Positionen des Direktors
10.09.18

Warnungen von Lehrern ernst nehmen

erschienen in Magazin ZUSAMMEN – Ausgabe 2/2018

Bildung ist nicht Mittel zum Zweck, sie hat Wert in sich selbst. Kindergarten und Schule sind meist die ersten institutionalisierten Orte des Lernens und der Bildung. Gerade bei der Integration von Kindern, deren Umgangssprache nicht Deutsch ist und die teils von islamischen, stark patriarchalen Kulturen geprägt sind, ergeben sich dort zunehmend Probleme. 

In Wien haben mehr als die Hälfte aller Schülerinnen und Schü­ler eine andere Umgangssprache als Deutsch, in Neuen Mittelschu­len sogar sieben von zehn. Gerade in sogenannten Brennpunkt­schulen sind neben fehlenden Deutschkenntnissen auch Verhal­tensweisen von Eltern und Schülern - oft unter Berufung auf vermeintliche Lehren des Is­lam - hinderlich für Bildung und Integration. Dies trifft nicht nur auf neu zugewan­derte, sondern teils auch auf bereits in Österreich geborene Kinder und deren Familien zu. Die Geringschätzung liberaler Werte und eine neue Bildungs­feindlichkeit stellen Lehrer vor schwer zu überwindende Her­ausforderungen. Wenn toleriert wird, dass Lerninhalte aus Bio­logie, Musik und Kunst oder die Teilnahme am Sport unter Berufung auf islamische Glaubensin­halte verweigert und religiös motivierte Konflikte geschürt werden, gefährdet dies die Entwicklung der Kinder sowie eine gemeinsame Basis des Zusammenlebens. 

Warnungen von Direktoren und Lehrern, die auf diese Probleme hinweisen, sind ernst zu nehmen. Ein verpflichtendes zweites Kin­dergartenjahr, Deutschklassen für Kinder und Jugendliche, die nicht ausreichend Deutsch sprechen, verstärkte Aufklärung über den Wert der Bildung und die im Regierungsprogramm festgehaltene Bildungs­pflicht sind erste wichtige Maßnahmen.