Donnerstag, 28. September 2017 13:12

ÖIF-Diskussion mit Zana Ramadani und Susanne Raab

Salzburg/St. Pölten. ÖIF-Diskussion zur Integration muslimischer Frauen mit Zana Ramadani und Susanne Raab.

Im Zuge der ÖIF-Veranstaltungsreihe „Integration und Islam“ diskutierte Bestseller-Autorin („Die verschleierte Gefahr“) und Frauenrechtsaktivistin Zana Ramadani mit Susanne Raab, Leiterin der Sektion Integration im Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres (BMEIA), über die Situation von muslimischen Frauen in Österreich, die Rolle muslimischer Mütter bei der Integration ihrer Kinder und falsch verstandene Toleranz gegenüber dem politischen Islam. Sowohl in Salzburg, als auch in St. Pölten stießen die Podiumsdiskussionen mit den beiden Expertinnen auf großes Interesse. Am 26. September waren rund 120 Gäste in Salzburg dabei, am 27. September fanden sich in St. Pölten rund 100 Hörer/innen ein.

Ramadani: „Toleranz kein Allheilmittel für Integration“

Die Diskussion widmete sich Zana Ramadani, die der Meinung ist, dass der Staat ein besonderes Augenmerk auf Frauenrechte legen müsse: „Toleranz ist kein Allheilmittel für Integration. Der Staat muss dort klare Grenzen setzen, wo Frauenrechte bedroht sind oder verletzt werden. Deshalb spreche ich mich auch klar für ein Verbot der Vollverschleierung aus.“ Sektionsleiterin Susanne Raab: „Vollverschleierung bedeutet eine fast vollständige Bedeckung bis auf die Augen, die keine Kommunikation von Angesicht zu Angesicht zulässt. Frauen, die eine Burka oder einen Niqab tragen, können damit nicht an der Gesellschaft teilhaben. Das lässt auch keine Integration zu.“ Für Ramadani fängt die Debatte nicht erst bei der Vollverschleierung an: „Ich stelle mir die Frage: Können kleine Mädchen und junge Frauen, die bereits mit einem Kopftuch aufwachsen und damit bestimmte Werte vermittelt bekommen, überhaupt jemals frei entscheiden? Ich bezweifle das.“ Es gelte, Frauen zu vermitteln, dass sie sich davon in Österreich oder Deutschland befreien können, wenn sie das wollen und Bildung und staatlichen Schutz als Handwerkzeug zur Emanzipation zu begreifen.“

Raab: „Frauen können Integrationsmotor sein, wenn sie ihre Chancen wahrnehmen“

Susanne Raab betont, dass Frauen im Integrationsprozess eine Schlüsselrolle innehaben: „Frauen können die Rolle eines Integrationsmotors in der Familie einnehmen, in dem sie ihre neuen Chancen in Österreich wahrnehmen. Voraussetzung dafür sind Integrationsmaßnahmen wie Deutsch- und Wertekurse.“ Bestseller-Autorin Zana Ramadani betont: „Wenn es keine Verpflichtung zur Integration gibt, werden wir viele Frauen nicht erreichen, sie bleiben dann in ihrer Parallelgesellschaft verhaftet. Aus meiner Sicht hat Österreich hier den richtigen Weg eingeschlagen.“ Als Mütter würden Frauen auch Werte und Strukturen an die kommenden Generationen weitergeben und diese damit grundlegend prägen: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Mütter in alten Mustern der Herkunftsländer verharren und ihre Töchter zu Bedienerinnen und die Söhne zu kleinen Prinzen erziehen. Unser Zusammenleben wird ganz wesentlich davon abhängen, ob wir es schaffen, ihnen klar zu machen, dass jedes ihrer Kinder die gleichen Chancen verdient.“

ÖIF-Schwerpunkt: Integration von Frauen

Der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) setzt einen Schwerpunkt auf die Integration von Frauen: In Werte-und Orientierungskursen, weiterführenden Vertiefungskursen sowie auch direkt in den Deutschkursen werden die grundlegenden Regeln des Lebens in Österreich vermittelt wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau, gesetzliche Grundlagen wie das Gleichbehandlungsgesetz sowie das Gewaltverbot. Die kostenlosen Kurse finden in ganz Österreich statt, aktuelle Termine finden Sie unter www.integrationsfonds.at/termine. Bei Veranstaltungen der ÖIF-Gesprächsreihe „Integration und Islam“, die in Wien, Graz, Salzburg und St. Pölten stattfanden, diskutierten u.a. Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, Rechtsanwältin Seyran Ates, Islamexpertin Saida Keller-Messahli und Nahostexpertin Karin Kneissl über Herausforderungen bei der Integration von Frauen. Darüber hinaus liefert der ÖIF mit aktuellen Publikationen Zahlen, Daten und Hintergründe zur Integration von Frauen in Österreich. Die Statistikbroschüre "migration & integration – Schwerpunkt: Frauen" bietet aktuelle Zahlen zu den Bereichen Zuwanderung, Bildung und Arbeit. Die „Perspektiven Integration“ widmen sich in den Ausgaben „Verschleierung im Islam“ und „Gewalt gegen Frauen im Kontext von Migration“ der Integration von Frauen. Alle Publikationen können Sie im ÖIF-Webshop bestellen: www.integrationsfonds.at/webshop.

ÖIF-Diskussion: Zana Ramadani und Susanne Raab zu Integration und Islam

oben: v. l. n. r. Roland Goiser (stv. Geschäftsführer des ÖIF), Susanne Raab, Zana Ramadani und Nalan Gündüz © Marc Stickler; unten: v. l. n. r. Milica Himmer (Leiterin Integrationszentrum NÖ), Murat Düzel (Landesregierung NÖ), Melisa Erkurt (Magazin das biber), Zana Ramadani, Susanne Raab, Roland Goiser (stv. Geschäftsführer des ÖIF) © Samuel Colombo/Optical Engineers