08.09.2020, 13:48 Uhr

10 Jahre Statistisches Jahrbuch: Zahlen, Daten und Fakten zu Integration

Präsentation des Statistischen Jahrbuchs: Ein Viertel der österreichischen Bevölkerung hat Migrationshintergrund

Statistisches Jahrbuch

Im Jahr 2019 hatten rund 2,07 Millionen Menschen in Österreich einen Migrationshintergrund. Das entspricht einem Anteil von knapp einem Viertel (23,7%) der Gesamtbevölkerung und das sind um rund 611.000 Personen bzw. 42% mehr als vor zehn Jahren: 2009 lebten rund 1,459 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich, was damals einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von 17,7% entsprach. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist in den vergangenen zehn Jahren somit um sechs Prozentpunkte gestiegen. Rund 40% der Migrant/innen in Österreich stammten 2019 aus einem EU- bzw. EFTA-Staat. Mit Stichtag 01.01.2020 machen die größte Gruppe der in Österreich lebenden ausländischen Staatsangehörigen weiterhin Deutsche aus. Auf dem zweiten Platz sind zum erst Mal Personen aus Rumänien gefolgt von Personen aus Serbien und der Türkei. Darauf folgen Personen aus Bosnien und Herzegowina, Ungarn, Kroatien, Polen, Syrien und Afghanistan. Mehr als 60% der im Ausland geborenen Personen leben in Österreich in Städten ab 20.000 Einwohner/innen.

Das geht aus dem Integrationsbericht 2020 hervor, der am 8. September von Integrationsministerin Susanne Raab, der Vorsitzenden des Unabhängigen Expertenrats für Integration Katharina Pabel und dem Generaldirektor der Statistik Austria, Tobias Thomas, vorgestellt wurde. Der Integrationsbericht liefert einen Überblick über wesentliche Zahlen, Entwicklungen und Schwerpunkte zur Integration von Flüchtlingen und Zugewanderten in Österreich und wird seit dem Jahr 2011 vom Expertenrat für Integration veröffentlicht. Auch heuer wird er durch das Statistische Jahrbuch „Migration & Integration“ der Statistik Austria und des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) ergänzt. Die aktuelle Ausgabe des Statistischen Jahrbuchs bereitet zentrale Eckdaten und Zahlenmaterial zu Zuwanderung, Sprache und Bildung von Migrant/innen, Arbeitsmarkt sowie Einschätzungen zum Integrationsklima in Österreich auf.

Anstieg der Erwerbstätigenquote besonders bei Personen aus Afghanistan, Syrien und Irak
Im Jahr 2019 wurde gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung der Beschäftigung und eine Verringerung der Arbeitslosigkeit bei der Stammbevölkerung ebenso wie bei Zugewanderten verzeichnet. Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund stieg auf 76% (2018: 75%) und der gleichaltrigen Bevölkerung mit Migrationshintergrund auf 67% (2018: 66%). Besonders stark (+5,7 Prozentpunkte) erhöhte sich die Erwerbstätigenquote bei Personen aus Afghanistan, Syrien, Irak.

Bei Personen mit und ohne Migrationshintergrund zeigte sich in den Jahren 2009 bis 2019 gleichermaßen ein Anstieg des Bildungsniveaus. Der Anteil der Erwerbstätigen mit Matura oder einem Hochschulabschluss nahm in fast allen Ländergruppen zu, insbesondere bei Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien (außerhalb der EU) und der Türkei. Der Anteil an Erwerbstätigen mit maximal einem Lehrabschluss verringerte sich dagegen in fast allen Ländergruppen.

Ausländische Staatsangehörige stärker von Arbeitslosigkeit betroffen
2019 war die Gesamtarbeitslosenquote mit 7,4% geringer als im Vorjahr. Der Anteil an arbeitslosen Ausländer/innen war mit 10,8% deutlich höher als bei österreichischen Staatsangehörigen (6,4%). Während österreichische Männer (6,8%) stärker von Arbeitslosigkeit betroffen waren als österreichische Frauen (6,0%) war es bei ausländischen Staatsangehörigen genau umgekehrt: Frauen wiesen eine höhere Arbeitslosenquote auf (11,8%, Männer 10,0%).

Besonders hoch war die Arbeitslosenquote mit 36,7% bei Personen aus Afghanistan, Syrien und dem Irak. Türkische Staatsangehörige sowie Angehörige sonstiger Staaten waren mit jeweils 16,2% mehr als doppelt so häufig arbeitslos wie Österreicher/-innen, wogegen die Arbeitslosigkeit der Angehörigen der EU-Staaten vor 2004 sowie der EU-Beitrittsstaaten 2004 geringfügig niedriger war als jene der Österreicher/-innen.

Zahl der Asylanträge 2019 auf dem Niveau von 2010
2019 wurden in Österreich mit 12.886 nicht nur weniger Asylanträge gestellt als im Vorjahr (13.746), sondern die Anzahl der Anträge war auf einem ähnlichen Niveau wie zuletzt 2010 (11.012) und 2011 (14.416). 2015 war diese Zahl mit 88.340 besonders hoch. Bei der Anzahl der 2019 in den Mitgliedsstaaten der EU gestellten Asylanträge rangierte Österreich an elfter Stelle. Insgesamt wurden 2019 in der EU 743.205 Asylanträge gestellt, um etwa 12% mehr als im Jahr zuvor (2018: 664.405 Anträge). Mit 12.886 Anträgen entfielen davon knapp 2% auf Österreich.

Im Jahr 2019 stammten die meisten in Österreich Asylsuchenden aus Afghanistan (2.979), gefolgt von Syrien (2.708) und Somalia (740), dahinter folgten Irak (729), Iran (727) und die Russische Föderation (723).

Großteil der Zugewanderten fühlt sich heimisch
Auch in diesem Jahr bildet das Statistische Jahrbuch subjektive Einschätzungen von Personen mit Geburtsort in Österreich und Zugewanderten zum Integrationsklima ab. Im Jahr 2020 wurde erstmals eine Differenzierung der Befragung von Zugewanderten mit einer kürzeren (seit 2010 in Österreich und Wurzeln in Syrien, Afghanistan, Irak oder Tschetschenien) und einer längeren (über 15 Jahre alt und Migrationshintergrund im ehemaligen Jugoslawien oder Türkei) Zuwanderungsgeschichte vorgenommen. In Bezug auf das Zugehörigkeitsgefühl gaben 95,7% der Befragten mit längerer Integrationsgeschichte an, sich hier völlig oder eher heimisch zu fühlen. Bei Zugewanderten mit jüngerer Migrationsgeschichte waren es 71,2%. Differenziert man hier wiederum in die Dauer des Aufenthalts zeigt sich: Das Gefühl der Zugehörigkeit steigt deutlich mit der Dauer des Aufenthalts in Österreich. Während 96,6% der Befragten, die schon mehr als 20 Jahre in Österreich leben, sich hier völlig oder eher heimisch fühlten, war dies nur bei 59,2% der Zugewanderten der Fall, die weniger als fünf Jahre in Österreich leben.

ÖIF-Publikationen zum Herunterladen
Weitere Zahlen, Daten und Fakten zu Migration und Integration in Österreich finden Sie im Statistischen Jahrbuch sowie in den Publikationen des ÖIF unter: www.integrationsfonds.at/publikationen