18.11.2021, 15:00 Uhr

ÖIF-Lesung mit Raimund Fastenbauer zu antisemitischen Motiven und modernem Antizionismus

Früherer Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien im Gespräch mit Kulturjournalist Heinz Sichrovsky über sein neues Buch „Jud, Jahudi oder Zionist - der ausgegrenzte Feind.“

Nationalratspräsident Sobotka: Antisemitismus in jeglicher Form entschlossen entgegentreten © Mila Zytka/superberg.at

Raimund Fastenbauer sprach mit Kulturjournalist Heinz Sichrovsky über sein neues Buch „Jud, Jahudi oder Zionist - der ausgegrenzte Feind.“ © Mila Zytka/superberg.at

Raimund Fastenbauer bei der Lesung über Antisemitismus © Mila Zytka/superberg.at

Am 16. November 2021 las Raimund Fastenbauer, ehemaliger Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, auf Einladung des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) aus seinem neu erschienenen Buch „Jud, Jahudi oder Zionist - der ausgegrenzte Feind. Antisemitische Motive und moderner Antizionismus in Europa und der islamischen Welt“ und sprach im Palais Mollard mit Kulturjournalist Heinz Sichrovsky (News, ORF III) über verschiedene Formen des Antisemitismus und Folgen für die jüdische Gemeinde sowie die Bedeutung des Themas für die Integration von Migrantinnen und Migranten.

Nationalratspräsident Sobotka: Müssen dem negativen kulturellen Phänomen Antisemitismus gemeinsam entschlossen entgegentreten
Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka betonte in seiner Begrüßung, dass „Antisemitismus nicht von den Rändern, sondern aus der Mitte der Gesellschaft“ komme. Die Migrationsbewegungen nach Österreich der letzten Jahre und der in vielen Herkunftsländern vorherrschende Antisemitismus verstärken die Dringlichkeit des Themas. Es sei wichtig, Antisemitismus in jeglicher Form entschlossen entgegenzutreten und dazu beizutragen, einen gesamtgesellschaftlich wirksamen Gegenentwurf zu schaffen, betonte Sobotka.

Neuer Antizionistischer Antisemitismus in Europa
In seiner Neuerscheinung (Juli 2021) thematisiert Fastenbauer unter anderem das Auftreten eines neuen antizionistischen Antisemitismus in Europa. Mit dem Verblassen der Erinnerung an die Shoah, Sekundärantisemitismus und dem Glauben an ein geeintes Europa, das nationalstaatliche Denkweisen überwindet, zeige sich ein zunehmend kritisches Denken gegenüber dem Zionismus. Dieses kommt aus verschiedenen Richtungen: Von rechts durch Rassismus, links über Kapitalismuskritik und Antizionismus und vom politischen Islam durch die Übernahme antijüdischer Polemik aus religiösen Schriften. Raimund Fastenbauer: „Die populistische Rechte ist heute vordergründig gemäßigt geworden. Sie hat die irrige Ansicht, dass sie in uns Verbündete finden kann gegen den Islam. Die Linke sieht nicht, dass es in Kreisen der Zuwanderer problematischen Antisemitismus gibt.“ Die muslimische Community ziehe sich vielfach in die Rolle des Opfers zurück: „Sie versucht, eine falsche Parallele zu konstruieren zwischen Antisemitismus und Antiislamismus und ist nicht bereit, Religionskritik zuzulassen. Die christliche Seite hat diese Religionskritik aushalten müssen.“

Antisemitismus-Seminare für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren
Raimund Fastenbauer war bis 2019 Generalsekretär des Bundesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Österreich und Generalsekretär für jüdische Angelegenheiten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Er war Vorstandsmitglied des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, Präsident des Österreichischen Jüdischen Museums, Eisenstadt und Vorstandsmitglied des Mauthausen Komitees, zudem war er als Lehrbeauftragter am Institut für Islamische Religionspädagogik tätig. Gemeinsam mit dem Österreichischen Integrationsfonds hat er die Seminarreihe „Grundlagenwissen über Antisemitismus und Radikalisierungsprävention“ etabliert, die sich an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im Integrationsbereich wie etwa Lehrerinnen und Lehrer, Deutschtrainerinnen und -trainer, Polizistinnen und Polizisten und Beraterinnen und Berater im Integrationsbereich richtet. Zahlreiche der seither durchgeführten Seminare hat Raimund Fastenbauer persönlich geleitet, weitere Termine für die kommenden Monate sind auf der ÖIF-Homepage unter www.integrationsfonds.at/seminare kostenfrei buchbar. Ergänzend gibt es auch eine Handreichung mit dem Titel „Grundlagenwissen über Antisemitismus im Kontext von Migration und Integration“, die auf www.integrationsfonds.at/publikationen zum Download und zur Bestellung zur Verfügung steht.

 

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