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okay. zusammen leben: Ein Wissens- und Kompetenzort für Migrations- und Integrationsfragen in Vorarlberg

Auch in Vorarlberg hat sich in den letzten Jahren der Paradigmenwechsel von der „Ausländerpolitik“ zur Integrationspolitik vollzogen. Die Gründung von „okay. zusammen leben“ als Wissens- und Kompetenzort für Migrations- und Integrationsfragen im Herbst 2001 war ein erster markanter Ausdruck dieses Wandels: Über die Aktivitäten, aktuellen Programme und Ziele des Vereins.
Eva Grabherr

Auch in Vorarlberg hat sich in den letzten Jahren – wie in anderen Bundesländern und im deutschsprachigen Raum generell – der Paradigmenwechsel von der „Ausländerpolitik“ zur Integrationspolitik vollzogen. Zeugnis von diesem Prozess geben

  • die Herausbildung expliziter Strukturen der Gestaltung und Steuerung von Integrationsaktivitäten auf der Ebene der Kommunen und des Landes (kommunale Integrationsleitbilder, Bildung von Integrationsausschüssen, Einrichtung einer Zuständigkeit auf Landesebene),
  • eine nachhaltige Ausrichtung der AsylwerberInnenbetreuung auf Integrationsfragen (Entwicklung des strategischen Handlungskonzeptes „Von der Betreuung zur Befähigung“),
  • eine zunehmende Aufmerksamkeit von sozialen Institutionen auf MigrantInnen als Zielgruppe ihrer Institutionen,
  • eine verstärkte Vernetzung und Professionalisierung der Integrationsarbeit (Gründung von „okay. zusammen leben“ als Wissens- und Kompetenzort, permanente Weiterbildungsangebote),
  • zunehmende, auf die Integration im Zielland ausgerichtete Aktivitäten der Migrantenorganisationen (Gründung der „Initiativgruppe Islamischer Friedhof“ 2003 und der „Türkischen Plattform“ 2005) sowie
  • eine Zunahme an politischer Partizipation von MigrantInnen (beispielsweise in der Arbeiterkammer und in der Kommunalpolitik).1

Integration als gesellschaftspolitische Querschnittsmaterie

Die Gründung von „okay. zusammen leben“ als Wissensund Kompetenzort für Migrations- und Integrationsfragen im Herbst 2001 war ein erster markanter Ausdruck dieses Wandels in Vorarlberg. Diesen Wandel breit zu initiieren und zu begleiten ist bis heute eine zentrale Aufgabe der Stelle. Das langfristige Ziel ist die Verankerung des Themas in den Regelsystemen der Gesellschaft. In diesem Sinne will „okay. zusammen leben“ Politik und Gesellschaft Vorarlbergs auf allen relevanten Ebenen für die Bedeutung der Themen Migration und Integration sensibilisieren. Ziel ist nicht, die Integrationsagenden und -angebote des Landes im großen Umfang bei dieser Stelle zu konzentrieren. Die Strategie ist vielmehr, Integration als eine gesellschaftspolitische Querschnittsmaterie in den Gestaltungsstrukturen unserer Gesellschaft (Regelsysteme Bildung, Gesundheit, Kultur, Politik, Verwaltung etc.) zu verankern. Die Aufgaben der Stelle liegen daher in erster Linie in der Schaffung der Wissensgrundlagen für Maßnahmen, der Etablierung von Standards, in der Fachberatung und im Promoten des Themas, in der Prozessbegleitung, in der Vernetzung der Akteure, dem Schaffen von Rahmenbedingungen für den Erfahrungsaustausch, der Etablierung von Weiterbildungsangeboten sowie im Monitoring und der Zusammenschau der Aktivitäten, Maßnahmen und Veränderungen. In diesem Sinne versteht sich „okay. zusammen leben“ als Motor und Kurator einer „lernenden Region“, die sich der gesellschaftspolitischen Herausforderung von Migration und Integration gestaltend stellt.2

Aktuelle Programme

Darüber hinaus hat „okay. zusammen leben“ Programme zur Durchführung konkreter Integrationsangebote entwickelt. Der Schwerpunkt dieser Programme ist der Bildungsbereich. Entsprechend der spezifischen Ausgangssituation des Bundeslandes, in dem Migranten und Migrantinnen in zahlreichen Gemeinden leben, sind die Programme gemeindeübergreifend ausgerichtet. So entwickelte „okay. zusammen leben“ ein Programm, das die Durchführung von niedrigschwelligen Sprachkursen (v. a. für Frauen) in zahlreichen Vorarlberger Gemeinden initiiert hat und unterstützt. Damit wurden Sprachkursangebote weit über die in nur wenigen Städten und großen Gemeinden angebotenen Kurse der Erwachsenenbildungsinstitutionen hinaus geschaffen. In einer nächsten Ausbaustufe sollen an diese Sprachkurse niedrigschwellige Orientierungsangebote für Frauen mit Migrationshintergrund angeschlossen werden. So entsteht in Vorarlberg ein gemeindeübergreifendes Netz an niedrigschwelligen Sozialräumen mit wichtigen Integrationsangeboten für Frauen mit Migrationshintergrund. Die erste Funktion dieser Sozialräume sind Integrationsangebote wie Sprachkurse, Orientierung und Beratung. Darüber hinaus werden auf diesem Weg aber auch die Kommunen sensibilisiert, ihre Angebote und Dienste für die Zielgruppe „Migran tInnen“ zu öffnen. Und es bilden sich Begegnungsräume für Einheimische und MigrantInnen, wenn beispielsweise Sprachencafés in diesen Sozialräumen etabliert werden.

Ein zweites gemeindeübergreifendes Projekt ist ein Lernhilfeprojekt für Kinder nichtdeutscher Muttersprache in Vorarlberger Volksschulen. Seit 2004 führt das Institut INKA, das aus einer Migrantenselbsthilfeorganisation hervorgegangen ist, dieses Programm in zahlreichen Volksschulen in mehreren Vorarlberger Gemeinden durch. Hunderte von Kindern wurden bereits gefördert. Die Maßnahme wird jährlich von „okay. zusammen leben“ evaluiert. Die Basis dieser Evaluation bildet u. a. eine Befragung der Eltern der geförderten Kinder, die auch über das Lernhilfeprojekt hinausgehende wichtige Informationen für die Gestaltung von Integration in Vorarlberg liefert.

Aktuell baut „okay. zusammen leben“ gerade einen Pool von „Brückenbauerinnen“ auf, welche die Elternarbeit in Vorarlbergs Kinderbetreuungseinrichtungen, Kindergärten und Volksschulen als Dolmetscherinnen unterstützen sollen. „Brückenbauerinnen“ sind Frauen mit Migrationshintergrund, die in Vorarlberg aufgewachsen und sozialisiert sind. Sie beherrschen die deutsche Sprache und eine für Vorarlberg relevante Migrantensprache. „okay. zusammen leben“ bietet den „Brückenbauerinnen“ einen Rahmen für Intervision und Weiterbildung und organisiert die Nachfrage aus den Bildungsinstitutionen.

Einen wichtigen Arbeitsschwerpunkt 2007 bildet die Auswertung der Vorarlberger Daten aus dem europaweiten Forschungsprojekt zum Stand der Integration der Zweiten Generation in Europa (TIES). In Österreich liegt die wissenschaftliche Leitung dieses Projekts bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Es werden Daten zu den Großstädten Linz und Wien sowie zur ländlichen Region Vorarlberg erhoben. Die Vorarlberger Daten werden von „okay. zusammen leben“ ausgewertet und in entsprechend konzipierten Vermittlungsveranstaltungen an EntscheidungsträgerInnen und Öffentlichkeit im Land weitervermittelt.

1 Siehe dazu: Eva Grabherr/okay. zusammen leben: Integrationsarbeit in Vorarlberg. Strukturen, Angebote und die Langschaft der Akteure, Jänner 2006. (Download unter http://www.okay-line.at - Modul "Aktuelles")

2 Eine ausführliche Dokumentation aller Programme, Projekte und bisheriger Produkte von "okay. zusammen leben" findet sich auf http://www.okay-line.at - Modul "Projektträger".

Dr. Eva Grabherr ist Geschäftsführerin des
okay.zusammenleben.

Kontakt:
okay.zusammen leben
Projektstelle für Zuwanderung und Integration
Rechtsträger:
Verein Aktion Mitarbeit
Färbergasse 15/402
A-6850 Dornbirn
Tel. +43(0)5572/39 81 02
Fax. +43(0)5572/39 81 02-4
office(at)okay-line.at