09.11.2021, 14:38 Uhr

Werte- und Orientierungskurse für Flüchtlinge werden ab 2022 ausgebaut

Die verpflichtenden ÖIF-Werte- und Orientierungskurse werden österreichweit von acht auf 24 Stunden ausgeweitet, zusätzliche Schwerpunkte zum Thema Gesellschaftliche Integration und Ehrenamt

Integrationsministerin Susanne Raab war bei einem Werte- und Orientierungskurs zu Gast. © Thomas Unterberger

Die Kursteilnehmer/innen diskutieren über freiwilliges Engagement in Österreich. © Thomas Unterberger

Die Werte- und Orientierungskurse des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) werden ab Jahresbeginn 2022 um weitere Themenmodule ergänzt und von einem auf drei Tage ausgebaut. Damit wird ein zentraler Punkt des Regierungsprogramms im Bereich Integration umgesetzt. In den neuen Kursen können zentrale Themen der Integration wie etwa Deutscherwerb, die Bedeutung von ehrenamtlichem Engagement für das Ankommen in der Gesellschaft sowie auch Möglichkeiten zum Arbeitsmarkteinstieg ausführlicher behandelt und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern so eine intensivere Auseinandersetzung mit den Grundwerten des Zusammenlebens in Österreich ermöglicht . Im Anschluss an die verpflichtenden Kurstage können vertiefende Integrationsgebote des ÖIF wie etwa Praxistage bei ehrenamtlichen Organisationen, Exkursionen zu wichtigen kulturellen Einrichtungen und Institutionen Österreichs oder kostenlose Deutsch-Lerngruppen absolviert werden.

Integrationsministerin Susanne Raab: „Mit dem Ausbau der Werte- und Orientierungskurse von 8 auf 24 Stunden setzen wir nun die im Regierungsprogramm festgelegte Ausweitung um. Außerdem werden auch neue Module wie etwa zu den Themen Ehrenamt sowie Gleichberechtigung und Stärkung von Frauen in den für asyl- und subsidiär Schutzberechtigte verpflichtenden Wertekursen verankert. Aus meiner Sicht ist das mehr als sinnvoll, denn durch diese zusätzlichen beiden Kurstage können wir die Grundwerte unseres Zusammenlebens in Österreich noch umfassender und konsequenter vermitteln.“

ÖIF-Direktor Franz Wolf: „Neben Deutschkenntnissen und dem Einstieg in den Arbeitsmarkt sind Kenntnisse über Werte und Regeln des Zusammenlebens in Österreich eine zentrale Voraussetzung für eine Integration. Die Ausdehnung des Kursformats ermöglicht einerseits eine intensivere Auseinandersetzung mit zentralen Themen der Integration sowie andererseits einen inhaltlichen Ausbau. Auch aus der laufenden Zufriedenheitsbefragung bisheriger Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigt sich der Wunsch nach einem umfangreicheren Kursformat. Die ausgebauten Kurse werden ab Anfang 2022 weiterhin in ganz Österreich angeboten.“

Österreichweites Angebot: Fokus auf Sprache, Bildung, Kultur und Verfassungswerte

Ausgebaut werden vor allem grundlegende Informationen für den eigenen Integrationsprozess: Spracherwerb und Bildung, Integration in den Arbeitsmarkt sowie kulturelle und rechtliche Aspekte des Zusammenlebens, wie etwa die Gleichstellung von Frau und Mann oder das Recht auf Meinungs- und Religionsfreiheit. Als themenübergreifender Schwerpunkt ist die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung von Frauen in allen Bereichen des Lebens im gesamten Kurs verankert. Im Fokus stehen dabei unter anderem die Rolle der Frau in Österreich, Frauenrechte, Gewaltfreiheit sowie die Bedeutung wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Die auf Deutsch abgehaltenen und im Bedarfsfall gedolmetschten Kurse werden laufend österreichweit kostenlos angeboten und finden – unter Berücksichtigung aller geltenden Sicherheitsmaßnahmen im Zusammenhang mit der COVID19-Pandemie – in Kleingruppen von rund 15 Personen statt.

Neuer Schwerpunkt zu Ehrenamt in Kooperation mit Rotem Kreuz

Neu im Kurscurriculum ist ein eigenes Modul zum Thema Ehrenamt, das in Kooperation mit dem Roten Kreuz entwickelt wurde. Im Zentrum stehen dabei die Bedeutung des Ehrenamts für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Österreich, verschiedene Möglichkeiten des Engagements und die Chancen, die ehrenamtliche Tätigkeit für den eigenen Integrationsprozess bergen kann. Im Anschluss an den gesetzlich festgeschriebenen Werte- und Orientierungskurs können die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer außerdem auf freiwilliger Basis an einem Praxistag bei Ehrenamtsorganisationen deren Arbeit und konkrete Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements vor Ort kennenlernen.

Extern evaluiert: Wunsch nach Ausbau des Informationsangebots bei Teilnehmer/innen

Die Ausdehnung der Werte- und Orientierungskurse entspricht auch den Ergebnissen durch den Soziologen Kenan Güngör, der den Kursen eine hohe Zustimmung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Kursangebot bestätigt und den Wunsch nach einem Ausbau des Informationsangebots unterstreicht. Auch die bisherigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden im Anschluss an die Kurse laufend befragt und zeigen sich sehr zufrieden mit dem Angebot. Die Befragten bewerten die Kursinhalte als sehr hilfreich für das Ankommen in der österreichischen Gesellschaft und begrüßen einen Ausbau.

Werte- und Orientierungskurse seit 2015: Über 75.000 Teilnehmer/innen

Die Werte- und Orientierungskurse werden seit 2015 durchgeführt und sind seit Inkrafttreten des Integrationsgesetztes im Jahr 2017 für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte verpflichtend. Ausgearbeitet vom unabhängigen Expertenrat für Integration, unter Vorsitz von Universitätsprofessor Dr. Christian Stadler, behandeln die Werte- und Orientierungskurse wesentliche Themen wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Arbeitsmarktintegration, Selbstbestimmungsrecht und Gleichberechtigung von Frau und Mann. Seit 2015 wurden über 10.000 Kurse abgehalten; davon rund 6.000 gesetzliche Werte- und Orientierungskurse sowie rund 4.000 Vertiefungskurse. Die auf Deutsch abgehaltenen und im Bedarfsfall gedolmetschten Kurse werden laufend österreichweit kostenlos angeboten und finden in Kleingruppen von rund 15 Personen statt. Weitere Informationen finden Sie unter www.integrationsfonds.at/kurse/werte-und-orientierungskurse .