Extremismus-Experte Ahmad Mansour beim Pfingstdialog in der Steiermark
Psychologe und Autor Ahmad Mansour © Foto Club Alpbach Steiermark/Foto Fischer
v.l.n.r. JOANNEUM RESEARCH-Geschäftsführer Heinz Mayer, Club Alpbach Steiermark-Vorsitzender Herwig Hösele, Autor und Psychologe Ahmad Mansour, Wirtschafts- und Wissenschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer, ÖIF-Direktor Franz Wolf © Foto Club Alpbach Steiermark/Foto Fischer
Am Panel diskutierten v.l.n.r. Ernst Sittinger (Moderation), Roger de Weck (Publizist), Danielle Spera (Publizistin), Barbara Krenn (Journalistin), Matthias Beck (Theologe und Ethiker) und Ahmad Mansour (Psychologe und Autor) © Foto Club Alpbach Steiermark/Foto Fischer
Der Psychologe und Autor Ahmad Mansour war am 21. Mai auf Einladung des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) beim Steirischen „Geist & Gegenwart“-Pfingstdialog auf Schloss Seggau zu Gast. Er hielt vor rund 300 Teilnehmer/innen einen Vortrag über Integration, Zugehörigkeit und Zusammenhalt als Spannungsfelder einer offenen Gesellschaft.
„Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir in einer Gesellschaft zusammenleben möchten“
„Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir in einer Gesellschaft zusammenleben möchten“, so Mansour. In seiner Keynote betonte er, dass die zentralen Probleme moderner Gesellschaften nicht in Religion oder Herkunft lägen, sondern vielmehr in den mitgebrachten Wertehaltungen, die oft im Widerspruch zu Demokratie und der damit verbundenen Freiheit stehen. Toleranz bedeute, andere Meinungen und Sichtweisen auszuhalten – gleichzeitig dürfe eine demokratische Gesellschaft aber auch nicht naiv sein.
Mansour betonte, dass Kritik an Religion möglich sein müsse, um gesellschaftliche Auseinandersetzung zu ermöglichen und Radikalisierung entgegenzuwirken. „Ich bin ein gläubiger Mensch und Moslem, nicht weil ich Ihnen gefallen möchte. Ich kritisiere meine Religion, weil ich das aus Liebe mache. Kritik muss man zulassen, um eine Auseinandersetzung zu ermöglichen, denn Sprachlosigkeit führt bloß zu Radikalität“, erklärte Mansour.
Algorithmen befeuern Polarisierung
Auch die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft war Thema seiner Ausführungen. Besonders soziale Medien und deren Algorithmen würden gesellschaftliche Spaltungen verstärken und extreme Positionen sichtbarer machen. Unterschiede allein zu feiern, reiche laut Mansour nicht aus: Für ein gelungenes Zusammenleben brauche es gemeinsame Regeln, Pflichten und die klare Orientierung an demokratischen Grundwerten.
Im Anschluss an die Keynote diskutierte Ahmad Mansour im Forum „Freiheit und Religionsvielfalt“ gemeinsam mit Theologe und Ethiker Matthias Beck, Publizist Roger de Weck, ORF-Journalistin Barbara Krenn sowie Publizistin Danielle Spera über die Wichtigkeit der Religionsvielfalt in Europa und die Möglichkeiten, ebendiese zu schützen. Moderiert wurde die Diskussion von Journalist Ernst Sittinger.
Über Ahmad Mansour
Ahmad Mansour ist ein deutsch-israelischer Psychologe, Autor und gefragter Experte für Integration und Extremismusprävention. Seit vielen Jahren setzt er sich für eine offene, demokratische Gesellschaft ein und engagiert sich insbesondere gegen Antisemitismus, patriarchale Weltbilder und religiös begründeten Extremismus. 2018 gründete er eine eigene Initiative zur Demokratieförderung, die in Schulen, Justizvollzugsanstalten und sozialen Einrichtungen tätig ist. Seine Bücher, darunter das 2022 erschienene Werk „Operation Allah“, stoßen sowohl auf breite mediale Resonanz als auch auf gesellschaftspolitische Relevanz. Für seine Arbeit wurde Mansour mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit der Ehrendoktorwürde der Universität Basel.
Am 18. Juni wird Ahmad Mansour im Zuge des ÖIF-Seminarprogramms ein Präsenzseminar in Wien zum Thema “Strategien zur Demokratieförderung und Extremismusprävention” abhalten. Anmeldungen sind hier möglich.