ÖIF-Dossier n°10
Die chinesische Community in Österreich
Mingnan Zhao
Mai 2010
Statistische Daten
Laut Angaben der Statistik Austria leben derzeit 15.673 Chinesen in Österreich, davon 9.653 Personen wohnhaft in Wien. Zählt man die bereits in Österreich geborene Generation, ethnische Chinesen mit anderer Staatsbürgerschaft sowie Asylwerber und illegale Migranten dazu, so umfasst die chinesische Community schätzungsweise rund 30.000 Mitglieder. Während die überwiegende Mehrheit der hier ansässigen Chinesen aus den Städten Qingtian und Wenzhou in der Provinz Zhejiang stammt, haben sich v.a. in den letzen Jahren Zuwanderer-Gruppen aus den verarmten Provinzen Fujian und Dongbei hinzugesellt. In den Jahren 2002-2006 gab es zudem eine Zuwanderungswelle chinesischer Schüler und Studenten.
Aus eigener Initiative kamen Chinesen 1902 als Händler und Arbeiter nach Österreich. In den 1930er Jahren migrierten chinesische Landbewohner aus dem Dorf Qingtian nach Österreich und verlegten sich erstmals auf die Gastronomie: Ende der 1940er Jahre entstanden die beiden ersten China-Restaurants, im Laufe der 1970er Jahre vermehrten sich die gastronomischen Betriebe, so dass es in den achtziger Jahren bereits ca. 120 China-Restaurants in Wien gab. Mittlerweile gibt es rund 1168 gastronomische Betriebe in Österreich, die von Chinesen geführt werden, davon 508 Betriebe mit Sitz in Wien. Aufgrund der Marktsättigung und dem aufstrebenden Trend der Fusion-Küche haben Betreiber die traditionelle chinesische Küche mittlerweile mit pan-asiatischen Spezialitäten erweitert, sprich Spezialitäten aus dem ganzen asiatischen Raum.
Nach der Gastronomie bilden Einzel- und Großhandel die zweitwichtigste Wirtschaftsbranche für chinesische Migranten: 50 Import- & Exportunternehmen und 42 Supermärkte sind im Telefonbuch für Chinesen vermerkt, ebenso wie einige Karaoke-Bars, drei chinesische Schulen, Internetcafés und Kulturhäuser etc. Zwei wöchentlich erscheinende chinesische Zeitungen informieren über lokales und internationales Geschehen sowie Neuigkeiten aus China. Es gibt 30 Vereine und Organisationen von Chinesen. Dazu gehören: Verein für chinesische Gastronomen in Österreich, Verein der Qingtian-Chinesen in Österreich, Verband der Chinesen in Österreich, Verein von Chinesen der Provinz Zhejiang, Verein chinesischer Frauen, Handelsverein der Chinesen in Österreich.
Chinesische Migration in Österreich
Laut Statistik Austria leben derzeit rund 15.673 Chinesen in Österreich, davon 9.653 Personen mit Wohnsitz in Wien. Die Zahl der in Österreich lebenden ethnischen Chinesen lässt sich kaum eruieren. Abgesehen von den Chinesen mit Geburtsland China gibt es auch solche, die z.B. die malaysische Staatsbürgerschaft besitzen, jedoch von der Ethnizität her Chinesen sind. Auch Kinder von Migranten, die bereits in Österreich geboren wurden, scheinen nur mehr als Österreicher auf. Wenn man auch Asylwerber und die immerzu variiende Zahl der illegalen Einwanderer miteinbezieht, so erscheint die Annahme von „rund 30.000 in Österreich lebenden Chinesen“ durchaus glaubhaft.
Die Abnahme von Einbürgerungen chinesischer Migranten von 2001 bis 2007 lässt sich aus der unten angeführten Grafik erkennen. Während es im Jahr 2001 noch 737 Einbürgerungen chinesischer Staatsbürger gab, war es in 2007 nur mehr 57. Seither hat sich die Zahl nicht wesentlich geändert.
In 2006 trat eine Reihe neuer Gesetze in Kraft, darunter z.B. das neue Fremdengesetz von 2006, das Scheinehen mit Drittstaatsangehörigen erheblich erschwert, sowie neue Regelungen, welche die Aufenthalts- und Erwerbsregelungen von Studierenden genauer unterteilt. Dies erklärt z.T. die Abnahme chinesischer Migration in den letzten Jahren. Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger meldet zudem 3.363.236 Beschäftigte österreichweit im März 20104, davon haben 3034 Beschäftigte eine chinesische Staatsbürgerschaft.
Daten des Arbeitsmarktservice zeigen, dass in Wien und Österreich in den Jahren 2009 und 2010 die Mehrheit der arbeitslosen bzw. sich in Schulungen befindlichen chinesischen Migranten sowohl in Wien als auch österreichweit zwischen 25 und 44 Jahre alt waren. Die Zunahme von Arbeitslosigkeit bei Älteren ab 45 Jahren bei der diesjährigen Auswertung sticht hervor, wird allerdings gemildert durch die Tatsache, dass die Zahlen generell sehr niedrig sind: Beim Anstieg handelt es sich um 20 Arbeitslose mehr als im Vorjahr, von 37 in 2009 auf 57 Personen in 2010. (Tabelle 3)
Laut Asylbericht vom Jahr 2009 wurden von insgesamt 20.237 rechtskräftig erledigten Asylanträgen 574 von chinesischen Migranten gestellt. 38 Anträge wurden positiv, 424 aber negativ entschieden. Zudem gab es 112 sonstige rechtskräftige Erledigungen (Tabelle 5). Wenn man im Vergleich dazu die Zahlen vom Vorjahr ansieht, kann ein leichter Anstieg beobachtet werden: Es gab 18 positive und 153 negative Erledigungen in 2008. Die Anzahl der Asylanträge des Jahres 2009 betrug 15.821, davon wurden 368 von Asylwerbern mit chinesischer Herkunft eingereicht, während es in 2008 rund 223 von insgesamt 12.841 waren.
Der Schlepperbericht des Innenministeriums8 zeigt einen Rückgang der illegalen Migration von chinesischen Staatsangehörigen. Trotz abnehmender Migration konnte ein leichter Anstieg von Aufgriffen illegal aufhältiger Personen beobachtet werden. Im Jahr 2008 zählte man bundesweit 210 Aufgriffe geschleppter Chinesen, während es in 2007 noch 257 Personen waren. Der Rückgang bei Aufgriffen von Geschleppten ist auf die Erweiterung der Schengengrenzen zurückzuführen.
Die strukturelle Gliederung und Routen der Schlepperorganisationen blieben unverändert. Die Hauptroute führt nach wie vor über die Ukraine/Weißrussland zu den Schengenländern Polen, Slowakei, Tschechische Republik, Deutschland, Ungarn, Österreich und anschließend in die Länder Großbritannien, Frankreich, BeNeLux, Italien sowie Spanien. Die geschleppten Personen werden dabei zu Fuß oder in Fahrzeugen untergebracht durch die Grenzkontrollen gelotst und danach mittels PKW, LKW oder der Bahn in die Zielländer gebracht. Über den Luftweg werden technisch hochwertig verarbeitete, gefälschte Pässe aus Hongkong, Korea oder Taiwan geliefert, die ihnen die visusmsfreie Niederlassung in den meisten europäischen Ländern sowie Kanada und den USA ermöglichen.
Erfasst man die Zahl aller geschleppten, rechtswidrig aufhältigen Personen sowie Schleppern, kommt man im Jahr 2008 auf eine Summe von 444 Personen mit chinesischer Herkunft, welche im Vergleich zu den insgesamt 14.575 Personen mit anderen Nationalitäten, die 2008 auf illegale Wege nach Österreich eingereist sind, einen relativ kleinen prozentuellen Anteil darstellt.
Geschichte
Im Museum der Stadt Wien finden wir heute Hinweise auf die ersten beiden chinesischen Einwanderer in Österreich, die als Bootsknechte auf der Kaunitz, einem Schiff der Österreichischen Ostindischen Kompanie, am 8. Februar 1780 von Triest nach Wien kamen. Einer der beiden soll sich in Nußdorf am Attersee niedergelassen und sich dort etabliert haben.
Aus eigener Initiative kamen Chinesen erst 1902 nach Österreich. Es kam zu einer Intensivierung des wissenschaftlichen Austauschs, insbesondere im militärischen Bereich. Allerdings stießen vor allem chinesische Händler und Arbeiter bei konservativen Politikern und Behörden auf massive Fremdenfeindlichkeit. Die christlich-soziale Tageszeitung Reichspost zum Beispiel attackierte die chinesischen Einwanderer mit folgenden fremdenfeindlichen Worten: „Das geniert die gelben Söhne der Mitte nicht. In schmieriger chinesischer Tracht oder auch fragwürdiger europäischer Kleidung streichen sie durch die Straßen. (...) Es wäre an der Zeit, daß die Behörden diesem Treiben ein Ende setzen.“ Es kam im April 1914 zu Zwangsmaßnahmen der Polizei und schließlich zur Abschiebung von 24 Chinesen aus Wien.
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges brachen die Beziehungen zwischen Österreich und China ab, erst in der Zwischenkriegszeit entstand wieder ein reger Wissensaustausch. Studenten gründeten den „Verein chinesischer Studenten“ mit Sitz im Hotel de France und versuchten, chinesischer Kultur und politischen Anliegen Ausdruck zu verleihen. In der Ersten Republik stieg die chinesische Gemeinde auf 600 Personen an, welche nach dem Einmarsch deutscher Truppen jedoch zurück in ihre Heimat flüchten mussten. In den 1940er Jahren kamen wieder chinesische Landbewohner aus dem wirtschaftlich benachteiligten Dorf Qingtian nach Österreich und verlegten sich nun auf die Gastronomie: Ende der 1940er Jahre entstanden die beiden ersten China-Restaurants. Im Laufe der 1970er Jahre vermehrten sich die gastronomischen Betriebe, Mitte der 1980er Jahre zählte man ca. 120 China-Restaurants in Wien. Unter der Öffnungs- und Modernisierungspolitik von Deng Xiaoping nach 1978 kam es zudem zur Intensivierung wirtschaftlicher und kultureller Kontakte zwischen Österreich und China.
Emigration wurde von der chinesischen Regierung nie offiziell gefördert, im Gegenteil: zumeist wurde sie streng kontrolliert oder gar verboten. Die erste Migrantengeneration träumte meist davon „im Alter in ihre Heimat zurückzukehren, dort ihren Lebensabend zu verbringen und vor allem in der heimatlichen Erde begraben zu werden“. Das chinesische Denken konzentriert sich auf das Prinzip der Einigkeit und der Harmonie. Die Menschen werden in der Familie und die Familien im Land vereint. In Anlehnung an das Prinzip des Luoye Guigen wollen die ersten chinesische Migranten vom Ausland erfolgreich ins Vaterland zurückkehren, während die Generation nach 1945 sich zunehmend an das Luodi Shenggen Prinzip orientiert, welches voraussetzt, dass man sich im Ausland eine Existenz aufbauen kann.
Vier Gruppen chinesischer Migranten
Die neuere Migrantengeneration, auch „New Migrants“ (Xin Yimin) genannt, welche nach 1978 emigriert ist, lässt sich in vier Gruppen einteilen: „Students¬turned-Immigrants“ (Auslandsstudenten, die nach dem Abschluss im Ausland bleiben), „Chain Migrants“ (Kettenmigration, bei der man zu bereits im Ausland lebenden Verwandten zieht), „Emigrating Professionals“ (Berufstätige, die Wissen und Erfahrung mitbringen) sowie illegale Immigranten, die entweder ohne gültige Papiere ins Ausland gelangen oder trotz abgelaufener Papiere dort bleiben (Overstayers).
Laut einem UNESCO Report gingen rund 380.000 chinesische Studenten ins Ausland (Stand Ende 2000), zudem treten 25.000 chinesische Studenten jährlich eine Bildungsreise an: „China sends the greatest number of students abroad – 14 percent of the global total – primarily to the United States, Japan and the United Kingdom. This has dramatically changed the global distribution of mobile students.“ Als anerkannte Hauptstadt der Musik lockt Wien insbesondere mit einer Vielzahl an renommierten Musikakademien und Universitäten, wie u.a. dem Vienna Konservatorium, Johann Sebastian Bach Musikschule Wien, Konservatorium Wien, und der Universität für Musik und Darstellende Kunst.
Vor allem im Jahr 1979, nach Beschluss der Wirtschaftsreform, sandte China eine Vielzahl von Studenten und Gelehrten in die Industriestaaten. Der chinesische Staat erhoffte sich durch die Öffnungsreform zweierlei sozio-öknonomischer Beiträge: Erstens, das Zurückbringen von technologischem Know-How und finanzieller Unterstützung für Familien, und zweitens, den Zusammenhalt zum gemeinsamen Aufbau des Heimatlandes. Die meisten staatlich Gesandten sind nach Abschluss auch tatsächlich in ihre Heimat zurückgekehrt, einige haben sich jedoch anderen Migrantengruppen angeschlossen, die vorwiegend aus den beiden Städten Qingtian und Wenzhou aus der südlichen Provinz Zhejiang kamen.
Bei Kettenmigranten spielt die generelle wirtschaftliche Stabilität und Prosperität des Ziellandes eine entscheidende Rolle. Viele von den chinesischen Migranten versuchen sich als Unternehmer selbständig zu machen, jedoch war dieses Vorhaben meist schwieriger zu realisieren, als sie es sich vorgestellt haben. Nicht selten landen sie aufgrund ihrer mangelnden Deutsch- und Fachkenntnisse oder fehlender Aufenthaltsbewilligungen als Tellerwäscher in einem China-Restaurant am Land. Dennoch stellt dies eine bessere Bedingung für sie dar, als an ihrem Heimatort für einen geringen Lohn von ca. 50 Euro/Monat ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Im Gegensatz zur türkischen Gastarbeiter-Migration, konzentrierte sich die chinesische Community vorwiegend auf die Gastronomie, da die Nachfrage nach ostasiatischer Küche sehr groß war. Vor dem Beschluss des Aufenthaltsgesetzes 1993 war es möglich, mit einem Touristenvisum einzureisen und eine Arbeitsbewilligung zu erhalten. Viele ergriffen die Chance, sich in der Gastronomiebranche zu etablieren, was zu einem rasanten Anstieg der Zahl an China-Restaurants in den 1980er und 1990er Jahren geführt hat.
Der Wunsch der Migranten, sich in der Gastronomie selbständig zu machen, folgt einer Strategie, die sich in der weitläufigen chinesischen Migrationsgeschichte entwickelt und reproduziert hat. Nicht nur kann ein internes, soziales Netzwerk aufgebaut werden, auch sehen Chinesen auf diesem Wege eine Möglichkeit, ihren gewohnten Lebensstil weiterführen zu können. Ihr kulturelles und soziales Kapital ermöglichte ihnen das erfolgreiche Ausfüllen der Marktlücke. Dadurch erlangten sie sowohl ökonomische Unabhängigkeit, als auch eine Minderung sprachlicher und kultureller Barrieren: Die Benachteiligung, die ihnen ihre unzureichenden Deutschkenntnisse, ebenso wie der Mangel an Bildung und Fachkenntnissen auf dem Arbeitsmarkt bringen würde, konnte auf diese Art kompensiert werden. In den letzten Jahren haben chinesische Gastronomen ihre Angebotspalette mit japanischen, thailändischen oder anderen asiatischen Gerichten ergänzt, um die Periode der Stagnation nach dem China-Restaurant Boom zu überbrücken. Die Sättigung des Marktes sowie der Mangel an qualifizierten chinesischen Fachkräften führen nicht zuletzt zur Ausdehnung auf eine gesamt-ostasiatische Ethno-Küche.
Da chinesische Restaurant-Besitzer in Österreich ihre Angestellten meist nur innerhalb der eigenen Community und Verwandtschaft rekrutieren, sind Ressourcen auf hier ansässige Chinesen beschränkt. Im Gegensatz zu Deutschland, wo man seit 1960 spezielle Ausbildungsprogramme für Köche eingeführt hat, gab es in Österreich nie vergleichbare Maßnahmen. Den Restaurant-Besitzern bleibt nichts anderes übrig, als im vorhandenen Pool, der kaum fluktuiert, nach Arbeitskräften zu suchen. Im Service wie auch in der Küche bevorzugt man ebenso Landsleute, die einerseits einen günstigeren Lohn als lokale Arbeitskräfte fordern und andererseits besser mit chinesischen Küchenangestellten kommunizieren können. Der konstante Mangel an qualifizierten Angestellten bildet ein schwerwiegendes Problem, mit dem sich chinesische Restaurantbetreiber seit Jahren auseinandersetzen müssen.
Da die Mehrheit der chinesischen Migranten aus ländlichen Gegenden stammt und keine Fachkenntnisse mitbringt, weisen sie kaum die nötigen Qualifikationen für diese Branche auf. Im Gespräch über die Entwicklung der China-Restaurants in den nächsten 5 Jahren meinte Dr. Jian Zhao, Restaurantbesitzer und Ehrenpräsident des Vereins für chinesische Gastronomen in Österreich, dazu: „Die Problematik des Arbeitskräftemangels bleibt bestehen, daher werden chinesische Unternehmer auch weiterhin ihr Speisenangebot mit pan-asiatischen Spezialitäten erweitern, damit sie auf z.B. vietnamesische Arbeitskräfte zurückgreifen können. Die meisten chinesischen Jobsuchenden haben keine gültigen Arbeitspapiere oder Gastronomie-Erfahrung bzw. Deutschkenntnisse.“ Der Studie von Hong Liu zufolge wären von den „40.000 legal emigrierten Qingtian-Chinesen 50% Bauern, 25% Arbeiter, 12.5% Händler, 7.5% Studenten/Schüler und 5% Kader.“26 Das schlechte Handwerk des Küchenpersonals führt dazu, dass sich die chinesische Küche in Österreich auf durschnittlichem Niveau bewegt. Aus diesem Grund waren chinesische Unternehmer dazu veranlasst, sowohl in den Einzelhandel als auch in andere Bereiche der Gastronomie überzugehen, wie zB Cafés, Imbiss, Pizzeria, japanische Restaurants u.v.m.
Wirtschaftsbranchen
Der Verlag der chinesischen Zeitung Europe Weekly ist auch der Herausgeber eines Telefonbuchs für Chinesen im Taschenbuchformat. Die aktuelle Ausgabe von 2010 führt insgesamt 1168 von Chinesen betriebene Restaurants in Österreich auf, davon befinden sich 508 in Wien und 660 in anderen Bundesländern. Allerdings sind nur jene Betriebe angeführt, die auch die Zeitung abonniert oder anderweitig ihre Daten bekanntgegeben haben. Ebenso darin vermerkt sind 50 Import- und Exportunternehmen in den Bereichen Textil, Kunstwaren, Gebrauchsgegenstände etc., 42 Supermärkte und Lebensmittelhändler, 18 sogenannte Freizeitlokale wie z.B. Karaoke-Bars, 16 Reisebüros mit chinesischen Angestellten oder betrieben von Chinesen, 15 Parfümerien, 10 Dolmetscher bzw Dolmetschinstitute, 10 Anwälte/Anwaltbüros28, 9 religiöse Vereine, 9 Zeitungsverlage & Medienagenturen, 7 Versicherungs- und Rechtsberatungsfirmen mit besonderem Service für Chinesen, 6 Hotels und Pensionen, 6 chinesische Schulen, 4 Kulturhäuser/Kunstgalerien, 4 IT- und Computerfachgeschäfte, 3 Frisörläden, 2 Internet-Cafés und ein Kino. Wie man aus der oben angeführten Branchenauflistung erkennen kann, bilden Einzel- und Großhandel die zweitwichtigste Branche für chinesische Migranten nach der Gastronomie. Neben der Eröffnung von Lebensmittelgroßhandelsgeschäften am Naschmarkt gibt es zahlreiche Modegeschäfte und Warenhäuser, welche vor allem auf Hauptstraßen in den Wiener Außenbezirken vorzufinden sind. Der Verkauf importierter Kleidung, Schuhe, Spielwaren als auch anderer Waren erfolgt nicht nur in Österreich sondern auch in benachbarten Staaten in Osteuropa, was durch die Lockerung oder Aufhebung der Grenzkontrollen ermöglicht wurde.
Mitunter vertreiben chinesische Unternehmer auch bereits eigene patentierte Marken in Österreich, ebenso erfolgten Investitionen in die eigene Heimatstadt in Sektoren wie Immobilien, Energiekraftwerke oder auch Gastgewerbe. Mangelndes unternehmerisches Fachwissen der Handelstreibenden erschwert allerdings das Ausbauen ihrer Netzwerke, was ihre Betriebe meist nur auf familienbetriebene Kleinunternehmen beschränkt, die innerhalb der eigenen Verwandtschaftskreise und regionalen Netzwerke konkurrieren.
Medien
Zwei chinesische Zeitungen, Europe Weekly (Ouzhou Lianhe Zhoubao) und Europe Huaxinbao Newspaper (Ouzhou Huaxinbao), erscheinen im wöchentlichen Intervall zu je rund 5.000 und 3.000 Stück pro Auflage, wobei Europe Weekly nicht nur Österreich abdeckt, sondern auch angrenzende Länder wie zB. die Slowakei erreicht und von Luftfahrtgesellschaften wie Air China (VR China), China Air (Taiwan) und Austrian Airlines auf ihren Flügen von und nach China sowie Taiwan bezogen wird. Diese Flugzeuge werden dabei täglich mit je 100 Exemplaren auf jedem ihrer Flüge beliefert. Die Inhalte beider Zeitungen geben einen breitgefächerten Überblick über internationale Schlagzeilen, aktuelle Themen der Auslandschinesen und Stellenangebote wieder. Beide Zeitungen sind um Integration von Auslandschinesen in Österreich bemüht: Sie berichten oft ausführlich von interkulturellen Veranstaltungen und betonen dabei die österreichisch-chinesische Freundschaft. Während Europe Huaxinbao Newspaper ihre Nachrichten in erster Linie aus diversen internationalen chinesischen Zeitungen bezieht und diese vollständig übernimmt, werden viele Texte in Europe Weekly von freien Mitarbeitern verfasst. Demnach ist der journalistische Anspruch von Europe Weekly höher.
Europe Weekly
Gegründet im Januar 2006 in Wien, erscheint Europe Weekly in einer wöchentlichen Auflage von ca. 5.000 Stück. Sie ist nur beim Herausgeber direkt zu abonnieren. Unterstützt wird die Zeitung von: Ouzhou Shibao (Nouvelles d'Europe, Paris), Xinmin Wanbao (Xinmin Evening News, Shanghai), Zhongguorenbao (Vorgänger des Europe Weekly) sowie Zhongou Huabao (Bratislava). Themenbereiche und Rubriken sind: Österreichische Nachrichten, Auslandschinesen im Fokus, Nachrichten aus der Heimat, Kultur und Geschichte mit Schwerpunkt China, Hinter den Kulissen, Brennpunkte in China, Perspektiven Chinas, Gesundheit und Liebe, Militär, Kuriositäten, China in Bildern, Gesundheitstipps, Stars und Gerüchte, Film und Fernsehen, Chinesischer Sport, Städtische Erzählungen, Delikatessen, Kultur Salon, Länder und Reisen, Puls der Gesundheit, bezahlte Anzeigen sowie unentgeltliche Stellenanzeigen. Herausgeber und Medieninhaber: Hr. Gan Wang Kettenbrückeng. 22, 1040 Wien Tel: +43 1 5810525; Fax: +43 1 5870025 www.euroweek.net Email: chinabook(at)chello.at
Europe Huaxinbao Newspaper
Huaxinbao ist die aktuelle Version der ehemaligen Zeitung Tongxiangbao, welche 2000 in Wien gegründet wurde. Huaxinbao bekam seinen neuen Namen im Jahr 2007. Sie wird vom Verein von Chinesen der Provinz Zhejiang herausgegeben und richtet sich in erster Linie an Chinesen aus der Provinz Zhejiang. Die wöchentliche Auflage beträgt ca. 3.000 Stück pro Ausgabe. Diese Zeitung ist ebenfalls nur direkt beim Herausgeber zu abonnieren. Themenbereiche und Rubriken sind: Aktuelles aus China, Nachrichten aus Europa, Fernsehen in China, Internationale Nachrichten, Nachrichten aus Zhejiang, Nützliches für Auslandschinesen, Nachrichten aus Österreich, Lifestyle, Essen und Gesundheit, Chronik, Stars und Entertainment, Juristische Fälle, Militär, Sport, Nachrichten aus Peking und Shanghai, Nachrichten aus Taiwan, Aktuelles von Überseechinesen, bezahlte Anzeigen sowie Stellenanzeigen. Herausgeber und Medieninhaber: Hr. Pinhua Xu Kettenbrückengasse 11, 1050 Wien Tel: +43 1 941 1079; Fax: +43 1 522 1831 www.euhuawen.com Email: tongxianbao@hotmail.com
Schulen
Zusätzlich zur österreichischen Schulausbildung legen chinesische Eltern großen Wert auf die traditionelle Sprachausbildung. An Samstagen bringen Fachkräfte von pädagogischen Instituten in China den Migrantenkindern z.B. die richtige Aussprache der chinesischen Hochsprache, Geographie und Geschichte bei. Authentische und aktuelle Lehrmittel werden aus China bezogen und können an der Schule erworben werden. Die drei größten Schulen sind das Bildungszentrum für chinesische Sprache in Wien (gegründet 1997) mit ca. 600 Schülern, die Chinesische Schule Wien (gegründet 1995) mit über 400 Schülern, und die Taiwanesische Schule (gegründet 1970) mit momentan 59 Schülern. Obwohl es auch Eltern gibt, die ihre Kinder erst zu sich ins Ausland holen, nachdem diese die Grundschulausbildung im Heimatland absolviert haben, lebt der Großteil der chinesischen Familien zusammen im Ausland, nicht zuletzt auch wegen der höheren Lebensqualität in Österreich.
Chinesische Schule Wien
Die Chinesische Schule Wien wurde als erste chinesischsprachige Schule für die chinesische Community der Volksrepublik China von Direktorin Xiaoying Lü und dem Verein für chinesische Sprache und Kultur gegründet. Kinder werden ab einem Alter von vier Jahren aufgenommen und anhand ihrer Chinesisch-Kenntnisse in die geeignete Klasse eingestuft. Die Unterrichtseinheit beträgt in der Regel zwei Wochenstunden. Das Angebot reicht von diversen Sprachkursen über Kalligrafie und Malerei bis zu Tanz und Kungfu. Auch Deutsch- und Englischkurse für Kinder und Jugendliche, die in österreichischen Schulen Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben, sowie zwei Chinesisch-Intensivkursen für Erwachsene stehen auf dem Programm. Ursprünglich im Haus der Bewegung in der Otto-Bauer-Gasse angesiedelt, ist die Schule seit einigen Jahren im Beethovengymnasium untergebracht. Kontakt: Chinesische Schule Wien Fr. Xiaoying Lü Beethovenplatz 1, 1010 Wien Tel: +43 699 19715266 Email: cnswien(at)yahoo.com.cn
Bildungszentrum für chinesische Sprache in Wien
Das Bildungszentrum für chinesische Sprache in Wien steht unter der Leitung von Mag. Jing Zhao und befindet sich in den Räumlichkeiten des Wasagymnasiums. Das Alter der Schüler liegt zwischen fünf und dreißig Jahren. Das Angebot an Sprachunterricht und zusätzlichen Interessenskursen gleicht dem der Chinesischen Schule Wien. Da beide Schulen unabhängig von einander geführt werden, sind sie in diesem Sinne Konkurrenten, erfreuen sich jedoch seit Jahren gleich bleibender Beliebtheit. Bildungszentrum für chinesische Sprache in Wien Fr. Mag. Jing Zhao Wasagasse 10, 1090 Wien Tel: +43 676 5974205 www.chineseschool.at Email: office(at)chineseschool.at
Taiwan Schule
Die Taiwanesische Schule besteht seit 1970 in Wien und ist somit die älteste Chinesisch-Schule Österreichs. Nach einem Direktorenwechsel wird die Schule nun von MMag. Chih-Hoei Prinz-Lien geführt und ist zu Beginn des Jahres ins Gymnasium Sacre Coeur am Rennweg übersiedelt. Während die Schüleranzahl in 1998 noch bei 140 lag, wird die Taiwan Schule im Moment nur mehr von 59 Schülern im Alter von 4 bis 24 Jahren besucht. Es gibt neben dem regulären Unterricht, wie auch in den beiden anderen Chinesisch-Schulen, Kulturveranstaltungen und Ausflüge in die Heimat. Kontakt: Taiwan Schule Fr. MMag. Chih-Hoei Prinz-Lien Rennweg 31. 1030 Wien Tel: +43 699 81377185 www.twschule.at Email: prinz.lien@gmx.at
Freizeitgestaltung
Der beliebteste Aufenthaltsort von Chinesen in ihrer Freizeit sind sogenannte Karaoke-Bars, die sie nach der Arbeit zur nächtlichen Stunde gerne mit Freunden und Familie aufsuchen. Jung und Alt finden sich dort ein, um in einem privaten Raum im Keller eines China-Restaurants chinesische und westliche Lieder zu singen. Weiters gibt es Internet-Cafés, Buchhandlungen sowie Restaurants mit Spezialitäten aus verschiedenen Regionen Chinas, die von Chinesen gerne besucht werden. Da die meisten Mitarbeiter in der Gastronomie ihre Mittagspause von 15 bis 17 Uhr und nach 23 Uhr Feierabend haben, finden Freizeitaktivitäten meist zu diesen Zeiten statt. Da es in Wien keine residentiale Konzentration von chinesischen Migranten in Form eines „Chinatowns“ gibt, sind Freizeit- und Gastronomieanlagen in der ganzen Stadt verteilt vorzufinden.
Vereine und Organisationen
Chinesen bilden gerne Organisationen und Vereinigungen, wo die Mitglieder eine gewisse Funktion samt Titel innehaben können. Dadurch wird nicht nur Networking ermöglicht, es kommt zur Vertrauensstärkung sowie zur Erfassung gemeinsamer Zielsetzungen. Die Affinität zum Beamtentum, das mit Macht und Ansehen verbunden ist, lässt sich von der chinesischen Geschichte herleiten, zumal früher der Kaiser als Himmelssohn mit seinen Beamten zusammen das Reich regierte. Beamten im alten China genossen höchstes Ansehen: egal ob kaiserlicher Minister, Gouverneur oder Schriftführer, alle Beamten wurden geehrt und gefürchtet, da Sie im Dienst des Kaisers standen und Funktionen der Judikative und Exekutive besaßen. Auch im heutigen China verwalten Hunderttausende Beamte das Land für die Zentralregierung und bewirken, dass das Beamtentum noch immer ein besonders erstrebenswerter Status für den Mann ist. Gut nachvollziehbar ist also die Aussage, dass „alle Chinesen gerne ein Amt inne hätten.“ Auch wenn die meisten Chinesen sich über eine höher gestellte Position in einem Verein freuen, so ergründet sich ihr Interesse meist nur auf wirtschaftlich-politischer Ebene: Privatpersonen treten nur ungern Vereinen bei, wenn sie keine Absichten haben, sich politisch zu engagieren oder als Investoren bei transnationalen Projekten in China zu fungieren. Beruhend auf Vertrauen und Freundschaft, sind Vereinsmitglieder meist Kollegen aus denselben regionalen Netzwerken. Da oftmals nur die jeweiligen Obmänner beim Vereinsregister eingetragen sind und Vereinsmitglieder auf freiwilliger Basis ein- und austreten können, lässt sich die Anzahl der Mitglieder nur schwer eruieren. Die aktuelle Auflistung aller chinesischen Vereine in Österreich weist 30 Organisationen auf, die diverse Bereiche wie Gastronomie, Kultur oder Frauenrechte abdecken.
Darunter sind:
- Der Verein der Qingtian-Chinesen in Österreich: gegründet 1999, Vorstand: Tianjin Zhang, Hairong Zhou
- Der Verband der Chinesen in Österreich: gegründet 1991 von Yuanshao Hu Verein von Chinesen der Provinz Zhejiang: gegründet 2007, Vorstand: Jianguang Yin
- Verein für chinesische Gastronomen in Österreich: gegründet 2000, Vorstand: Dongping Yang
- Verein chinesischer Frauen: gegründet 2000, Vorstand: Feiru Xie Handelsverein der Chinesen in Österreich: gegründet 1999, Vorstand: Jianwei Pan
Identität der zweiten Generation
Die zweite chinesische Migrantengeneration, die in ihrer Jugend nach Österreich emigriert ist, zeigt ein differenziertes Berufsbild. Der niedrige sozio-ökonomische Status ihrer Eltern übt einen negativen Einfluss auf ihren Schul- und Werdegang aus, wodurch auch die soziale Mobilität dieser jungen Menschen erheblich beeinflusst wird.
Obwohl im konfuzianischen Denken Bildung die oberste Priorität hat, sieht es in der Realität oft anders aus. Viele Migrantenkinder mussten im Fall eines Mangels an Arbeitskräften im elterlichen Betrieb aushelfen. Elterliche Unterstützung im schulischen Bereich konnte aus Mangel an Zeit und Sprachschwierigkeiten ebenso wenig erfolgen. Das Wohl der Familie steht in der Tradition über dem des Einzelnen, was oft zu Aufopferungen des Kindes für das Wohlergehen der Familie führt und den späteren Werdegang des Kindes beeinflusst. Viele, die ihren Bildungsgang nach der Matura abbrechen, stützen sich auf die bereits gesammelten Erfahrungen in der Gastronomiebranche und treten zumeist mit neuen Konzepten und modernisierten Standards in die Fußstapfen ihrer Eltern, während andere aufgrund ihrer mittelmäßigen Ausbildung nur auf beschränkte Stellenangebote im Arbeitsmarkt zugreifen können. Diejenigen, die aufgrund des Drucks ihrer Eltern eine höhere Ausbildung absolviert haben, finden leichter Zugang zu akademisch höher positionierten Berufen.
Diese Generation genoß zwar westliche Bildung und ist im Großen und Ganzen gut in die österreichische Gesellschaft integriert, jedoch fühlen sie sich noch immer als Chinesen, da äußere Charakteristiken und moralische Grundsätze, die ihnen vom familiären Umfeld mitgegeben worden sind, sie deutlich von Österreichern abgrenzen. Sie tendieren dazu, sich gute Eigenschaften beider Seiten zuzuschreiben, während sie sich von den negativen Stereotypen distanzieren. In ihrer Identitätsfindung spielt die Sprache eine entscheidende Rolle. Während die erste Generation kaum oder schlecht Deutsch spricht, ist Deutsch für ihre Kinder fast zur Muttersprache geworden, was diese eigentlich in eine widersprüchliche Situation bringt, da sie sich in China westlich fühlen, in Österreich aber aufgrund ihres Aussehens als Chinesen gesehen werden. Die Bezeichnung der „Banane – außen gelb, innen weiß“ ist diesem Fall ein metaphorischer Ausdruck für Migranten zweiter Generation, welche von westlicher Erziehung geprägt sind, aber vom Äußeren her unverkennbar asiatisch aussehen.
Nation und Identität
Laut dem Experten für internationale chinesische Migration, Hong Liu, weist der Nationalismus der Auslandschinesen auch Züge von Transnationalismus auf, der sich durch vielschichtige geographische Zugehörigkeitsgefühle der Migranten auszeichnet.
Im Gegensatz zur ersten Generation, die aus Arbeitern und Händlern bestand, besteht bei „Neuen Migranten“ eine nähere Anbindung zum Heimatland. Viele von ihnen sind noch im Besitz ihrer chinesischen Pässe und verfolgen die Entwicklung Chinas mit großem Interesse. Durch ihren höheren Bildungsgrad fällt ihnen Integration leichter und sie gelangen schneller in die Mittelschicht als frühere Migranten. Illegale Migranten und Personen mit niedrigerem Bildungsstand schneiden bei der Integration in die Gesellschaft verhältnismäßig schlechter ab. Die einzige grundlegende Gemeinsamkeit von Neuen Migranten ist demnach die Tatsache, dass sie alle in China geboren und aufgewachsen sind und ihre Muttersprache Chinesisch ist, was die Voraussetzung für die Schaffung einer eigenen Community bildet.
Zu den großen Migrantengruppen aus der Provinz Zhejiang, die rund 70-80% der chinesischen Migranten im Ausland ausmachen, sind in den letzten Jahren vermehrt illegale Einwanderer aus den verarmten Provinzen Fujian und Dongbei hinzugekommen, als auch aus den Größstädten Peking und Shanghai.
Zwischen 2002 und 2006 erlebte Österreich eine Zuwanderungswelle chinesischer Studenten aufgrund der neuen deutschen Gesetzesregelungen für Studentenvisa, die die Einreise nach Deutschland erschwerten. Es kam mit der Zeit zur Bildung einer jungen Community von Studenten in Österreich. Diese Jugendlichen führen einen ähnlichen Lebensstil wie in China, insbesondere in ihrer Freizeitgestaltung richten sie sich an den in China üblichen Vorlieben aus, wie z.B. Karaoke-Singen. Diesen Studenten fällt die Integration dementsprechend schwer, da sie sich aufgrund ihrer späten Migration nur schwer an den westlichen Lebensstil gewöhnen können. Ihre Deutschkenntnisse sind gut, aber nicht flüssig und ihre Gewohnheiten stark vom bisherigen Leben in China beeinflusst.
Der 26jährige Musikstudent Mingfei Cao, der seit 2002 in Österreich lebt, drückt im Gespräch seine Bedenken aus: „Ich möchte gerne in Wien bleiben, aber die Wahrscheinlichkeit ist relativ gering, weil es schwierig ist, eine Arbeitsgenehmigung zu erhalten. Wenn es mir nicht gelingt, eine Arbeit zu finden, werde ich nach China zurückgehen. Außerdem habe ich hauptsächlich chinesische Freunde hier. Ich kann zwar mit Österreichern kommunizieren, aber ich kann nicht mit ihnen über meine Sorgen oder Probleme sprechen. Ich finde, im Moment bin ich nicht vollwertig in die Gesellschaft integriert, weiß allerdings auch nicht, ob ich das in Zukunft sein werde.“
Die Mentalität der Chinesen, unaufdringlich und höflich zu sein, bestimmt im Wesentlichen ihr Image in Österreich. Gan Wang, Chefredakteur und Verleger von Europe Weekly, meint dazu: „Die Chinesen sind ein sehr fleißiges Volk. Sie arbeiten gerne und leben eher unter sich. Ihr politisches Interesse ist nicht sehr groß. Das hat zur Folge, dass viele eingebürgerte Chinesen kaum oder nicht zur Wahlbeteiligung in Österreich beitragen. Ich würde sagen, dass die Chinesen sich in erster Linie um ihre Familie und Karriere sorgen und sich generell wenig an sozialen oder politischen Aktivitäten in Österreich oder China beteiligen. Sie sind auf ihr eigenes Leben konzentriert. Erst bei großen Ereignissen, wie z.B. dem verheerenden Erdbeben in Wenchuan letztes Jahr, spürt man den starken Nationalismus der Chinesen. Viele haben beträchtliche Summen an Hilfsorganisationen gespendet.“
Nationalismus ist für Auslandschinesen ein wichtiges Prinzip: Höchste Loyalität zum realen oder auch idealisierten Heimatland wird angestrebt, und in Anbetracht des Globalisierungsprozesses wird auch die Distanz zu China leichter überbrückbar. Die Tatsache, dass Chinesen sich im neuen Heimatland schnell ein soziales Netz einrichten, führt dazu, dass sie sich auch außerhalb der Heimat unter sich fühlen und nicht-chinesische lokale Mitbürger ausschließlich als „Ausländer“ bezeichnen. Der chinesische Nationalismus manifestiert sich daher hauptsächlich im gemeinsamen ideellen Bemühen, das Ansehen ihrer Nation im Ausland zu heben. Diese Faktoren führen selbstverständlich in manchen Fällen zu einer Tendenz der Selbstethnisierung.





