Positionen des Direktors
30.10.17

Zum Begriff der Parallelgesellschaften

Der Begriff der Parallelgesellschaften wird in der Integrationsdebatte häufig verwendet. Vielfach ist er dem Vorwurf der Beliebigkeit ausgesetzt, existieren im Alltagsleben doch zahlreiche Teilgesellschaften ohne Überschneidungen nebeneinander. Doch gerade im Hinblick auf die Integration von Zuwander/innen und Flüchtlingen dürfen Phänomene der Segregation und der Bildung von desintegrativen Milieus nicht leichtfertig behandelt werden. Es gilt die Frage zu beantworten, wann Parallelgesellschaften ein funktionierendes Zusammenleben in Frieden und Freiheit verhindern oder gar zu Gegengesellschaften werden.

Gerade in Großstädten wie Wien sind in einzelnen Bezirken und Stadtvierteln bereits Tendenzen zu Segregation vorhanden. Patriarchale Strukturen, fehlende Sprachkenntnisse, mangelnde Arbeitsmarktintegration, ethnische bzw. religiöse Abschottung und daraus resultierend die völlige Abkapselung einzelner Bevölkerungsgruppen sind die Folgen solcher fälschlicherweise tolerierten Gegengesellschaften. Gegenentwürfen zu einer solidarischen Gemeinschaft in Österreich gilt es mit
sachlicher und offener Diskussion über Herausforderungen des Zusammenlebens, zielgerichteten Integrationsmaßnahmen sowie klarer Kommunikation von Rechten und Pflichten entgegenzutreten. Das wohlfahrtsstaatliche österreichische Modell ist auf den solidarischen Zusammenhalt aller Bürger ausgerichtet. Nur durch die Anstrengungen des Einzelnen kann dieses Modell auch in Zukunft weiter bestehen. Integration verlangt gemeinsame Sprache, Bildung, den Einstieg in die Erwerbstätigkeit und die Wertschätzung für ein Lebensmodell, das auch auf die Freiheit des Einzelnen ausgerichtet ist. Österreichs Integrationsverständnis zielt auf einen Grundkonsens im gemeinsamen Zusammenleben ab. Das Modell des Nebeneinanders soll nicht die Normalität der Zukunft werden.