Mittwoch, 29. August 2018 12:26

Kamingespräch zur Integration von muslimischen Frauen

Rechtsanwältin Seyran Ateş sowie Sektionsleiterin Susanne Raab diskutierten am 27. August bei einem Kamingespräch über aktuelle Herausforderungen der Integration von muslimischen Zuwanderinnen und weiblichen Flüchtlingen.

Im Rahmen des Europäischen Forum Alpbach veranstaltete der Österreichische Integrationsfonds neben einer Breakout Session zum Thema Heimatbegriff und Identität mit Integrationsministerin Karin Kneissl, Rechtsanwältin Seyran Ates, Rechtsphilosoph Christian Stadler, Moraltheologie Matthias Beck und Sektionsleiterin Susanne Raab auch ein Kamingespräch: Seyran Ateş und Susanne Raab beleuchteten die aktuellen Herausforderungen bei der Integration von muslimischen Frauen.

Raab: "Frauen können wichtige Integrationsmotoren sein"

Susanne Raab: „Spezielle Herausforderungen von Migrantinnen aus patriarchalen Familienstrukturen bei ihrer Integration, von Gewalt in der Familie, Zwangsheirat bis hin zu Genitalverstümmelung, waren lang Randthemen. Aktuelle Beispiele zeigen uns leider immer wieder, dass diese Phänomene im Zunehmen begriffen sind.“ Raab betonte im Rahmen des Gesprächs, dass die durch das Integrationsgesetz seit Juni 2017 verpflichtenden Integrationsmaßnahmen insbesondere Frauen zugute kommen: „Die Zahl der Frauen in Werte- und Orientierungskursen ist seit der Verpflichtung um mehr als die Hälfte gestiegen. Bei erfolgreicher Integration können Frauen wichtige Integrationsmotoren für ganze Familien sein.“

Ateş: "Schule ist oft einziger Ort der Freiheit für muslimische Mädchen"

Seyran Ateş betonte die Aufgabe der Schule als Ort der Freiheit für muslimische Mädchen: „Um sich entwickeln und Chancen wahrnehmen zu können, müssen Mädchen neue Möglichkeiten für ihr Leben, außerhalb der Traditionen der Familie, kennenlernen. Die Schule ist oft der einzige Ort dafür. Denn Mädchen werden vielfach für ihre spätere Rolle als Hausfrau und Mutter erzogen, jedes andere Lebensmodell ist in der Familie undenkbar. Der Zwang, den von den Eltern ausgesuchten Mann zu heiraten oder das von den Eltern vorgeschriebene Kopftuch zu tragen, wird von diesen Mädchen gar nicht als solcher wahrgenommen. Hier müssen wir aufklären, Information zur Verfügung stellen und Mädchen ihre Möglichkeiten in unseren Gesellschaften begreifbar machen.“

Details zur den Inhalten der ÖIF-Breakout Session mit Integrationsministerin Karin Kneissl und Seyran Ateş finden Sie hier.

ÖIF beim Europäischen Forum Alpbach 2018

Seyran Ateş:„Um sich entwickeln und Chancen wahrnehmen zu können, müssen Mädchen neue Möglichkeiten für ihr Leben, außerhalb der Traditionen der Familie, kennenlernen." © Emanuel Kaser

Susanne Raab: "Bei erfolgreicher Integration können Frauen wichtige Integrationsmotoren für ganze Familien sein." © Emanuel Kaser

V.l.n.r.: Leiterin des Bereichs Kommunikation Franziska Micheler, Sektionsleiterin Susanne Raab, stv. ÖIF-Direktor Roland Goiser, Seyran Ateş, Moderator Köksal Baltaci ("Die Presse"), Teamleiterin Wissensmanagement Lisa Fellhofer © Emanuel Kaser