Integrationsbericht 2019 – Österreich ist im Integrationsbereich auf einem guten Weg

Expertenrat präsentierte Integrationsbericht und Statistisches Jahrbuch: Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich seit 2013 um ein Viertel gestiegen.

Bei der Präsentation des Integrationsberichts 2019: Expertenratsmitglied Emina Saric, Vorsitzende des Expertenrats Katharina Pabel, Außen- und Integrationsminister Alexander Schallenberg, Expertenratsmitglied Gudrun Biffl und Stephan Marik-Lebeck (Statistik Austria). (C) BMEIA/Eugenie Berger

Im Jahr 2018 hatten rund 2,022 Millionen Menschen in Österreich einen Migrationshintergrund. Das waren um rund 400.000 bzw. 25 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor: Seit 2013 ist der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund von 19,4 Prozent auf 23,3 Prozent gestiegen. Rund 40 Prozent der Migrant/innen in Österreich stammten aus einem EU- bzw. EFTA-Staat. Die größte Gruppe der in Österreich lebenden ausländischen Staatsangehörigen machen weiterhin Deutsche aus, gefolgt von Serb/innen, Türk/innen und Rumän/innen. Danach folgen Personen aus Bosnien und Herzegowina, Ungarn, Kroatien, Polen, Syrien und Afghanistan. Mehr als 60 Prozent der im Ausland geborenen Personen leben in Städten ab 20.000 Einwohner/innen. Besonders hoch ist dieser Anteil in der Bundeshauptstadt: Vier von zehn im Ausland Geborenen wohnen in Wien.

Das geht aus dem Integrationsbericht 2019 hervor, der am 4. September von Außen- und Integrationsminister Alexander Schallenberg, der Vorsitzenden des Unabhängigen Expertenrats für Integration Katharina Pabel und der Statistik Austria präsentierte wurde. Der Integrationsbericht 2019 liefert einen Überblick über wesentliche Zahlen, Entwicklungen und Schwerpunkte zur Integration von Flüchtlingen und Zuwander/innen in Österreich und wird seit dem Jahr 2011 vom Expertenrat für Integration veröffentlicht. Auch heuer wird er durch das Statistische Jahrbuch „migration & integration“ des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) ergänzt. Diese zehnte Ausgabe des Statistischen Jahrbuchs bereitet wichtige Eckdaten und Zahlenmaterial zu Zuwanderung, Sprache und Bildung von Migrant/innen, Arbeitsmarkt sowie Einschätzungen zum Integrationsklima in Österreich auf.

Statistisches Jahrbuch: Dreimal so viele Erwerbstätige aus Afghanistan, Syrien und Irak seit 2014

Rund ein Viertel bzw. etwas mehr als eine Million Erwerbstätige in Österreich hatten vergangenes Jahr einen Migrationshintergrund: 20 Prozent sind selbst im Ausland geboren, weitere drei Prozent sind in Österreich geborene Nachkommen von Eltern mit Geburtsort im Ausland. Die größte Gruppe unter den erwerbstätigen Migrant/innen sind Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien (6,5% bzw. 281.700), gefolgt von Zuwander/innen aus den EU-Beitrittsstaaten ab 2004 (3,5% bzw. 149.200) sowie Personen aus den EU-Staaten vor 2004 bzw. EFTA-Staaten (3,4% bzw. 147.000). Der Anteil der Beschäftigten mit türkischem Migrationshintergrund betrug 2,9 Prozent (127.200). 2018 stammten zudem etwa 26.000 Erwerbstätige aus Afghanistan, Syrien und dem Irak. Ihr Anteil hat sich von 2014 bis 2018 verdreifacht.

Zwar ist die Erwerbstätigenquote unter Personen mit Migrationshintergrund in den letzten zehn Jahren um 3,6 Prozentpunkte auf 66 Prozent gestiegen, dennoch liegt sie immer noch deutlich unter jener von Inländer/innen (75 Prozent). Während Personen aus den vor 2004 beigetretenen EU-Mitgliedstaaten ebenso wie jene aus den Beitrittsstaaten 2004 mit 77 bzw. 73 Prozent eine ähnlich hohe Erwerbstätigenquote aufwiesen wie Österreicher/innen, waren Zugewanderte aus den 2007 beigetretenen EU-Mitgliedern zu 69 Prozent, Türk/innen gar nur zu 60 Prozent erwerbstätig. Weiterhin eine sehr geringe Erwerbsbeteiligung weisen Personen aus Afghanistan, Syrien und dem Irak auf: Bei ihnen lag die Erwerbstätigenquote bei nur 36 Prozent.

Arbeitslosenquote bei Ausländer/innen deutlich höher als bei Inländer/innen

Im Vergleich zum Vorjahr waren im Jahr 2018 in Österreich weniger Personen arbeitslos: Die Arbeitslosenquote nahm um 0,8 Prozentpunkte ab und lag bei 7,7 Prozent. Allerdings war sie bei ausländischen Staatsangehörigen mit 11,3 Prozent (-1,2%) auch weiterhin deutlich höher als bei Österreicher/innen (6,7%). Mit rund 41 Prozent waren insbesondere Afghan/innen, Syrer/innen und Iraker/innen arbeitslos, auch Türk/innen waren mit 16,8 Prozent mehr als doppelt so häufig ohne Beschäftigung wie Inländer/innen. Die Arbeitslosigkeit der Angehörigen der EU-Staaten vor 2004 sowie der EU-Beitrittsstaaten ab 2004 hingegen war mit 6,3 bzw. 6,4 Prozent nur geringfügig niedriger als jene der Österreicher/-innen.

Ausländerinnen bekommen mehr Kinder als Österreicherinnen

Im Jahr 2018 kamen in Österreich etwas mehr als 85.500 Kinder zur Welt. Im Durchschnitt bekamen Frauen in Österreich 2018 rund 1,48 Kinder, was ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr bedeutete (2017: 1,52). Ein deutlicher Unterschied zeigt sich zwischen Inländerinnen und Ausländerinnen: Während einheimische Frauen im Schnitt 1,37 Kinder zur Welt brachten, waren es bei im Ausland Geborenen 1,83 Kinder. Besonders hoch ist die Geburtenrate weiterhin unter Afghaninnen, Syrerinnen und Irakerinnen mit 3,48 Kindern.

Mehrheit der Zuwander/innen mit österreichischem Lebensstil einverstanden

Auch in diesem Jahr bildet das „Statistische Jahrbuch“ subjektive Einschätzungen von in Österreich Geborenen und Zuwander/innen aus dem ehemaligen Jugoslawien sowie der Türkei zum Integrationsklima ab. Befragt, wie sie zum österreichischen Lebensstil stehen, gaben fast 85 Prozent an, sehr bzw. im Großen und Ganzen mit der Art und Weise, wie die meisten Menschen in Österreich ihr Leben führen, einverstanden zu sein. 15 Prozent lehnten die österreichische Lebensweise ab; vor allem Personen mit geringerer formeller Qualifikation sowie in der Altersgruppe der 40- bis 59-Jährigen. Mit 16 Prozent relativ hoch ist die Ablehnung unter Personen mit türkischem Migrationshintergrund.

ÖIF-Integrationsmaßnahmen: Frauenanteil durch Verpflichtung weiterhin steigend

Das Integrationsgesetz (IntG 2017) schreibt für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte die Absolvierung von Integrationsmaßnahmen fest, etwa die Unterzeichnung einer Integrationserklärung im Rahmen einer Beratung in einem ÖIF-Integrationszentrum, die Teilnahme an einem Werte- und Orientierungskurs sowie an Deutschkursmaßnahmen. Von der gesetzlichen Verpflichtung profitieren insbesondere weibliche Flüchtlinge, deren Anteil in den ÖIF-Integrationsmaßnahmen seither kontinuierlich ansteigt: Während Frauen im Jahr 2017 lediglich ein Drittel der Teilnehmer/innen in den ÖIF-Integrationsmaßnahmen ausmachten, waren 2018 bereits rund 45 Prozent aller Teilnehmer/innen in Werte- und Orientierungskursen sowie den Beratungen Frauen. Diese Entwicklung setzt sich auch 2019 fort: Im ersten Halbjahr 2019 waren etwa 47 Prozent der Wertekursteilnehmer/innen Frauen.

Weitere Zahlen, Daten und Fakten zu Migration und Integration in Österreich finden Sie im Statistischen Jahrbuch auf der Website des ÖIF unter: www.integrationsfonds.at/publikationen

Den gesamten Integrationsbericht 2019 gibt es hier zum Download: https://bit.ly/2m02QtF

Weitere Informationen zu den Integrationsmaßnahmen und gesetzlichen Aufträgen des ÖIF finden Sie unter www.integrationsfonds.at