Mittwoch, 06. September 2017 17:01

ÖIF-Diskussion zur Integration von weiblichen Flüchtlingen

Europäisches Forum Alpbach: Seyran Ateş, Saida Keller-Messahli und Karin Kneissl diskutierten über Herausforderungen bei der Integration von weiblichen Flüchtlingen.

 

Bereits zum fünften Mal nahm der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) heuer am Europäischen Forum Alpbach teil. Im Rahmen einer Breakout-Session zum Thema „Neue Freiheiten, alte Zwänge? Herausforderungen bei der Integration von weiblichen Flüchtlingen in Österreich“ diskutierten die zahlreichen Teilnehmer/innen mit Nahost-Expertin Karin Kneissl, Seyran Ateş, Gründerin einer vielbeachteten liberalen Moschee in Deutschland und Sprecherin der europäischen Bürgerinitiative „Stop Extremism“ , Saida Keller-Messahli, Präsidentin des Forum für einen fortschrittlichen Islam und Trägerin des Schweizer Menschenrechtspreis, sowie Farnaz Beikzadeh-Abbasi, die ÖIF-Werte- und Orientierungskurse hält.

Gleichberechtigung als Basis des Zusammenlebens vermitteln

Seyran Ateş, Imamin und Rechtsanwältin, betont: „Gleichberechtigung und Freiheit von Mann und Frau - auf diesen Werten basiert unser Zusammenleben in Europa. Weibliche Flüchtlinge und Zuwanderinnen werden jedoch oft durch patriarchale innere Haltungen und Einstellungen ihres Umfelds zurückgehalten. Das ist ein Problem und das müssen wir ernstnehmen – ganz klar. Wir müssen Männern und Frauen vermitteln, dass Integration in Europa nur gelingen kann, wenn alle diese Grundsätze respektieren.“

 Saida Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, fügt ebenfalls hinzu: „Man muss den Flüchtlingen und Zuwander/innen klarmachen, dass Rollenbilder, die auf patriarchalischen  Regeln beruhen, nicht nach Europa passen. Frauen und Männer müssen gleichermaßen verstehen, dass der Stellenwert der Frauen und Töchter hier ein anderer ist. Natürlich müssen Frauen selbst Chancen wahrnehmen und mutig sein. Österreich schafft durch die verpflichtenden Deutsch- und Wertekurse eine wichtige Grundlage dafür, dass Frauen an der Gesellschaft  Anschluss finden und ihren Horizont erweitern können.“

Grundlegend andere Erwartungen an Frauen in Europa 

 Nahost-Expertin Karin Kneissl betont, dass viele weibliche Flüchtlinge falsche Vorstellungen von dem Leben in Europa haben: „Zugewanderte Frauen aus Ländern wie Libyen, Syrien oder dem Irak sind es gewöhnt im öffentlichen Raum nicht sichtbar zu sein. Das bedeutet, dass ihre Rolle oftmals ausschließlich auf den Haushalt beschränkt ist. Dadurch werden sie in eine passive Rolle gedrängt. In Europa erwarten wir dann plötzlich von ihnen, die Sprache zu lernen, berufstätig zu sein und gleichzeitig auch Haushalt und Kinderbetreuung zu vereinen. Viele überfordert das schlichtweg.“

 Farnaz Beikzadeh-Abbasi, Dolmetscherin in den Werte- und Orientierungskursen des ÖIF: „Natürlich braucht es Integrationsangebote seitens der Aufnahmegesellschaft, aber diese müssen von Zuwander/innen eigenverantwortlich angenommen werden. Dazu braucht es vor allem auch die Eigeninitiative der Frauen. Sie müssen sich aktiv informieren und ihre Chancen auch ergreifen. Dazu muss man vor allem rasch die Sprache lernen: Nur wer eine Stimme hat, kann in der österreichischen Gesellschaft Anschluss finden Das ist eine zentrale Botschaft in unseren Werte- und Orientierungskursen.“

 

 

 

Der ÖIF beim Europäischen Forum Alpbach 2017

Gemeinsam diskutierten die Expertinnen die aktuellen Herausforderungen bei der Integration von Frauen in Österreich. Foto: Emanuel Kaser