Positionen des Geschäftsführers
29.08.17

Integration als Herausforderung

Interview mit ÖIF-Geschäftsführer Franz Wolf am 25. August 2017 in "Der Sonntag.

Welche Lehren werden aus den Studienergebnissen gezogen? Dazu Franz Wolf vom Österreichischen Integrationsfonds im Interview mit dem SONNTAG.

Herr Wolf, sind die Studienergebnisse für Sie überraschend?

Was mich nicht überrascht, ist, dass die Zahl der Muslime weiter ansteigen wird.Sehr wohl überrascht bin ich aber von der Tatsache, dass die Zahl der Katholiken derart rückläufig ist, dass in 30 Jahren in Wien mehr Muslime als Katholiken leben könnten. Uns war es wichtig, die Zahl der anderen Religionen zu erfassen, aber in erster Linie ging es darum, die tatsächliche Anzahl der Muslime zu ergründen, da diese integrationsrelevant ist.

Welche Lehren ziehen Sie aus den Ergebnissen?

Menschen, die nach Österreich kommen,sind oft von anderen Wertesystemen geprägt.Das hängt auch mit der Religion,aber vor allem mit den damit verbundenen Wertehaltungen zusammen. Der Fokus des Integrationsfonds liegt nicht im religiösen Bereich, sondern es geht uns darum,Menschen zu vermitteln, welche Regeln für das Zusammenleben in Österreich einzuhalten sind.

Durch welche Maßnahmen?

Eine wichtige Maßnahme hierbei ist der verpflichtende Wertekurs für Flüchtlinge.Und wenn jemand seine eigenen Integrationsanstrengungen hintenanstellt, zum Beispiel nicht regelmäßig in Deutschkurse geht oder die vielen anderen staatlichen Angebote nicht annimmt, ist es klar, dass finanzielle Förderungen gekürzt werden sollen - das Integrationsgesetz hat hier eine wichtige Rechtsgrundlage geschaffen.

Oft heißt es ja, dass manche Flüchtlinge unser System ausnutzen. Stimmt das?

Eine nicht erwerbstätige sechsköpfige Familie,zwei Erwachsene und vier Kinder,erhält mit Mindestsicherung und Familienbeihilfe derzeit ca. 3.000 Euro, sowie noch weitere Angebote und Ermäßigungen.Da ist es äußerst schwierig zu vermitteln,dass Menschen arbeiten gehen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und auch um einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Hinzukommt,dass es für manche Flüchtlingsfamilien aus kulturellen Gründen schwer denkbar scheint, dass auch Frauen arbeiten gehen.Besonders Wien ist hier entscheidend. Wir wissen, dass zwei Drittel der Flüchtlinge,die Mindestsicherung beziehen, in der Hauptstadt leben und dass die Kosten explodieren.

Haben Sie in Ihren Studien einen grundlegenden Unterschied zwischen muslimischen und christlichen Wertvorstellungen festgestellt?

Es scheint einen Unterschied zu geben,was das Verhältnis zwischen selbst definierter Gläubigkeit und dem Zuspruch zu religiöser Gewalt betrifft. Bei den befragten Muslimen hat sich gezeigt: Je gläubiger sich jemand selbst definiert und je niedriger seine Bildung ist, desto eher wird religiös motivierte Gewalt befürwortet. Bei Christen scheint es so zu sein, dass sie gerade dann offen und barmherzig im Umgang mit anderen Religionen und Kulturen sind, wenn sie besonders gläubig sind.

Welche Herausforderungen werden in den kommenden Jahren auf uns zukommen?

In Afrika wird die Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten stark ansteigen und folglich wird der Migrationsdruck aus Afrika zunehmen. Das ist eine Tatsache, der wir uns stellen müssen. Deshalb ist klar:Es müssen ganz nachhaltige Maßnahmen gesetzt werden. Und zwar integrationspolitisch und auch entwicklungspolitisch.Ansetzen müssen wir in erster Linie bei der Integration von jungen Menschen, denn diese sind die Zukunft und werden in den kommenden Jahrzehnten unsere Gesellschaft prägen.

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