Positionen des Direktors
13.06.18

Fehlende Integration gefährdet die Demokratie

erschienen in Magazin ZUSAMMEN – Ausgabe 1/2018

Problematische Entwicklungen bei den persönlichen Einstellungen zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung in Österreich dürfen nicht folgenlos zur Kenntnis genommen werden. Denn patriarchale Wertvorstellungen, eine neue Bildungsfeindlichkeit sowie Tendenzen zur ethnischen bzw. religiösen Abschottung sind nicht nur bei Menschen zu beobachten, die erst vor Kurzem aus Ländern wie Syrien oder Afghanistan nach Österreich gekommen sind, sondern zu oft auch bei jenen, die Wurzeln etwa in der Türkei oder in Tschetschenien haben und bereits in zweiter oder dritter Generation in Österreich leben.

Die Folgen zu lange tolerierter Abkapselung einzelner Bevölkerungsgruppen gehen über mangelnde Sprachkenntnisse, geringe Bildung und nicht ausreichende Integration am Arbeitsmarkt hinaus. Integration darf daher nicht nur funktional, also in Zahlen und Quoten, gemessen werden. Die Ablehnung von Werten einer offenen Gesellschaft gefährdet die Demokratie. Besonders betroffen sind davon gerade auch junge Frauen, die von der Kleidung bis hin zur Lebensweise besonders von patriarchalen Kollektivsystemen eingeschränkt werden. Diese Frauen müssen in Österreich ganz besonders an die Errungenschaften der Gleichberechtigung und der Selbstbestimmung herangeführt werden. Ihre Integration wird von entscheidender Bedeutung für das Zusammenleben in Österreich sein.