Warum das Dialektverständnis in ÖIF-Deutschkursen gezielt gefördert wird
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Das alltägliche Deutsch in den Regionen Österreichs geht oft über das Standarddeutsch im Kurs hinaus: Wie kürzlich vorgestellt, richtet der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) seine neuen Deutschkurse verstärkt an der sprachlichen Realität im Alltag aus und fördert gezielt das Hörverstehen regionaler Dialekte. Ziel ist es, Teilnehmer/innen neben der Standardsprache auch auf tatsächlich verwendete Alltagssprache in der jeweiligen Region, in der der Kurs absolviert wird, vorzubereiten, damit sie in alltäglichen Situationen rasch selbstständig kommunizieren können.
Dialektverständnis ist entscheidend für Orientierung im Alltag und gesellschaftliche Mitwirkung
Im Alltag prägen regionale Dialekte und umgangssprachliche Ausdrucksweisen die Kommunikation – im öffentlichen Raum, beim Reden mit den Nachbar/innen oder im Beruf. Die Bedeutung von Dialekt- und Umgangssprache zeigt sich in allen Lebensbereichen. Im Alltag wird häufig in einer regionalen Sprachfärbung gesprochen – etwa im Wohnumfeld, beim Einkaufen oder im direkten sozialen Austausch. Auch im Berufsleben ist Dialekt vielfach präsent, insbesondere in Branchen wie Pflege- und Gesundheitsberufen, Gastronomie, Handwerk oder Bau.
Paradebeispiel Pflege: Standarddeutsch reicht oft nicht aus
Laut Pflegepersonalbedarfsprognose der Gesundheit Österreich (GÖG) werden bis 2050 rund 200.000 zusätzliche Pflege- und Betreuungskräfte benötigt. Um diesen Bedarf zu decken, wird Österreich auch künftig auf Zuwander/innen angewiesen sein. Gerade im Pflege- und Gesundheitsbereich ist das Verständnis von Dialekt häufig wesentlich, da viele pflegebedürftige Senior/innen im Alltag vor allem umgangssprachlich und in regionalen Dialekten kommunizieren. Entscheidend ist dabei nicht die aktive Verwendung von Dialekt, sondern die Fähigkeit, gesprochene Inhalte zuverlässig zu erfassen und einzuordnen.
Neue Deutschkurse unterstützen dabei, den regionalen Dialekt zu verstehen
Die ÖIF-Deutschkurse tragen dieser Realität gezielt Rechnung: Neben der Standardsprache wird verstärkt das Hörverstehen regionaler Sprachvarianten vermittelt. Im Mittelpunkt steht nicht das aktive Sprechen von Dialekt, sondern das Verstehen lernen. Teilnehmer/innen werden so unterstützt, gesprochene Alltagssprache besser einzuordnen und Missverständnisse zu vermeiden. Die Vermittlung in den Kursen erfolgt dabei strukturiert und aufbauend auf dem jeweiligen Sprachniveau. Die Förderung des Dialektverständnisses setzt auf höheren Niveaustufen (ab Sprachniveau B1) ein, wenn eine solide Grundlage in der Standardsprache vorhanden ist. Grundlage für die Weiterentwicklung der Kursinhalte ist insbesondere auch das Feedback von Kursteilnehmer/innen, die im Alltag häufig mit regionalen Sprachvarianten konfrontiert sind. Wichtig: Es handelt sich dabei nicht um eigene „Dialektkurse“. Vielmehr wird im regulären Deutschunterricht bewusst auch das Hörverstehen des jeweiligen regionalen Dialekts aufgegriffen, um sie die Teilnehmer/innen bestmöglich auf reale Kommunikationssituationen vorzubereiten. Dies erfolgt auf vielfältige Arten, etwa durch Hörverstehensübungen zu regionalen Sprachvarianten, in denen Hochdeutsch und Dialekt gegenübergestellt werden und Rollenspiele, die Alltagssituationen abbilden.
Weiterentwicklung der Deutschkurse orientiert sich an realer Sprachpraxis
Die Neuausrichtung der ÖIF-Deutschkurse umfasst neben dem verstärkten Fokus auf Dialektverständnis weitere zentrale Elemente wie die Stärkung der aktiven Mitwirkung der Teilnehmer/innen, die verbindliche Verankerung von Selbstlernphasen sowie den Ausbau berufsbegleitender Deutschlernangebote. Ergänzend werden digitale Kompetenzen in allen Kursformaten integriert, um flexibles und ortsunabhängiges Lernen zu ermöglichen. Ziel ist es, dass Teilnehmer/innen rasch selbstständig ihren Alltag bewältigen können.
Weitere Informationen zu den Deutschlernmaßnahmen des ÖIF finden Sie unter www.integrationsfonds.at/deutschlernen.