08.09.2026, 09:00 Uhr

Neue ÖIF-Befragung „Was denkt Österreich?“: Regeln, Werte, Deutsch und Eigenständigkeit prägen das Integrationsverständnis

75 % halten Sorge um kulturelle Identität Österreichs für berechtigt / Gespaltene Sicht auf gesellschaftlichen Zusammenhalt

Wie bewertet man in Österreich den Zustand der Gesellschaft? Was versteht man konkret unter Integration? Welche Erwartungen hat die österreichische Gesellschaft an Zuwander/innen? Eine neue Befragung durchgeführt vom Meinungsforscher Peter Hajek, mit einem Vorwort von Sozialwissenschaftler Prof. Rudolf Bretschneider, befasst sich im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) mit den Einstellungen der österreichischen Bevölkerung zu den Themen Zusammenhalt, Migration und Integration. Der Forschungsbericht steht ab sofort in der ÖIF-Mediathek zur Verfügung.

Integration durch gemeinsame Regeln, Werte, Sprache und Eigenständigkeit

Aus Sicht der Befragten zählen zu den wesentlichen Merkmalen guter Integration die Anerkennung der Gesetze und Regeln (77 %), Respekt für Werte und Umgangsformen (75 %), gute Deutschkenntnisse (71 %), Arbeit oder Ausbildung (70 %) und Selbsterhaltungsfähigkeit (69 %). Je nach Einstellung zu Migration unterscheiden sich die gesetzten Prioritäten: Während Personen, die Migration eher kritisch gegenüberstehen, vor allem sprachliche, rechtliche und arbeitsmarktbezogene Pflichten in den Vordergrund stellen, zählen für migrationsfreundliche Personen oft stärker soziale und kulturelle Aspekte wie Vereinsengagement oder Offenheit. Als zentrale Integrationsprobleme werden Arbeitslosigkeit und Sozialhilfebezug (89 %), die Ablehnung österreichischer Kultur und Werte (89 %), unzureichende Deutschkenntnisse (89 %) sowie Gewalt im Namen der Ehre und mangelnder Respekt gegenüber Frauen (90 %) wahrgenommen.

Sorge um kulturelle Identität Österreichs deutlich gestiegen 

Eine wachsende Mehrheit der Befragten hält die Sorge um die kulturelle Identität Österreichs für berechtigt: Seit 2018 ist der Anteil von 57 % auf mittlerweile 75 % gestiegen. Laut Sozialwissenschaftler Prof. Bretschneider ist hier jedoch nicht nur Migration ein ausschlaggebender Faktor, sondern auch Modernisierungsdruck, Medienwandel und internationale Krisen. Dazu passt auch, dass große Migrationsbewegungen mittlerweile als negativer gesellschaftlicher Einflussfaktor (51 %) etwas hinter Falschinformationen (54 %), dem politischen Islam (52 %) sowie weltweiten Kriegen und Konflikten (52 %) wahrgenommen werden. Im Vergleich zu 2018 ist die Sorge vor großen Migrationsbewegungen von 62 % auf 51 % deutlich gesunken.

Gespaltene Sicht auf gesellschaftlichen Zusammenhalt / Drei Viertel sorgen sich um gesellschaftliche Entwicklung

Laut Befragung wird der Zustand des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Österreich unterschiedlich wahrgenommen: Während 48 % ihn als sehr oder eher gut bewerten, sehen ihn in etwa gleich viel als eher oder sehr schlecht. Positivere Bewertungen kommen insbesondere von Jüngeren, Höhergebildeten und Menschen mit Migrationshintergrund. Gesellschaftlichen Zusammenhalt definieren die Befragten vor allem über die Aspekte friedliches Zusammenleben (69 %), Toleranz und Respekt (66 %) sowie Hilfsbereitschaft und Mildtätigkeit (52 %). Während sich 75 % der Befragten um die Entwicklung der österreichischen Gesellschaft sorgen, geben gleichzeitig ebenso viele (75 %) an, mit ihrem persönlichen Leben zufrieden zu sein. Dass auch technologische Entwicklungen zunehmend kritisch wahrgenommen werden, zeigt sich insbesondere auch am starken Anstieg des wahrgenommenen negativen Einflusses von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (von 14 % auf 28 %) seit der ersten Befragung im Jahr 2018.

Persönliche Erfahrungen überwiegend positiv, gesellschaftliche Auswirkungen kritischer bewertet 

Die meisten Befragten werten persönliche Erfahrungen mit Migrant/innen je nach Lebensbereich überwiegend positiv. Im Freundes- und Bekanntenkreis berichten insgesamt 73 % von positiven Erfahrungen, an Schulen, Ausbildungsstätten oder Universitäten sind es 70 %, am Arbeitsplatz 62 % und in der Nachbarschaft 58 %. Gleichzeitig werden die gesellschaftlichen Auswirkungen von Zuwanderung insgesamt eher kritisch eingeschätzt, insbesondere in Bezug auf das Sozialsystem (50 %), die öffentliche Sicherheit (47 %), das Bildungssystem (45 %), den Wohnungsmarkt (41 %) und den gesellschaftlichen Zusammenhalt (35 %). Positive Auswirkungen werden am ehesten bei Forschung (24 %) sowie bei Kultur und Bevölkerungsentwicklung (jeweils 21 %) wahrgenommen. 

Generell wird auch das größte gesellschaftliche Spannungspotenzial zwischen Einheimischen und Zuwander/innen gesehen (56 %), gefolgt von Links und Rechts (50 %) sowie Arm und Reich (40 %). 61 % der Befragten stimmen der Aussage voll oder eher zu sich in einer Gesellschaft wohler zu fühlen, die von großer Einheitlichkeit (homogene Gesellschaft) geprägt ist (16 % volle und 45 % eher Zustimmung). Gleichzeitig zeigt sich, dass sich der Anteil jener, die sich sehr oder eher als Teil der österreichischen Gesellschaft fühlen, unter Menschen mit und ohne Migrationshintergrund lediglich um einen Prozentpunkt von 57 % auf 58 % unterscheidet. Allerdings fühlen sich mit 14 % signifikant mehr Menschen mit als ohne Migrationshintergrund (7 %) am Rande der Gesellschaft.

Über die Befragung

Der ÖIF-Forschungsbericht mit dem Titel „Was denkt Österreich?“ wurde bereits zum vierten Mal unter der inhaltlichen Leitung von Prof. Bretschneider im Auftrag des ÖIF durchgeführt. Analysiert wurden auf Basis einer repräsentativen Online-Befragung zwischen Februar und März 2026 die Einstellungen der österreichischen Wohnbevölkerung im Zusammenhang mit Integration und Zuwanderung. Im Rahmen der Umfrage 2026 wurden 1.016 Personen mit und ohne Migrationshintergrund über ein Online-Panel befragt. 

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