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Die 2. Generation: Problem oder Lösung?

Mangelnde Deutschkenntnisse und kein sozialer Aufstieg: Ist es um die migrantische Jugend wirklich so schlecht bestellt? Das Thema dieser Ausgabe im Überblick.

VON CHRISTINE VESELY UND VALENTIN SCHWARZ

 

 

Junge Menschen mit Migrationshintergrund: Im demografisch alternden Österreich sind sie eine wichtige Zukunftsressource. Ohne junge Leute geht nichts. Deshalb kann sich Österreich über viele junge Menschen mit Migrationshintergrund nur freuen – soweit die Theorie. In der Praxis werden junge Menschen mit Migrationshintergrund vielfach anders wahrgenommen: nicht als Lösung, sondern als Problem. Mangelnde Deutschkenntnisse auch bei der zweiten Generation, der Rückfall in überholte kulturelle Vorstellungen – etwa hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Mann und Frau – geringe Qualifikationen, scheiternder sozialer Aufstieg: Die öffentlich diskutierte „Mängelliste“ migrantischer Jugendlicher ist lang. Was behindert erfolgreiche Integration junger Menschen? Und was kann man dagegen tun? Auf der Suche nach Antworten konsultierte Integration im Fokus nicht nur Wissenschafter und Experten, sondern tauchte auch in die Lebenswelten migrantischer Jugendlicher ein.

Zu wenige Erfolgsgeschichten

Die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten zeigen, wo die objektiven Probleme liegen: Zuwandererkinder schneiden etwa in der Schule deutlich schlechter ab, auch danach gelingt ihnen im Vergleich mit ihren Eltern zu selten ein sozialer Aufstieg. Woran das liegt, damit setzen sich Wissenschafter/innen auseinander. Die Jugendforscher Philipp Ikrath und Antonia Baumgarten erläutern Befunde zu den Lebenswelten der 2. Generation. Die Soziologin Hilde Weiss und der Politikwissenschafter Werner Pleschberger liefern in der Kontroverse unterschiedliche Erklärungsmodelle. Pleschberger sieht etwa die mangelnde Elternverantwortung als Problem und nennt „kluge Anpassung“ als erste Bedingung für den sozialen Aufstieg, Weiss betont gesellschaftliche Faktoren wie Diskriminierung und Dequalifizierung.

Einem öffentlich besonders intensiv diskutierten Phänomen widmet sich der deutsche Kriminologe Dirk Baier. Er zeigt in seinem Beitrag: Jugendliche mit Migrationshintergrund sind tatsächlich häufiger Gewalttäter. Das ist allerdings kein Naturgesetz. Wie es tatsächlich „auf der Straße“ zugeht, zeigt der Käfig-Report von Integration im Fokus. Wir geben Einblick in den Alltag der „Park-Jugend“, ihre Ambitionen, Wünsche und Konflikte. Anschließend überprüfen wir verbreitete Klischees über die „Jugend von heute“ auf ihre wissenschaftliche Grundlage: Wählen Österreichs Jugendliche tatsächlich alle rechts? Bestimmen die Eltern von türkischen Jugendlichen, wen diese heiraten?

Bildung ist das Rezept

Was die Probleme und Hürden für die Integration Jugendlicher am Arbeitsmarkt sind, erläutern Gerda Challupner, Leiterin des AMS Jugendliche und der Diversity-Beauftragte Ali Ordubadi im Interview. Zwei Drittel aller arbeitslosen Jugendlichen in Wien haben Migrationshintergrund. Trotzdem haben junge Migrant/innen am Arbeitsmarkt auch Wettbewerbsvorteile.

Dass der Arbeitsmarkterfolg vom Bildungserfolg abhängig ist, stellt Bildungswissenschafter Günther Dichatschek klar. Tatsache ist, dass sich Jugendliche mit Migrationshintergrund seltener für einen höheren Bildungsweg entscheiden. Den Zusammenhang zwischen Bildungssystem und Integrationsdefiziten stellt auch Forscher Rainer Münz in seiner Kolumne her. Sein Befund: Die geringe Qualifikation vieler Zuwanderer und ihrer Kinder ist nicht deren „Schuld“, sondern hat mit der gezielten Anwerbung manueller Arbeitskräfte während der 1960er und 1970er Jahre zu tun.

Im Integration im Fokus-Interview berichtet Jugendstaatssekretärin Christine Marek über Maßnahmen der Bundesregierung, betont aber auch Integrationserfolgsfaktoren für die Zukunft: früher Spracherwerb, die Förderung von Aus- und Weiterbildung, Beschäftigungs- und Ausbildungsgarantien und das Aufzeigen von „role models“. Ohne Unterstützung der Eltern ist aber Vieles deutlich schwerer, bilanziert sie. Als Best Practice-Beispiel im Bereich Bildung und Ausbildung präsentiert sich das Jüdische Berufliche Bildungszentrum (JBBZ). Leiter Ilan Knapp erklärt, wie viel kulturelle Geborgenheit und Strenge für erfolgreiche Integration nötig sind. Ein Gesamtkonzept für die Lehrerausbildung in Bezug auf Integration fordert Werner Wintersteiner, stv. Leiter des Österreichischen Kompetenzzentrums für Deutschdidaktik. Simone Breit, stv. Leiterin des BIFIE Salzburg, präsentiert Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden von Angehörigen der 2. Generation beim PISA-Vergleich.

Idole im Vergleich

Abschließend führt Integration im Fokus wieder zurück in die Lebenswirklichkeit von Jugendlichen: In einer Straßenumfrage erzählen Jugendliche, welche Idole sie haben – und inwiefern sie diesen nacheifern. Auch die enormen Integrationschancen des Sport für Jugendliche werden beleuchtet: Integration im Fokus stellt die fünf Siegerprojekte des Integrationspreises für Sport vor. Worauf es ankommt, damit Jugendliche besser in Bildungssystem, Arbeitsmarkt und Gesellschaft integriert werden, bilanziert schließlich ÖIF-Geschäftsführer Alexander Janda.

Verursacht die 2. Generation gesellschaftliche Probleme...

...oder ist sie deren Lösung?