ÖIF beim 35. Wirtschaftsforum in Karpacz: Integration als Schlüssel für wirtschaftliche und gesellschaftliche Resilienz
Die Teilnehmer/innen des ÖIF beim 35. Economic Forum in Karpacz ©ÖIF
Beim 35. Economic Forum im polnischen Karpacz brachte sich der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) in zwei internationalen Paneldiskussionen zu zentralen Herausforderungen europäischer Migrations- und Integrationspolitik ein. Im Mittelpunkt standen die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen, Europas demografische Entwicklung sowie die Bedeutung von Sprache, Arbeit, Werten und gesellschaftlichem Zusammenhalt.
Für den ÖIF nahmen Jana Zavacka, Bereichsleiterin des Integrationszentrums Wien, und Timo Bovelino, Bereichsleiter Integrationszentren, an den Diskussionen teil. Das Economic Forum in Karpacz zählt zu den bedeutenden wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Dialogforen in Mittel- und Osteuropa und bringt Vertreter/innen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen.
Flüchtlinge und Europas Arbeitskräftebedarf: Integration entscheidet über den Beitrag
Jana Zavacka diskutierte im Panel „Migration, Work, Culture and Integration: Can Refugees Help Address Europe’s Demographic Crisis?“ darüber, welchen Beitrag Flüchtlinge zur Bewältigung von Arbeitskräfteengpässen und demografischen Veränderungen in Europa leisten können.
Im Zentrum stand dabei die Frage, wie aus Zuwanderung tatsächliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe werden kann. Aus Sicht des ÖIF sind insbesondere Deutschkenntnisse, ein rascher Zugang zum Arbeitsmarkt, die Nutzung vorhandener Qualifikationen und wirtschaftliche Selbsterhaltungsfähigkeit entscheidend.
Zavacka betonte, dass Migration zwar einen Beitrag zur Abfederung demografischer Entwicklungen leisten könne, die Alterung der europäischen Gesellschaften aber nicht allein lösen werde. Entscheidend sei vielmehr, wie gut jene Menschen, die bereits in Europa leben, in Beschäftigung gebracht werden und ihren Lebensunterhalt eigenständig bestreiten können.
Ein besonderer Fokus lag auf der praktischen Integrationsarbeit in Wien. Integrationsmaßnahmen müssten früh ansetzen und Sprachförderung, Qualifizierung und Arbeitsmarktintegration eng miteinander verbinden. Direkte Kontakte zwischen Arbeitssuchenden und Unternehmen, rasche Kompetenzfeststellung und die Anerkennung ausländischer Qualifikationen könnten dazu beitragen, vorhandene Potenziale besser zu nutzen und längerfristige Unterqualifizierung zu vermeiden.
Dabei wurde auch hervorgehoben, dass Integration sowohl Chancen als auch klare Erwartungen braucht: Menschen sollen die nötige Unterstützung erhalten, um Deutsch zu lernen, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und wirtschaftlich eigenständig zu werden. Gleichzeitig muss das Ziel sein, dauerhafte Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung zu vermeiden.
Ergänzt wurde die österreichische Praxisperspektive durch Monika Köppl-Turyna von EcoAustria, die den Zusammenhang zwischen Migration, demografischem Wandel, Arbeitskräftebedarf und fiskalischen Auswirkungen beleuchtete. Justyna Segeš Frelak vom ICMPD brachte darüber hinaus eine vergleichende europäische Perspektive ein und zeigte auf, wie unterschiedliche migrations- und integrationspolitische Rahmenbedingungen die Teilhabe von Flüchtlingen am Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft beeinflussen.
Gesellschaftliche Resilienz: Zusammenhalt braucht gemeinsame Grundlagen
Timo Bovelino vertrat den ÖIF im Panel „Social Resilience in an Era of Multidimensional Uncertainty“.Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Gesellschaften angesichts wirtschaftlicher, politischer, technologischer und sicherheitsbezogener Unsicherheiten ihren Zusammenhalt und ihre Anpassungsfähigkeit bewahren können.
Aus Sicht des ÖIF ist Integration dabei ein wesentlicher Faktor gesellschaftlicher Resilienz. Gesellschaften sind dann stabiler, wenn Menschen sprachlich, wirtschaftlich und sozial teilhaben können, Vertrauen in Institutionen entwickeln und die gemeinsamen Regeln des Zusammenlebens kennen und respektieren.
Bovelino hob insbesondere die Bedeutung von Sprache, Arbeit und Werten hervor. Deutschkenntnisse schaffen Zugang zu Bildung, Arbeitsmarkt und Institutionen. Erwerbstätigkeit ermöglicht wirtschaftliche Eigenständigkeit, stärkt soziale Kontakte und fördert gesellschaftliche Teilhabe. Gleichzeitig braucht eine vielfältige Gesellschaft einen gemeinsamen rechtlichen und demokratischen Rahmen.
Zu diesem gemeinsamen Rahmen zählen insbesondere Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung von Frauen und Männern, individuelle Freiheitsrechte sowie die Ablehnung von Gewalt und Extremismus.
Auch Polarisierung und gesellschaftliche Fragmentierung waren Thema der Diskussion. Internationale Konflikte, Desinformation, Extremismus und abgeschottete soziale oder digitale Milieus können gesellschaftliche Spannungen verstärken. Integrationsmaßnahmen können hier gegensteuern, indem sie Sprachkenntnisse, Orientierung, Teilhabe und die Anbindung an staatliche und gesellschaftliche Institutionen fördern.
Deutsch, Arbeit und Werte als gemeinsame Grundlage
Beide Paneldiskussionen machten deutlich, dass erfolgreiche Integration sowohl eine wirtschaftliche als auch eine gesellschaftliche Dimension hat. Deutschkenntnisse, Erwerbstätigkeit und Selbsterhaltungsfähigkeit schaffen die Grundlage für Eigenständigkeit; Orientierung an gemeinsamen Regeln und Werten stärkt Zusammenhalt und Zugehörigkeit.
Der ÖIF brachte damit in Karpacz eine klare integrationspolitische Perspektive ein: Integration gelingt dort, wo Menschen die Möglichkeit erhalten, rasch Teil der Gesellschaft zu werden – und zugleich Verantwortung für ihre eigene Integration übernehmen.