Donnerstag, 30. August 2018 09:04

ÖIF und Israelitische Kultusgemeinde: Neue Seminarreihe gegen Antisemitismus im Integrationsbereich

Kursleitung durch IKG-Generalsekretär Fastenbauer / Besuch durch BMEIA-Generalsekretär Peterlik, israelische Botschafterin Lador-Fresher und Expertenratsmitglied Knapp

Eine neue Seminarreihe des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) in Zusammenarbeit mit der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien schult Lehrer/innen, Deutschtrainer/innen, Mitarbeiter/innen in Beratungsstellen sowie Leiter/innen von Wertekursen, die in ihrer praktischen Arbeit mit antisemitischen Verhaltensweisen konfrontiert sind. Insbesondere Erfahrungen aus den für Flüchtlinge verpflichtenden ÖIF-Werte- und Orientierungskursen zeigen, dass Antisemitismus unter muslimischen Flüchtlingen häufig ein Problem darstellt.

„Neuer Antisemitismus schadet gesellschaftlichem Zusammenhalt“

Raimund Fastenbauer, Generalsekretär des Bundesverbands der Israelitischen Kultusgemeinden in Österreich und Generalsekretär für jüdische Angelegenheiten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, hat die Seminarreihe gemeinsam mit dem ÖIF entwickelt und leitet sie.

Fastenbauer: „In letzter Zeit ist der Antisemitismus in Europa angestiegen. Neben rechtem und linkem Antisemitismus hat durch die starken Migrations- und Fluchtbewegungen der letzten Jahre auch der muslimische Antisemitismus des politischen Islam in Europa und auch in Österreich deutlich zugenommen. Immer häufiger kommt es zu Beschimpfungen oder auch tätlichen Übergriffen gegenüber jüdischen Personen, auch in Österreich. Vielfach berichten Trainer/innen und Berater/innen, dass Antisemitismus unter Flüchtlingen und Zuwander/innen weitverbreitet und beinahe selbstverständlich zu sein scheint. Das stellt nicht nur ein großes Risiko für die jüdische Gemeinde dar, sondern gefährdet auch das Zusammenleben in Österreich.“

Franz Wolf, Direktor des ÖIF: „In Österreich darf kein Platz für Antisemitismus sein. Ziel des neuen Formats in Kooperation mit der Israelitischen Kultusgemeinde Wien ist es, jenen Unterstützung anzubieten, die in der täglichen Integrationsarbeit mit Flüchtlingen unmittelbar mit antisemitischem Verhalten konfrontiert sind.“

Besuch von Generalsekretär des Außenamts und israelischer Botschafterin

Botschafter Johannes Peterlik, Generalsekretär im Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres (BMEIA) besuchte am 29. August gemeinsam mit Talya Lador-Fresher, Botschafterin Israels in Österreich, ein Antisemitismus-Seminar im Integrationszentrum Wien des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF), um mehr über die neue Seminarreihe zu erfahren.

Peterlik: „Antisemitische Denk- und Verhaltensweisen sind immer noch eine globale Realität. Die Antisemitismus-Seminarreihe des Österreichischen Integrationsfonds und der Israelitischen Kultusgemeinde ist ein zentraler Beitrag, um Vorurteilen entgegenzuwirken und damit einen Zugang zur jüdischen Kultur und deren Lebenspraktiken zu schaffen. Auch wenn es bereits viele Geschichtsbücher und Broschüren mit Fakten zu diesem Thema gibt, die Überzeugungskraft des direkten Gesprächs können diese nicht ersetzen. Es gilt die Beiträge des Judentums für die europäische Kultur bewusst zu machen.“

Talya Lador-Fresher, israelische Botschafterin in Österreich, bedankte sich im Namen des Staates Israel beim ÖIF und der IKG Wien für diese wichtige Initiative: „In Israel und in der jüdischen Gemeinde in Österreich ist man sehr besorgt, dass die Anzahl antisemitischer Vorfälle und Äußerungen in ganz Europa, aber auch in Österreich, stark zunimmt. Die einzige Antwort, um diesem Phänomen entgegenzuwirken, ist Bildung und null Toleranz. Das Wissen, das mit dieser neuen Seminarreihe vermittelt wird, ist eine wichtige Maßnahme in der Arbeit gegen antisemitisches Verhalten.“

Neuen Antisemitismus identifizieren und richtig reagieren

In den eintägigen Seminaren erhalten die Teilnehmer/innen Grundlagenwissen zu Antisemitismus und Radikalismus, diskutieren Fallbeispiele aus der Praxis und erfahren, wie etwa in Schulen sowie Deutsch- oder Wertekursen Präventionsarbeit geleistet werden kann. Termine für Antisemitismus-Seminare des ÖIF in Kooperation mit der IKG sind in allen Bundesländern geplant.

Weitere Informationen zu den kommenden Terminen finden Sie hier.

Raimund Fastenbauer, Generalsekretär der IKG Wien, hat die Seminarreihe gemeinsam mit dem ÖIF entwickelt und leitet sie. © Mila Zytka

Besuchten ein Seminar im ÖIF-Integrationszentrum Wien (v.l.n.r.): Susanne Raab, Sektionsleiterin Integration im BMEIA, Talya Lador-Fresher, Botschafterin des Staates Israel in Österreich, Botschafter Johannes Peterlik, Generalsekretär im BMEIA, Expertenratsmitglied Ilan Knapp und ÖIF-Direktor Franz Wolf © Mila Zytka

Die eintägigen Seminare schulen Lehrer/innen, Deutschtrainer/innen, Mitarbeiter/innen in Beratungsstellen sowie Leiter/innen von Wertekursen im Umgang mit antisemitischem Verhalten. © Mila Zytka