19.12.2022, 08:19 Uhr

ÖIF-Studie zu Migration in Österreich: Gesundheitliche und ökonomische Aspekte bei Kindern und Jugendlichen

Soziale Lage und Einkommen beeinflussen Gesundheitszustand; Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund nehmen weniger medizinische Leistungen in Anspruch

Die vom Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) beauftragte Studie „Migration in Österreich: Gesundheitliche und ökonomische Aspekte II – Kinder und Jugendliche in Österreich“ wurde von der Austrian Health Academy (AHA) in Zusammenarbeit mit HealthSystemIntelligence durchgeführt und im Rahmen des 4. Österreichischen Integrationsgipfels (https://integrationsgipfel.at) am 16. Dezember 2022 präsentiert. Der Forschungsbericht analysiert die Lebenslagen und den Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft und umfasst auch vergleichende Analysen der ökonomischen und sozialen Bedingungen, der Lebensqualität, der Risikofaktoren, der Inanspruchnahme des Gesundheitswesens und den damit in Zusammenhang stehenden Kosten für die Bevölkerung Österreichs. Der vollständige Forschungsbericht ist in der ÖIF-Mediathek abrufbar.

Lebensqualität: Psychische und physische Gesundheit

Mit der Methodik der vergleichenden Analyse verknüpft die Studie Daten der Inanspruchnahme von Leistungen der österreichischen Gesundheitsbefragung (ATHIS 2014 und 2019) mit Kostendaten des Gesundheitsausgabenprofils gemäß Statistik Austria. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen: kein Migrationshintergrund, EU-15 & EFTA (ohne Österreich), EU-13, Ex-Jugoslawien, Türkei, Afghanistan/Irak/Syrien und andere Länder.

83 Prozent aller Kinder und Jugendlichen bewerteten ihre körperliche Gesundheit positiv. Über diesem Schnitt lagen die Gruppen ohne Migrationshintergrund und Türkei (je 85%), die Länder des ehemaligen Jugoslawiens (84%) und die Gruppe Afghanistan, Iran und Syrien (92%). Die psychische Lebensqualität bewerteten die Kinder und Jugendlichen mit 86 Prozent als gut. Die Gruppe ohne Migrationshintergrund bewertete ihre psychische Lebensqualität mit 89 Prozent am besten, Kinder und Jugendliche aus Afghanistan, Irak und Syrien am schlechtesten (82%).

Hofmarcher: „Vererbung“ von negativen Faktoren verhindern

Maria Hofmarcher, Studienautorin von HealthSystemIntelligence: „Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass die gesundheitliche und soziale Lage von Kindern und Jugendlichen und deren Integration sich gegenseitig beeinflussen, und das sollte bei Initiativen und Maßnahmen zur Integration stärker miteinbezogen werden. Auf diese Weise muss verhindert werden, dass es zu ‚Vererbungen‘ dieser negativen Faktoren kommt – eine Problematik, die Menschen mit türkischem Migrationshintergrund bis heute betrifft.“

Einkommen: Ausschlaggebend für den Gesundheitszustand

Die soziale Lage ist ein wesentlicher Faktor für die Gesundheit der unter 18-Jährigen: Kinder und Jugendliche aus Haushalten mit hohem Einkommen hatten einen signifikant besseren Gesundheitszustand als jene aus Haushalten mit niedrigem Einkommen. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund berichteten auch seltener über einen sehr guten Gesundheitszustand. Im Jahr 2019 lebten 22 Prozent von ihnen in Haushalten mit überdurchschnittlichem Einkommen. Bei Kindern und Jugendlichen ohne Migrationshintergrund waren es im Schnitt 39 Prozent. Dort, wo das Einkommen hoch war, war in der Regel auch der Anteil an Kindern und Jugendlichen hoch, die angaben, dass ihr Gesundheitszustand sehr gut ist.

Gesundheitssystem: Inanspruchnahme und Zugang

Ähnlich wie bei der Gesamtbevölkerung (vgl. hierzu ÖIF-Forschungsbericht Gesundheit „Migration in Österreich: Gesundheitliche und ökonomische Aspekte“) ist auch der Ausgabenanteil der unter 18-Jährigen mit Migrationshintergrund geringer als ihr Bevölkerungsanteil: Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund machten 26,8 Prozent der österreichischen Bevölkerung 2019 aus, auf sie entfielen jedoch nur 25,1 Prozent der Ausgaben für ambulante und stationäre Versorgung. Auffällig ist, dass männliche Kinder und Jugendliche das Gesundheitssystem häufiger in Anspruch nehmen: Die pro-Kopf-Kosten in allen Herkunftslandgruppen und in allen Versorgungssettings für Burschen und junge Männer lagen höher als die für Mädchen und junge Frauen. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, insbesondere unbegleitete Minderjährige, sind mit besonderen Herausforderungen beim Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdiensten konfrontiert. So tragen mangelndes Wissen über das Gesundheitssystem und die zur Verfügung stehenden Leistungen, Sprach- und kulturelle Barrieren sowie Missverständnisse dazu bei, dass Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund weniger medizinische Leistungen in Anspruch nehmen und dadurch auch ihr Gesundheitszustand leidet.Die Studienautor/innen plädieren etwa dafür, die Gesundheitskompetenz  von Migrantinnen gezielt zu fördern, um die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu stärken.

ÖIF-Integrationsangebote zum Thema Gesundheit

Orientierungswissen zum österreichischen Gesundheitssystem ist ein zentrales Element der im Integrationsgesetz festgeschriebenen Werte- und Orientierungskurse für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte; daran anknüpfend steht ein vertiefendes Informationsangebot zum Thema Gesundheit zur Verfügung. In den Frauenberatungen des ÖIF-Frauenzentrums und in speziell auf Frauengesundheit ausgerichteten Seminaren informieren Expert/innen auch über Impfungen für Kinder, den Mutter-Kind-Pass, gesundheitsförderndes Verhalten für Kinder und psychische Gesundheit.

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