ÖIF-Befragung: 8 von 10 der Teilnehmer/innen befürworten die Berücksichtigung von Dialekt im Unterricht / Deutschkurse helfen im Alltag und Beruf
© ÖIF/ Olha Soldatenko
Wie gut helfen Deutschkurse Flüchtlingen, subsidiär Schutzberechtigten und ukrainischen Vertriebenen im Alltag und Beruf? Wo stoßen Deutschlernende beim Verstehen regionaler Dialekte auf Schwierigkeiten? Und wie stehen die Kursteilnehmer/innen zum Thema Dialekt beim Deutschlernen? Der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) hat im April 2026 eine österreichweite Befragung unter rund 1.400 Teilnehmer/innen von Deutschkursen ab dem Niveau B1 durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen aus der Sicht der Befragten eine hohe Relevanz der ÖIF-Deutschkurse für Alltag und Erwerbstätigkeit. Gleichzeitig wird deutlich, dass das Verstehen regionaler Dialekte im Alltag für Flüchtlinge, subsidiär Schutzberechtigte und ukrainische Vertriebene eine zentrale Rolle spielt – ein Aspekt, der bereits in den neuen Kursformaten seit April 2026 verstärkt berücksichtigt wird.
Deutschkurse unterstützen große Mehrheit der Teilnehmer/innen im Alltag und bei der Arbeitssuche
87 % der Teilnehmer/innen geben an, dass ihnen der zuletzt besuchte Kurs dabei geholfen hat, sich im Alltag, etwa beim Einkaufen, bei Arztbesuchen oder bei Behördenwegen, auf Deutsch zu verständigen. Auch im Arbeitskontext zeigt sich aus Sicht der Befragten ein deutlicher Nutzen: Unter jenen Befragten, die aktuell erwerbstätig sind oder bereits in Österreich gearbeitet haben, berichten 81 %, dass der Deutschkurs sie bei der Arbeitssuche oder im Berufsalltag unterstützt hat. Insgesamt sind 41 % der Befragten derzeit erwerbstätig, weitere 24 % haben bereits in Österreich gearbeitet.
Dialekt als fester Bestandteil des Alltags
Die Mehrheit der Befragten (81 %) gibt an, Standarddeutsch gut oder sehr gut zu verstehen. Gleichzeitig nehmen 69 % einen deutlichen Unterschied zwischen regionalen Dialekten und Standarddeutsch wahr. Die Wahrnehmung dieses Unterschieds fällt in Wien geringer aus als in den restlichen Bundesländern. Dennoch sehen selbst in der Bundeshauptstadt mit 63 % deutlich über die Hälfte der Befragten einen sehr bzw. eher starken Unterschied. Viele der Befragten geben auch an, Dialekt laufend im Alltag zu begegnen: Besonders häufig wird er in öffentlichen Verkehrsmitteln (51 %), bei der Arbeit oder Arbeitssuche (45 %) sowie beim Einkaufen (45 %) wahrgenommen. In formelleren Kontexten wie Behörden oder Schulen spielt Dialekt hingegen eine geringere Rolle.
8 von 10 der Teilnehmer/innen befürworten die Berücksichtigung von Dialekt im Unterricht
Ein zentrales Ergebnis der Befragung ist das große Interesse der Teilnehmer/innen am Dialekt in ihrer Region: Über 85 % möchten Dialekt zumindest verstehen, rund ein Drittel (33 %) möchte ihn auch aktiv sprechen können. 81 % sprechen sich dafür aus, das Verstehen des Dialekts der eigenen Region im Deutschkurs zu üben. Gleichzeitig berichten viele von Herausforderungen: Rund zwei Drittel der Befragten haben häufig Schwierigkeiten, Dialekt im Alltag zu verstehen und knapp 60 % der befragten Personen, die aktuell erwerbstätig sind oder bereits in Österreich gearbeitet haben, berichten von Problemen im Arbeitskontext. Diese Verständnisschwierigkeiten haben auch konkrete Auswirkungen: Mehr als die Hälfte der Befragten (54 %) gibt an, bereits Situationen im Alltag vermieden zu haben, weil dort Dialekt gesprochen wurde.
Vor diesem Hintergrund wird Dialektverständnis bereits gezielt in den ÖIF-Deutschkursen berücksichtigt. Die Kurse setzen verstärkt auf alltagsnahe Sprachvermittlung und bereiten Teilnehmer/innen zielgerichtet auf reale Kommunikationssituationen vor; dabei wird auch das Verstehen von Dialekt geübt.
Wie das Dialektverständnis in fortgeschrittenen ÖIF-Deutschkursen gefördert wird
Der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) ist gemäß Integrationsgesetz die zentrale Anlaufstelle für das Deutschlernen im Integrationsbereich. Wer in Österreich Schutz erhalten hat oder als Vertriebener hier lebt und Deutsch lernen muss, erhält beim ÖIF flächendeckend qualitätsgesicherte Kurse. Mit April 2026 wurden die ÖIF-Deutschkurse umfassend weiterentwickelt: Die aktive Mitwirkung der Teilnehmer/innen wurde gestärkt, verpflichtende Selbstlernzeiten wurden verankert, berufsbegleitendes Deutschlernen ausgebaut und digitale Kompetenzen als fixer Bestandteil integriert. Gleichzeitig richten sich die Kursinhalte verstärkt an der sprachlichen Realität im Alltag aus und wurden gezielt um das Verständnis regionaler Dialekte erweitert. Die Kurse fördern daher ab Sprachniveau B1 das Hörverstehen regionaler Sprachvarianten, um Teilnehmer/innen dabei zu unterstützen, gesprochene Alltagssprache besser zu verstehen und sich rasch selbstständig im Alltag und im Berufsleben zurechtzufinden. Im Jahr 2025 wurden vom ÖIF rund 56.000 Deutschkursplätze an über 250 Standorten in ganz Österreich gefördert.