Die daran teilnehmenden Länder haben jeweils für ein Jahr den Vorsitz bzw. die Präsidentschaft inne.

4. Serbische Community in Österreich

Nach Migrant/innen aus Deutschland zählte die Statistik Austria zu Beginn 2010 (Stichtag 1.1.2010) 207.000 Personen aus Serbien, Montenegro und dem Kosovo [6] (migration & integration. zahlen.daten.indikatoren 2010: 9). Davon waren rund 73.000 in Serbien, Montenegro und Kosovo geborene österreichische Staatsbürger und rund 134.000 serbische Staatsangehörige, von denen 109.000 nicht in Österreich geboren, hingegen 25.000 Personen bereits in Österreich geboren waren (migration & integration. zahlen.daten.indikatoren 2010: 25). Der Bundesländervergleich zeigt, dass Migrant/innen aus Serbien (und Montenegro) in sechs Bundesländern (Burgenland, Kärnten, Vorarlberg, Salzburg, Ober- und Niederösterreich) an dritter Stelle der Bevölkerung nach Herkunftsland stehen. In der Landeshauptstadt leben mit rund 110.000 Personen der Großteil der Bevölkerung serbischer und montenegrinischer Herkunft.

[6] In der Statistik werden die Staatsangehörigkeiten Serbien, Montenegro und Kosovo zusammengefasst, da aufgrund wechselnder Staatsverfassungen und Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Teile der ehemaligen Bundesrepublik Serbien die Staatsangehörigkeit Serbien nicht isoliert ausgewertet werden kann.

2010 wurden 350 Asylanträge seitens serbischer Staatsangehöriger in Österreich gestellt. Während in diesem Jahr 42 Fälle positiv entschieden wurden, gab es 972 negative sowie 235 sonstige Entscheidungen (BMI, Asylstatistik 2010).

4.1 Arbeitslosigkeit und Erwerbstätigkeit

Im Jahresdurchschnitt betrug die Arbeitslosenquote in Österreich 6,9 Prozent, bei den Frauen 6,2 Prozent und bei den Männern 7,5 Prozent (Statistik Austria 2011). Wie die Statistik zeigt, sind Migrant/innen deutlich stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Bürger/innen österreichischer Herkunft. So lag die Arbeitslosenquote bei Personen mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft im Jahr 2010 im Durchschnitt bei 9,6 Prozent (Statistik Austria 2011).

Eine Betrachtung der Arbeitslosenzahlen von Personen serbischer Staatsbürgerschaft in Österreich zeigt auf, dass die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Der Vergleich der Zahlen von März 2010 und 2011 legt offen, dass im Vorjahr 2.754 Serben und 1.509 Serbinnen als arbeitslos/arbeitssuchend registriert waren, während im März 2011 die Zahlen deutlich gestiegen sind. Bei den Männern kann von einem Wachstum der Arbeitslosigkeit von 21,4Prozent und bei den Frauen von 36,4Prozent gesprochen werden.

Ebenso zeigen die Daten der vorgemerkten Serb/innen nach Alter, dass die Arbeitslosigkeit unter den 25- bis 44-Jährigen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist (+23,8 Prozent), jedoch besonders die über 45-Jährigen von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Waren im März 2010 in der Gruppe der über 45-Jährigen 1.384 Personen als arbeitssuchend gemeldet, stieg die Zahl im März 2011 auf 1.824 (+31,8 Prozent). Bei den Jugendlichen gab es einen Anstieg von 25,9 Prozent.

Von den 207.000 gezählten Personen aus Serbien [7] in Österreich waren 2010 durchschnittlich 7.526 männliche und 4.813 weibliche Personen als unselbstständig beschäftigt gemeldet. Vergleicht man diese Zahlen mit dem Jahr 2009, so wird ein leichter Anstieg der Beschäftigung sichtbar. Bei den Männern kann man von einem Wachstum von 4,42 Prozent sprechen, bei den Frauen von 6,39 Prozent.

[7] sowie Montenegro und dem Kosovo

4.2 Deutschkenntnisse

Über gute Deutschkenntnisse zu verfügen, ist eine wesentliche Voraussetzung, Teil der österreichischen Gesellschaft und des österreichischen Arbeitsmarktes zu sein. Nach Herkunftsländern verfügen Personen aus Kroatien nach eigener Aussage über die besten Deutschkenntnisse (2/3 muttersprachliche oder sehr gute Kenntnisse), gefolgt von polnischen, serbischen und montenegrinischen Staatsbürger/innen (Ulram 2009: 17). Des Weiteren zeigt eine andere Befragung, dass für 88 Prozent der befragten Personen serbischer Herkunft es sehr wichtig ist, dass man in Österreich Deutsch verpflichtend erlernen muss (Stankovic/Potkanski 2010: 17). Nichts desto trotz spielt die Pflege der Muttersprache eine wichtige Rolle. 77 Prozent der befragten Serb/-innen und Personen mit serbischem Migrationshintergrund geben an, dass ihnen die Pflege ihrer Muttersprache sehr wichtig und vordringlich ist (Stankovic/Potkanski 2010: 18).

4.3 Subjektives Integrationsbewusstsein [8] der Personen serbischer Herkunft

Der Großteil der Migrant/-innen (83 Prozent) fühlt sich in Österreich völlig (36 Prozent) oder eher (47 Prozent) integriert, bei den in Österreich Geborenen sind es neun von zehn. Nach Herkunftsländern fühlen sich Migrant/-innen aus Polen subjektiv am stärksten integriert, gefolgt von solchen aus Serbien, Rumänien, Bulgarien, Mazedonien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro (vgl. Ulram 2009: 22). Serb/-innen und Personen mit serbischem Migrationshintergrund scheinen eher der Auffassung zu sein, Teil der österreichischen Gesellschaft zu sein als andere Migrantengruppen. So geben 35 Prozent an, sie fühlen sich völlig integriert, 30 Prozent eher integriert (Stankovic/Potkanski 2010: 14). 

[8] Als subjektives Integrationsbewusstsein wird das individuelle Gefühl einer Person über die eigene Integration in die Gesellschaft verstanden.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Serbien

Bevölkerung serbischer Herkunft in Österreich (Stichtag 1.1.2010)

Vorgemerkte arbeitslose Serb/innen in Österreich nach Geschlecht, März 2010/März 2011

Vorgemerkte arbeitslose Serb/innen in Österreich nach Alter, März 2010/März 2011

Unselbstständig beschäftigte Serb/innen nach Geschlecht, Jahresdurchschnitt 2009/2010

Ich fühle mich in die österreichische Gesellschaft integriert…