24.08.2022, 14:28 Uhr

ÖIF beim Europäischen Forum Alpbach 2022: Integration im Angesicht der Ukraine-Krise

Bundesministerin Raab, Migrationsforscherin Gudrun Biffl und OECD-Ökonom Thomas Liebig diskutierten mit Teilnehmern über Perspektiven bei der Integration ukrainischer Vertriebener

Migrationsforscherin Gudrun Biffl, Bundesministerin Susanne Raab, Moderatorin Caroline Hornstein-Tomić, Integrationsberaterin Bogdana Schnabl und OECD-Ökonom Thomas Liebig diskutierten über die Integration ukrainischer Vertriebener. © Ilvy Rodler Photography

Im Fokus der Diskussion standen die Perspektiven ukrainischer Vertriebener auf dem österreichischen Arbeitsmarkt. © Ilvy Rodler Photography

Wien/Alpbach, 24. August 2022. Was sind die Zukunftsperspektiven ukrainischer Vertriebener in Österreich? Was braucht es, damit ihre Integration in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt gelingt? Diese Fragen standen im Vordergrund der vom Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) organisierten Diskussion beim Europäischen Forum Alpbach am 23. August 2022. Zu Gast am Podium waren Bundesministerin für Frauen, Familie, Integration und Medien Susanne Raab, emeritierte Universitätsprofessorin Gudrun Biffl, OECD-Ökonom Thomas Liebig sowie die ukrainischstämmige ÖIF-Integrationskoordinatorin Bogdana Schnabl. Moderiert wurde das Podium von Caroline Hornstein-Tomić, Senior Researcher am Institut der Sozialwissenschaften Ivo Pilar in Zagreb (HR), Mitbegründerin des Civics Innovation Hubs und Mitglied des Foundation Boards des Europäischen Forum Alpbachs. Anschließende Workshops mit den Expert/innen beleuchteten aktuelle Herausforderungen bei der Integration von ukrainischen Vertriebenen sowie ihre Perspektiven auf dem österreichischen Arbeitsmarkt.

BM Susanne Raab: Hohe Zahlen an Flüchtlingen und Vertriebenen als Herkulesaufgabe

Zu den Herausforderungen in der Integration von vertriebenen Ukrainerinnen und Ukrainern betonte Integrationsministerin Susanne Raab, dass staatliche Einrichtungen und die Zivilgesellschaft umfassend unterstützen und gleichzeitig jeder Flüchtling selbst an seiner Integration aktiv mitwirken muss. Die Integration in den Arbeitsmarkt ist neben dem Spracherwerb nun der zentrale Faktor. Ebenfalls machte sie auf die enormen Flüchtlingszahlen im Jahr 2022 aufmerksam: „Wir dürfen nicht vergessen, dass dieses Jahr, zusätzlich zu den über 80.000 Vertriebenen aus der Ukraine, auch noch alleine bis Mitte des Jahres über 40.000 Menschen einen Asylantrag in Österreich gestellt haben. Das sind jetzt schon mehr Menschen als im Rekordjahr 2015 - das ist eine Herkulesaufgabe für die Gesellschaft.“

Biffl: Rascher Einstieg in den Arbeitsmarkt von zentraler Bedeutung

Die emeritierte Universitätsprofessorin Gudrun Biffl, Migrationsforscherin, Mitglied des Statistikrates und des Expertenrates für Integration im Bundeskanzleramt sowie der Expertengruppe für Migration (expert group) bei der OECD betonte, wie wichtig es sei, ukrainische Vertriebene rasch in den Arbeitsmarkt zu integrieren: „Es ist unglaublich wichtig, unabhängig von den Fähigkeiten, die man hat, zuerst einmal in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Auch Jobs, in denen man möglicherweise unter seiner Qualifikation arbeitet, bringen einen voran, indem man Sprachkompetenzen erweitert und das Arbeitsleben in Österreich kennenlernt und Einblicke in bestimmte Branchen bekommt. Der beste Weg, eine Sprache zu lernen, ist die tägliche Kommunikation.“

Liebig: Unklare Bleibeperspektiven für viele ukrainische Vertriebene

OECD-Ökonom Thomas Liebig verwies auf Unterschiede zwischen der derzeitigen Situation mit ukrainischen Vertriebenen und der Flüchtlingskrise 2015: „Dadurch, dass viele der ukrainischen Flüchtlinge noch keine klaren Bleibeperspektiven haben und viele von ihnen den Wunsch haben, wieder in ihr Heimatland zurückzukehren, bedarf es einer anderen Art der Integration.“ Notwendig seien Maßnahmen, die einerseits die Integration im Gastland fördern, aber auch bei einer Wiedereingliederung in der Ukraine hilfreich sind, etwa Anpassungs- und Weiterbildungsmaßnahmen, die dafür sorgen, dass die häufig hohen formalen Qualifikationen auch im österreichischen Arbeitsmarktkontext Verwendung finden können.

Die ukrainischstämmige Integrationsberaterin Bogdana Schnabl berichtete aus der täglichen Beratungspraxis: „Der ÖIF hat seit Beginn des Ukraine-Kriegs seine Angebote für vertriebene Ukrainerinnen und Ukrainer laufend ausgebaut. In allen Bundesländern finden regelmäßig Beratungen, Orientierungskurse, Deutschlernangebote und Austauschtreffen statt, bei denen Ukrainerinnen und Ukrainer in Kontakt mit Personen aus der Aufnahmegesellschaft kommen und so auch soziale Netzwerke knüpfen können.“

Weitere Informationen zu den Angeboten des ÖIF für vertriebene Ukrainerinnen und Ukrainer finden Interessierte unter www.integrationsfonds.at/ukraine.

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