Der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) bezieht mit dem historischen Alten Hauptzollamt im dritten Wiener Gemeindebezirk einen neuen Standort. Die vier bisherigen Wiener Standorte werden zusammengeführt: Künftig werden Beratung, Deutschlernmaßnahmen, Werte- und Orientierungskurse sowie Integrationsprüfungen unter einem Dach stattfinden. Das „Haus für Österreich“ bietet neben Integrationsmaßnahmen auch Raum für die Auseinandersetzung mit zentralen Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Anlässlich des österreichischen Nationalfeiertags am 26. Oktober wurde das denkmalgeschützte Gebäude im Besitz der Republik erstmals seit der Revitalisierung beflaggt.
Neue Angebote für Frauen, digitale Prüfungen und Schulungen
Im Mittelpunkt des neuen Hauses stehen die Vermittlung der deutschen Sprache, der Grundsätze des österreichischen Rechtsstaates, der europäischen Grundwerte und der Kultur unseres Landes. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau der Angebote für Frauen: Neben Beratungen zu Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Gewaltschutz entstehen im Frauenzentrum im Alten Hauptzollamt neue Angebote für Frauen, Mütter und Kinder. Kinderbetreuung mit Sprachförderung ermöglicht Kindern einen frühen, spielerischen Zugang zur deutschen Sprache. Auch die Digitalisierung wird vorangetrieben: Künftig werden Integrationsprüfungen auch digital durchgeführt. Ein neues Schulungszentrum bietet Lehrkräften, Polizist/innen und Behördenmitarbeiter/innen praxisnahe Fortbildungen zu Themen der Integration, Antisemitismus, religiösem Extremismus, Gleichberechtigung und interkulturellen Herausforderungen und Konflikten im Berufsalltag. Mit Seminaren, Veranstaltungen und öffentlichen Diskussionen richtet sich das „Haus für Österreich“ zudem an die breite Öffentlichkeit und wird zu einem Ort der Begegnung und des gesellschaftlichen Dialogs über zentrale Fragen des Zusammenlebens unserer Zeit.
Beispiel für modernes und effizientes Arbeiten in der öffentlichen Verwaltung
Mit der Zusammenführung der bisherigen Standorte verkürzt der ÖIF Wege, vereinfacht Abläufe und nutzt Ressourcen effizienter. Im Alten Hauptzollamt setzt der ÖIF auf ein modernes Arbeitsplatzkonzept mit flexiblen Arbeitsbereichen, gemeinsam genutzten Arbeitsplätzen und digitalen Abläufen. Zwei Drittel der Gebäudeflächen stehen für Integrationsmaßnahmen und öffentliche Angebote zur Verfügung, nur ein Drittel wird für Büro- und Verwaltungszwecke genutzt. Durch das moderne und flexible Arbeitsplatzkonzept benötigt der ÖIF pro Arbeitsplatz weniger als halb so viel Fläche wie vergleichbare Bundesdienststellen. Damit setzt der ÖIF bei der Flächennutzung auf ein besonders effizientes und ressourcenschonendes Modell für die öffentliche Verwaltung.
Historisches Hauptzollamt erhält neue Aufgabe
Das in den 1840er-Jahren errichtete Alte Hauptzollamt diente ursprünglich der Zollabfertigung und der staatlichen Finanzverwaltung. Es wurde nach Plänen des österreichischen Architekten Paul Wilhelm Eduard Sprenger im spätklassizistischen Stil erbaut. Das denkmalgeschützte Gebäude befindet sich im Eigentum der Austrian Real Estate (ARE), einer Tochtergesellschaft der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), und wurde von der ARE umfassend saniert. Der ÖIF ist Mieter des Gebäudes. Das Alte Hauptzollamt erhält damit nach beinahe zwei Jahrhunderten staatlicher Nutzung eine neue Aufgabe im Dienste Österreichs.