Selbstständigkeit integriert
Dass in Krisenzeiten Unternehmensneugründungen in Österreich nach wie vor boomen, ist ein gutes Zeichen für die Wirtschaft. Dass mit dem österreichischen Gründerboom auch Gründungen im migrantischen Bereich stark wachsen, ist ein gutes Zeichen für die Gesellschaft.
VON ALEXANDER JANDA
Die Statistik zeigt zudem klar, dass die Gründerquoten von Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich nicht geringer sind. Der Trend zur Selbstständigkeit hat in jeder Hinsicht Zukunft. Diese Chancen sind für die Integration zu nützen. Denn der Integrationsimpuls von Unternehmer/innen mit Migrationshintergrund ist besonders hoch – und besonders wichtig. Wer ein Unternehmen gründet, zeigt damit den Willen zu Veränderungs- und Gestaltungsbereitschaft. Zu Eigenverantwortung und zu Unabhängigkeit.
Unternehmer/innen als role-models
Erfolgreiche migrantische Unternehmer/innen sind deshalb nicht nur eine Bereicherung für Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Österreich. Sie können eine wichtige Rolle als role models erfüllen. Um diese Chancen nützen zu können, ist es wichtig, sich von Vorurteilen gegenüber der (migrantischen) Selbstständigkeit zu verabschieden. Etwa vom Vorurteil, dass sich Menschen nur selbstständig machen, weil sie keine feste Anstellung bekommen. Oder vom Vorurteil, dass selbstständige Migrant/innen ohnehin nur in „niederen“ Dienstleistungsbereichen tätig seien.
"Lieber Chef sein als Chef haben"
Diese Vorurteile sind falsch: Denn die Branchenanalyse zeigt, dass das migrantische Unternehmertum überall repräsentiert ist und nicht bloß in Form des Döner-Standbetreibers auftritt – wo es uns freilich im Alltag aufgrund der starken Präsenz türkischer Zuwanderer vergleichsweise oft begegnet. Die Analyse zeigt aber auch, dass – genauso wie bei allen anderen Unternehmer/innen – migrantische Unternehmer/innen die Selbstständigkeit als attraktive Form der Selbstverwirklichung sehen. „Lieber Chef sein als Chef haben“ nennen in einer Studie im Auftrag des Gründer-Service 53,6 % der Gründer/innen in Österreich als ihr Hauptmotiv für die Selbstständigkeit. Warum sollte man dieses Motiv nicht genauso migrantischen Gründer/innen zugestehen? Die Perspektive ist daher klar: Wirksame Integrationspolitik sieht die migrantische Selbstständigkeit nicht als Problem, sondern als substanziellen Beitrag für erfolgreiche Integration. Daher muss die Selbstständigkeit von Menschen mit Migrationshintergrund besonders gefördert werden. Davon profitieren nicht nur die migrantischen Unternehmer/innen, davon profitieren Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes.

